Blütengrund in Naumburg

Blütengrund in Naumburg: Aus für Fährmann Schmidt und die Fröhliche Dörte

Naumburg - Der kleine Laden am Steinweg, in dem man Fahrten mit der „Fröhlichen Dörte“ buchen konnte, ist bereits geschlossen. Das Ausflugslokal neben der Blütengrund-Fähre wurde in den vergangenen Tagen fast komplett abgerissen. Der Pachtvertrag an der Saale-Unstrut-Mündung ist ausgelaufen.

Von Harald Boltze 20.01.2017, 14:20

Der kleine Laden am Steinweg, in dem man Fahrten mit der „Fröhlichen Dörte“ buchen konnte, ist bereits geschlossen. Das Ausflugslokal neben der Blütengrund-Fähre wurde in den vergangenen Tagen fast komplett abgerissen. Der Pachtvertrag an der Saale-Unstrut-Mündung ist ausgelaufen. Nach jahrelangem Hin- und Her, vielen Querelen und Gerichtsprozessen geht es für den Fährmann Manfred Schmidt und seine Schifffahrtsgesellschaft am Blütengrund endgültig nicht mehr weiter.

Bis kommenden Mittwoch muss Schmidt das Gelände auf Weisung der GWG Wohnungsgesellschaft, die die städtische Fläche verwaltet, räumen. Für Schmidt, der seit 33 Jahren Einheimische und Touristen über die Saale gebracht hat, der aus einer Fährmann-Familie stammt, endet damit eine Ära. Unfreiwillig, aber wohl nicht schuldlos. Tageblatt/MZ sprach mit allen Beteiligten.

Was bisher passierte: Das Pachtverhältnis der Stadt mit Fährmann Schmidt lief in den vergangenen Jahrzehnten selten reibungslos. Höhepunkte dessen waren das Abschleppen seines nicht genehmigten Küchenschiffes (2009) sowie eine vor Gericht wieder gekippte Kündigung des Pachtvertrages (2011). In einem weiteren Prozess wurde festgestellt, dass die entstandenen gastronomischen Bauten nicht zulässig sind. Da die Stadt diese aber geduldet hatte, schloss man einen Vergleich. Die Bauten müssen bis Ende 2016 weg. Um Druck auszuüben, kündigte man Schmidt Mitte 2015 für Ende 2016 den Vertrag, bekam aber den Auftrag vom Gemeinderat, einen neuen auszuhandeln.

Warum konnten sich Stadt und Schmidt nicht über einen neuen Pachtvertrag einigen?

Nun, da gehen die Meinungen weit auseinander. Schmidt sagt, dass es „keine echten Verhandlungen“ gegeben habe. „Das war eine einzige Farce“. Stadt und GWG sehen das komplett anders. „Wir haben bis zum letzten Tag für Herrn Schmidt gekämpft“, sagt GWG-Chef Jarzyna. Und OB Küper meint: „Wir wollen ja seine Schifffahrt. Sie hat schließlich einen besonderen Charme.“ Als Ersatz für die illegalen Bauten habe man Schmidt diverse Angebote gemacht. Unter anderem einen Neubau an gleicher Stelle. „Dafür hätten wir sogar Fördermittel in Aussicht. Es wäre nicht einmal die Pacht deutlich höher geworden“, so OB Küper. Schmidt habe sich die Idee aber nicht mal wirklich angehört, sondern immer auf ein Küchenschiff beharrt.

Ein solcher Kahn scheint der Knackpunkt der Geschichte zu sein. Der Fährmann meinte gegenüber Tageblatt/MZ, dass dies die sinnvollste Lösung sei - aus Gründen der schnellen Anschaffung und der geringen Kosten von etwa 50000 Euro. Problem dabei: Ein solches Schiff, das ja einst im Blütengrund lag, ist laut Stadt baurechtlich nicht zulässig. „Wir haben das prüfen lassen. Die Sache ist eindeutig.“ Der Fährmann aber behauptet exakt das Gegenteil, hat dafür extra einen Sachverständigen hinzugezogen.

Damit es nicht zum Bruch kommt, bot die GWG Schmidt im September an, den Vertrag vorerst um ein Jahr zu verlängern, um Zeit zu gewinnen. Das aber lehnte der Fährmann ab. „Kein Unternehmer kann es sich leisten, nur ein Jahr im Voraus planen zu können“, so Schmidt. Im Gegenzug offerierte er einen Kauf des Grundstückes samt Fähre und bot 100000 Euro. „Das Geld habe ich selber zwar nicht. Aber ich habe sehr viele Unterstützer, die seit Jahren hinter mir stehen und das Geld aufbringen würden.“ OB Küper lehnt den Verkauf eines solchen Filet-Grundstückes aber ab.

Wie steht der Rat zu dem Thema?

Schwer einzuschätzen. Belange von privaten Unternehmern werden stets nichtöffentlich diskutiert. Die CDU-Fraktion hatte Schmidt im Dezember eingeladen. Die Sitzung endet jedoch im Fiasko, da Schmidt sich nicht kompromissbereit gezeigt habe und am Ende beleidigend geworden sei, wie Fraktionschef Daniel Sturm sagt. Sturm: „Damit hat er auch die letzten, die noch hinter ihm standen, vergrault.“ Der Fährmann hingegen argumentiert, er sei gar nicht richtig gehört wurden, „und dass man in so einer Situation emotional reagiert, ist doch nur normal.“ Andreas Sander (Sozialliberale) sprach von einer „bedauerlichen Entwicklung“, die aber darauf zurückzuführen sei, dass „Herr Schmidt auf seinen alten Standpunkten beharrt“.

Wie geht es für Fährmann Schmidt weiter?

„Der sofortige Zusammenbruch des erfolgreichen Tourismus-Unternehmens nach 25 Jahren“, so beschreibt Schmidt die Situation. Nach eigener Aussage hat er seine 20 Mitarbeiter entlassen. Er überlege, die drei Schiffe „Fröhliche Dörte“, „Unstrutnixe“ und „Reblaus“, mit denen er wirtschaftlich erfolgreich war, zu verkaufen. Theoretisch könnte er sie weiter auf der Saale betreiben, müsste sich dafür einen Anleger suchen.

Was passiert nun mit der Fähre?

Diese gehört der Stadt. Laut Manfred Schmidt ist sie ein Zuschussgeschäft, mit dem man kein Geld verdient. OB Küper: „Wir sind aber sicher, dass der Fährbetrieb ab Saisonbeginn wie gewohnt läuft. Es gibt bereits Interessenten.“

Was hat die Stadt überhaupt mit dem Blütengrund vor?

Man verfolgt weiter den einst erstellten Masterplan. Ein mühseliges und langwieriges Unterfangen. Nach Wasser- und Abwasseranschlüssen, neuem Parkplatz, sanierten Straßen und einer Wendeschleife, soll irgendwann ein Infrastruktur-Gebäude entstehen. Ob auf der Campingplatz- oder der Großjenaer Seite, wird der Gemeinderat entscheiden. Zur Verfügung hat man ein weiteres Grundstück direkt an der Flussmündung. Konkrete Pläne gibt es dafür noch nicht. Die Genehmigung, dort neu zu bauen, läge jedoch vor. Auch das sehen Manfred Schmidt und sein Anwalt anders. (ntb)