Abriss in Zeitz

Abriss in Zeitz: Warum die ehemalige Puppenwagenfabrik keine Chance hat

Zeitz - Die Fassade bröckelt. In der Dachrinne sprießt das Grün. Der Verfall ist dem Gebäude deutlich anzusehen. Die Rede ist vom backsteinroten Häuserkomplex  in der Zeitzer Schädestraße 6, der ehemaligen Puppenwagenfabrik. Das Fabrikgebäude, das dem Straßenzug ein markantes Aussehen verleiht, entstand 1925 nach einem Entwurf des Leipziger Architekten Max Fricke und trägt deutliche Züge der Reformarchitektur der Weimarer ...

Von Iris Richter 24.07.2017, 06:59

Die Fassade bröckelt. In der Dachrinne sprießt das Grün. Der Verfall ist dem Gebäude deutlich anzusehen. Die Rede ist vom backsteinroten Häuserkomplex  in der Zeitzer Schädestraße 6, der ehemaligen Puppenwagenfabrik. Das Fabrikgebäude, das dem Straßenzug ein markantes Aussehen verleiht, entstand 1925 nach einem Entwurf des Leipziger Architekten Max Fricke und trägt deutliche Züge der Reformarchitektur der Weimarer Republik.

Einst gehörte das Werk  zur Firma Opel & Kühne, doch seit Jahrzehnten steht es leer und der Zahn der Zeit hat deutlich am Gemäuer genagt. Trotz des maroden Zustandes ist nun eine Diskussion um den Erhalt solcher Industriebrachen entbrannt. 

Bauordnungsamt des Burgenlandkreises hat den Abriss verfügt

Erst jüngst bei der  Pecha-Kucha-Nacht in der Kramerstraße wiesen verschiedene Redner auf die Chancen auch für Zeitz hin, wenn solch prägende Objekte erhalten würden. Gerade für die Bereiche Kunst, Kultur und Design würden sich neue Möglichkeiten durch solche Objekte eröffnen. Doch für die Stadt Zeitz steht längst fest: Die ehemalige Puppenwagenfabrik wird abgerissen.

„Eigentlich können wir gar nicht anders. Das Bauordnungsamt des Burgenlandkreises hat den Abriss verfügt. Diese Tatsache ist für mich der Dreh- und Angelpunkt“, sagt der Zeitzer Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU).

Ehemalige Puppenwagenfabrik Zeitz: Mangelnde Standfestigkeit des Gebäudes

Nach dem Juni-Hochwasser der Weißen Elster vor vier Jahren, bei dem das Wasser auch in die Schädestraße gelaufen war, sei das  Gebäude untersucht worden. Als Ergebnis des daraus  entstandenen Gutachtens sei  von der Behörde eine mangelnde Standfestigkeit des Gebäudes bescheinigt worden, so Thieme.

Auch die Stadträte hatten sich gleich nach dem Schadensereignis mit geschädigten Gebäuden beschäftigt. Schon am 20. August 2013 fasste der Hauptausschuss des Zeitzer Stadtrates in seinem nichtöffentlichen Sitzungsteil einen Beschluss über den Abriss stark geschädigter herrenloser Grundstücke unter anderem des Gebäudekomplexes Schädestraße 6. Von den zwölf damals anwesenden Ausschussmitgliedern stimmten elf dafür. Ein Ausschussmitglied enthielt sich.

Belastungen in Höhe von über 200.000 Euro

Im November 2014 wurde im gleichen Gremium und mit dem gleichen Ergebnis die Forderung nach Erwerb der ehemaligen Puppenwagenfabrik beschlossen. Der gleiche Beschluss wurde im selben Monat mehrheitlich im Stadtrat gefasst. Hier waren von den 31 anwesenden Mitgliedern 29 dafür. Allerdings lagen auf dem Grundstück damals noch Belastungen in Höhe von über 200.000 Euro. Die Eigentümerin des Grundstücks, eine Immobiliengesellschaft, war aber längst gelöscht.

So sind in einem langwierigen Prozess Anstrengungen unternommen worden, um eine Zwangsversteigerung einzuleiten. Dort erwarb die Stadt das Objekt für 7.000 Euro. Gezahlt worden sind allerdings nur knapp 500 Euro für Gerichtskosten und Steuer. Denn auch die Stadt selbst hatte noch offene Forderungen in Höhe von über 38.000 Euro auf dem Grundstück. Zeitgleich bemühte man sich um Förderung für den Abriss. „Denn, dass auch so ein Abriss Geld kostet, vergessen viele. In diesem konkreten Fall stehen uns 1,4 Millionen Euro aus Hochwassermitteln zur Verfügung“, so Thieme.

Durchfinanziertes Konzept für den Abriss eines leerstehenden Gebäudes

Doch auch in seiner Brust würden zwei Herzen schlagen. Einerseits ästhetischen Gebäuden eine Chance zu geben, anderseits habe man in diesem Falle ein beschlossenes und durchfinanziertes Konzept für den Abriss eines leerstehenden Gebäudes. „Die Stadt selbst dürfte so ein Objekt gar nicht retten, weil die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben wäre. Zeitz hat zudem noch massenhaft solcher Gebäude, die ebenfalls für Künstler interessant sein könnten“, so der Oberbürgermeister. Etwa das Gebäude der ehemaligen Zulassungsstelle in der Schädestraße oder die einstige Eilabfertigung am Bahnhof. Hier seien, so Thieme, Abrissambitionen aber erst einmal gestoppt.

Nach dem  Abriss, für den die Ausschreibung läuft, hofft die Stadt auf der 5.200 Quadratmeter großen Fläche auf Gewerbeansiedlung.  „Wir haben vermehrt Anfragen nach Gewerbeimmobilien“, so Thieme. (mz)