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Schwerer Hagelsturm Verheerende Verluste: Unwetter-Superzelle zerstört Ernte im Kreis Wittenberg

Ein heftiges Unwetter mit Hagel hat im Kreis Wittenberg verheerende Schäden angerichtet. Landwirte beklagen nahezu vollständigen Ernteausfall, die Feuerwehr war im Dauereinsatz, um die Gefahren zu beseitigen.

Von Paul Damm Aktualisiert: 24.06.2024, 20:50
Nach der Unwetter-Superzelle am Freitag: Die Stiele der Sonnenblumen sehen aus wie geschält. Auch die Köpfe sind in Mitleidenschaft gezogen worden, erzählt Agrarchef Andreas Hansen.
Nach der Unwetter-Superzelle am Freitag: Die Stiele der Sonnenblumen sehen aus wie geschält. Auch die Köpfe sind in Mitleidenschaft gezogen worden, erzählt Agrarchef Andreas Hansen. (Foto: Thomas Klitzsch)

Wittenberg/MZ - Im Kreis Wittenberg sind die Nachwehen des heftigen Unwetters vom Freitagnachmittag noch immer zu spüren: Etliche durch den Sturm umgeknickte Äste werden beseitigt, verwüstete Sportanlagen und Gärten aufgeräumt und mit Schlamm und Laub verdreckte Straßen gesäubert.

Die sogenannte Superzelle, die vor wenigen Tagen über Teile des Kreises hinweggefegt war, hat einen massiven Schaden angerichtet – mit teilweise gravierenden Auswirkungen für die Landwirtschaft.

 
Video: Schwere Gewitter mit Starkregen sind am Freitag über Sachsen-Anhalt gezogen. (Bericht / Kamera: T. Klitzsch / M. Dölle, Schnitt / Sprecher: Christian Kadlubietz)

Von einem nahezu 100-prozentigen Ernteausfall ist die Rede. Eine „Katastrophe“, beklagen die Landwirte in der Region. Die gesamte Ernte: verhagelt.

Schwere Schäden durch Hagelsturm

Während am Freitag die Agrargenossenschaft in Rackith glimpflich davongekommen ist und laut Agrarchef Tino Gast keine Ernteschäden zu beklagen sind, hat das Unwetter im rund fünf Kilometer entfernten Eutzsch umso heftiger zugeschlagen: „Sowas habe ich noch nie erlebt“, berichtet Andreas Hansen, Chef der Agrargenossenschaft „Elbniederung Eutzsch“.

Mit Video: Unwetter sorgt für zahlreiche Rettungseinsätze in Sachsen-Anhalt

Der Hagel habe die Pflanzen nahezu durchlöchert. Getreide und Raps liegen am Boden. Körner seien ausgeschlagen worden, auch Blüten und Dolden von Sonnenblumen sind dem kurzen, aber heftigen Hagelschauer zum Opfer gefallen. Hansen betont: „Es ist erschütternd.“

Massiver Ernteausfall bei Landwirten durch Unwetter

Darüber hinaus werde das Unwetter die Agrargenossenschaft in Eutzsch auch in den nächsten Jahren noch beschäftigen: Weil etliche Rapssamen in den Boden gelangten, rechnet Geschäftsführer Andreas Hansen in der Folgefrucht mit ernsthaften Problemen durch auflaufenden Ausfallraps.

Gemeint ist, dass die Samen dann auf demselben Acker erneut keimen könnten – nur eben zwischen anderer Saat. In den nächsten Tagen will der Betrieb retten, was zu retten ist.

Folgen des Unwetters am Freitag: Dieses Fahrzeug ist in Pratau von einem umgestützten Baum erwischt worden.
Folgen des Unwetters am Freitag: Dieses Fahrzeug ist in Pratau von einem umgestützten Baum erwischt worden.
(Foto: Sascha Graf)

Auch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren von Möhlau und Gräfenhainichen hatten mehrere Unwettereinsätze zu verzeichnen: In Folge des heftigen Sturms sind sie am Sonntag gegen 12 Uhr zum Waldfreibad Seeidyll Möhlau gerufen worden.

Gefährliche Einsätze der Feuerwehr - Unwetter sorgt für Verwüstung

Eine stattlich gewachsene Robinie wies eine deutliche Bruchstelle auf und ein Teil des Baumes drohte auf einen Gastank zu fallen. Um Schlimmeres zu verhindern, war Tempo gefragt. Die Feuerwehrkameraden in Möhlau verständigten die Gräfenhainichener Feuerwehr, die mit einem Hubsteiger und Rüstwagen hinzueilte.

Sie sicherte zunächst mit Stützpfeilern den abknickenden Ast. Daraufhin wurde der betroffene Teil des Baumes mithilfe von Kettensägen sukzessive zurückgeschnitten. Die Gefahr um den explosiven Gastank, der zum Beheizen der Ferienwohnungen dient, war gebannt.

Massive Sturmschäden: Feuerwehr stundenlang im Einsatz

Nach rund dreieinhalb Stunden konnte der Einsatz am Waldfreibad als beendet angesehen werden, heißt es von einem Feuerwehrmann. Auch die Kameraden der Stadt Kemberg hatten ein „stürmisches“ Wochenende. Vier Mal innerhalb von zwei Stunden rückten am Freitag Feuerwehrmänner verschiedener Ortsfeuerwehren aus.

Grund: Sturmbeseitigung. Betroffen waren die Bereiche Radis, Uthausen und Klitzschena bei Bergwitz.

Massive Schäden durch Gewitterzelle: Am Sonntag sind Kameraden ins Freibad Möhlau ausgerückt. Ein Baum droht auf Gastank zu stürzen, nachdem der Baum im Sturm geborsten war.
Massive Schäden durch Gewitterzelle: Am Sonntag sind Kameraden ins Freibad Möhlau ausgerückt. Ein Baum droht auf Gastank zu stürzen, nachdem der Baum im Sturm geborsten war.
(Foto: Klitzsch)

Eine Schneise der Verwüstung hat das Unwetter wie berichtet in Pratau hinterlassen: Bäume wurden entwurzelt und zerquetschten Autos. Dächer wurden abgedeckt, Keller und Unterführungen geflutet. „In Pratau sah es aus wie nach dem Krieg“, schildert Michael Horn vom Kommunalservice in Wittenberg am Montag.

Riesige Schäden durch Gewitterzelle: Orte halten zusammen

Der Geschäftsführer, der selbst in Pratau zu Hause ist, sei ebenfalls von Unwetterschäden betroffen, sagt er und lobt gleichzeitig, dass die Anwohner an einem Strang gezogen haben. „Im Dorf haben alle in Gemeinschaftsarbeit mit Besen und Schippe die Straße freigemacht.“

Erst danach habe die Kehrmaschine den Dienst verrichten können, erklärt Horn. Eine erste grobe Reinigung sei gleich am Freitag erfolgt. Dabei blieben allerdings einige Straßenabschnitte noch leicht verschmutzt. Wie Horn erklärt, sei dies unumgänglich, denn „nasses Kehrgut lässt sich von der Maschine nicht gut aufnehmen“.

Folgen des Unwetters: Auch in Wittenberg sind die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren bis in den  Abend hinein mit der Beseitigung entwurzelter Bäume beschäftigt.
Folgen des Unwetters: Auch in Wittenberg sind die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren bis in den Abend hinein mit der Beseitigung entwurzelter Bäume beschäftigt.
(Foto: Klitzsch)

In dieser Woche – nun ist es trocken – sollen einige Stellen erneut gründlich gereinigt werden, versichert der Chef des Kommunalservice.

„Die Bürger haben auf ihren Grundstücken gerade mehr als genug zu tun, also wollen wir ihnen auch auf den Straßen mit Anliegerpflicht helfen.“ Darüber hinaus seien noch Baumschnittarbeiten vorgesehen, die sich wohl bis zum Ende der Woche hinziehen werden.

Unwetter schlägt zu: Sportverein verliert Umkleiden

Grenzenlos ist die Freude des Pratauer Sportvereins „Blau-Rot“ über die Hilfsbereitschaft von Anwohnern. Nachdem das Unwetter den Sportplatz massiv verwüstet hatte, baten die Sportler um viele helfende Hände.

Am Sonnabend um 10 Uhr hatten sich dann viele Ehrenamtliche gefunden, die anpackten. „Ihr seid der Wahnsinn. Wir konnten vieles sauber machen“, heißt es im Facebookpost des Sportvereins. Die Auswechselkabinen habe es jedoch „komplett entschärft“.

Auch Fangnetze, Sponsorentafeln und das Dach der Blockhütte seien am Freitag stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Weitere Hilfe werde dankend entgegengenommen.