Tag des Ehrenamts

Tag des Ehrenamts : Hartes Jahr angekündigt

Wittenberg - Der Oberbürgermeister wirbt um Verständnis angesichts geforderter Einsparungen.

Von Karina Blüthgen

Das Ehrenamt ist ein Pflänzchen, das gehegt werden will. Das zeigt das Bild vorn auf der Leinwand im Stadthaus, und das weiß auch Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos). Wie viele ehrenamtlich tätige Menschen es im Stadtgebiet von Wittenberg gibt, kann er zwar nicht sagen. „Aber es sind sehr viele und viele davon mehrfach“, ist er sicher.

Am Dienstag hat die Stadt zum Tag des Wittenberger Ehrenamtes geladen. Gekommen ist auf Einladung ein Teil derer, die das Leben in Wittenberg ausmachen, sowohl in der Kernstadt als auch in den vielen Ortsteilen.

Die Vorträge und Seniorennachmittage organisieren, das Stadtfest und viele Dorffeste mit gestalten, Menschen retten und ihnen in Krisen beistehen, singen und musizieren, Beschlüsse fassen, Tiere züchten und vieles mehr. Rund 300 haben Platz genommen.

Torsten Zugehör beschwört die Gemeinschaft, die 2017 zu einem besonderen Jahr gemacht hat. „1.650 Ehrenamtliche aus 20 Vereinen haben an den vier Wittenberg-Abenden mitgewirkt. Herzblut und Leidenschaft haben Wittenberg zu einem Ort des Sommermärchens werden lassen“, wird er nicht müde, das einzigartige Jahr in der Erinnerung wieder aufleben zu lassen.

Auf dem Prüfstand

Der Oberbürgermeister wirbt aber auch um Verständnis, dass dieses Jahr von Einsparungen geprägt sein wird. „2018 wird ein hartes Jahr“, sagt er, was im Saal mit einem Raunen quittiert wird. „Das liegt aber nicht daran, dass wir nicht sparsam mit Geld umgehen können. Doch nach der Haushaltsverfügung des Landkreises dürfen wir nur noch solche Aufgaben erfüllen, zu denen wir verpflichtet sind.“

Was bedeute, dass nicht jeder, der in den vergangenen Jahren eine Förderung erhalten habe, diese auch in diesem Jahr bekomme.

Alles stehe auf dem Prüfstand. Doch trotz knapper Kasse betont Zugehör: „Wir wollen den Laden weiter zusammenhalten.“ Denn letztlich seien auch Stadträte und Ausschussmitglieder Bürger der Stadt, „wir alle profitieren von Ihrem Angebot“. Zwei Beispiele von ehrenamtlichem Engagement hebt er besonders hervor. Da ist zum einen Sylvia Ziegler mit den Freunden der Bibliothek, zum anderen Mario Zastrow, der sich mit seiner Lebensgefährtin für einen an einer Bushaltestelle lebenden Obdachlosen eingesetzt hat.

„Ich will hier bewusst nicht darüber reden, was da hätte besser laufen können. Tatsache ist, dass sich Menschen füreinander einsetzen und für Schwächere da sind“, ermutigt Zugehör, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.

Die Rede bleibt bei den Gesprächen am Büfett nicht ohne Widerhall. Etliche Vereine bekommen Förderung für ihre Räume, befürchten höhere Kosten zulasten der Mitglieder. In Nudersdorf muss dieses Jahr das Dorffest ausfallen, erzählt Gundel Lehmann vom Verein Rittergut Nudersdorf: „Wir machen auf jeden Fall den Fackelumzug im Herbst und die Weihnachtsfeier für die Senioren.“

In Wüstemark werde alles wie gewohnt laufen, sagt hingegen Karma Retzke. „Wir haben nie Feste mit Zuschüssen gemacht. Wir sind ein kleines Dorf und haben derzeit auch keine großen Jubiläen.“

Lieder für den Frühling

Das Paul-Gerhardt-Orchester unter Leitung von Michael Marinov spielt Frühlingslieder, dem am Tage frisch gefallenen Schnee zum Trotz. „Es ist eine große Ehre für uns, den musikalischen Beitrag für diese Veranstaltung zu leisten“, sagt Marinov. Und macht Werbung für das Frühlingskonzert am Freitag, 19 Uhr, ebenfalls im Stadthaus.

Den Abend für die Ehrenamtlichen hat die Stadt Wittenberg nicht nur organisiert, sie hat ihn übrigens auch finanziert. „Wenn wir das nicht machen, werden wir es zehn- und hundertfach teuer bezahlen“, ist sich Zugehör sicher. „Wer uns das verbieten will, der soll sich selbst hierher stellen und das begründen.“ (mz)