Straftat bei Wittenberg

Straftat bei Wittenberg: Schüsse auf den Storch Luther

Wittenberg - Die Diagnose ist bitter: Splitterfraktur im rechten Flügel, Sehnenriss. Anfang August wird in Wittenberg ein Weißstorch verletzt aufgefunden. Das perfide daran: der Vogel wurde offensichtlich angeschossen.

Von Alexander Baumbach 17.08.2016, 09:25

Die Diagnose ist bitter: Splitterfraktur im rechten Flügel, Sehnenriss. Anfang August wird in Wittenberg ein Weißstorch verletzt aufgefunden. Das perfide daran: der Vogel wurde offensichtlich angeschossen.

"Es ist unbegreiflich, weil man sowas von der Psychologie her nicht für möglich hält. Wer schießt denn auf einen Storch? Vielleicht noch, wenn er sich schon vor der untergehenden Sonne auf dem Feld oder im Nest vom Horizont abhebt?", fragt Christoph Kaatz entrüstet. Der Gründer des Storchenhofs in Loburg (Jerichower Land) hat sich des Altstorchs angenommen.

Aggressiv, dann friedlich

Dass ein angeschossener Storch auf dem Hof versorgt werden muss, ist auch für Christoph Kaatz nichts Alltägliches. "Ich erinnere mich an einen einzigen anderen Fall, der liegt aber schon sehr lange zurück", erklärt der promovierte Ornithologe, der 2010 den Verdienstorden der Bundesrepublik aus der Hand von Bundespräsident Christian Wulff bekommen hat.

Der Flügel bleibt noch eine Weile bandagiert, damit die Verletzungen heilen können - danach müssen dem Altstorch, den man auf den Namen "Luther" getauft hat, die Kugeln aus dem Körper entfernt werden. "Unter anderem deshalb, weil auch sein Namenspatron verfolgt wurde, hat ihm seine Patin den Namen gegeben", schreibt der Storchenhof auf seiner Facebookseite.

Beim Tierarzt zeigt sich Altstorch "Luther" aggressiv. "Bei uns ist er aber weitgehend friedlich" schildert Kaatz das Verhalten des verletzten Zugvogels. Im Jahr 1979 hat er die Vogelschutzwarte gegründet. Der alarmierende Rückgang des Weißstorchbestandes war damals Anlass zur Gründung einer Auffangstation für verletzte Störche und andere Großvögel und deren verwaiste Küken und Gelege. Luther ist der 1.700te unfreiwillige (Storchen-)Gast im Storchenhof.

Jedes Jahr werden nach Angaben des Trägervereins 50 bis 70 verletzte Alt- und Jungstörche und verwaiste Küken oder Gelege auf den Hof gebracht. Zu den Störchen gesellen sich zahlreiche Bussarde, Falken, Milane, Kraniche, Eulen und Kleinvögel. Zwei Drittel der aufgenommenen und gepflegten Vögel konnten wieder ausgewildert werden, ein Drittel wurde flugunfähig an tierpflegende Einrichtungen abgegeben, erlag den Verletzungen oder musste eingeschläfert werden.

Krankenbesuch bei "Luther"

Am 26. August steht für "Luther" der nächste Besuch beim Tierarzt im Kalender. "Dann können die Kugeln aus den Flügeln operativ entfernt werden", erklärt Christoph Kaatz.

Krankenbesuch empfängt "Luther" täglich zwischen 10 und 17 Uhr, da hat der Storchenhof auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Am kommenden Sonnabend ist auf dem Storchenhof außerdem auch noch Erlebnistag. (mz)