Stadtbibliothek WittenbergStadtbibliothek Wittenberg: Schöne neue Bücherwelt

Wittenberg - Die Stadt stellt die Pläne für den Bibliotheksumbau vor. Was Roboter und 3-D-Drucker damit zu tun haben.

Von Irina Steinmann 17.03.2019, 08:22

Die Präsentation ist an diesem Abend im Kulturausschuss schon weit fortgeschritten. Da sagt Anett Brachwitz diesen Satz: „Es bleibt eine Bibliothek.“ Das muss man dazusagen. Mit einer schnöden Ausleihe hat das, was noch ab diesem Jahr im Haus Schlossstraße 7 entstehen soll, nämlich nichts mehr zu tun.

1,4 Millionen Euro will die Stadt in die Hand nehmen, um ihre Hauptbibliothek darüber hinaus zu einem Lern- und Erlebnisort für Wittenberger jedes Alters umzubauen. Am 25. September soll es losgehen, die Fertigstellung ist für den 7. Juli 2020 geplant.

Für den Umbau der Bibliothek engagiert die Stadt das Dresdener Architekturbüro Peter Zirkel. In Dresden, im Kulturpalast, hat man sich auch Anregungen geholt, wie eine Stadtbücherei heutzutage eingerichtet und ausgestattet ist. In den derzeit veranschlagten 1,4 Millionen Euro sind neben den Planungs- auch die Ausstattungskosten berücksichtigt, allerdings erhofft sich der Eigenbetrieb hierfür noch Fördermittel, 200000 Euro habe man bei der Bundeskulturstiftung beantragt, so Brachwitz. Die reine Baumaßnahme wird laut Bürgermeister Jochen Kirchner zu 90 Prozent aus dem Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ (Aso) gefördert.

Während der Bauzeit kommt die Bibliothek in der Osthalle des Alten Rathauses unter.

Schlauch verschwindet

Der Altbau von 1961 wird komplett umgebaut und teils durch einen Neubau ergänzt. Richtung Wallstraße entstehen außerdem ein Garten und Parkplätze. Im Inneren, so Marina Georgi vom Fachbereich Gebäudemanagement, wird so gut wie nichts mehr sein wie es bisher ist. Erhalten bleibt allerdings der Innenhof, der schon jetzt als Ruheoase genutzt wird, er wird aber etwas verkleinert, so dass die schlauchartigen Gänge drumherum verschwinden.

Indem die Büros der Mitarbeiterinnen ins Obergeschoss des südlichen Gebäudeteils verlegt werden, steht künftig der gesamte Erdgeschossbereich den Nutzern zur Verfügung. Ein Aufzug außen am Haus transportiert Bücher - und Menschen mit Handicap - in den Mitarbeiterbereich. Durch einen neuen, zusätzlichen Eingang von der Wallstraße her wird es möglich sein, den ebenfalls auf der Südseite entstehenden neuen großen Veranstaltungsraum auch zu vermieten.

Brachwitz, Leiterin des Wittenberger Eigenbetriebs „Kommbi“, zu dem neben Kindereinrichtungen und Schulen auch die Bibliothek gehört, macht keinen Hehl daraus, dass man auch eigene Einnahmen generieren möchte - und muss.

Denn ist schon die Hardware dazu angetan, den Abschied vom herkömmlichen Bibliothekswesen zu vollziehen, tut es die in Aussicht gestellte Software erst recht. „Wir wollen einen Ort der Begegnung schaffen“, setzt Brachwitz an und legt dann richtig los. Neben Ausleihen und Schmökern soll die gute neue Stadtbücherei ihren Nutzern, allen voran Kindern, schier unbegrenzte Möglichkeiten eröffnen, sich kreativ zu betätigen. Roboter programmieren? Alte Tonträger digitalisieren? 3-D-Drucker einsetzen? All das könnte, jedenfalls möchte das neue Haus bieten.

Automaten zur digitalen Verbuchung sollen Leihvorgänge auch außerhalb der Öffnungszeiten ermöglichen - und, wie Brachwitz versichert, auch für Senioren kinderleicht zu bedienen sein. Um Klau zu verhindern, würden sämtliche Bücher gechippt. Ob Diebe optisch gestellt werden dürfen oder nur akustisch, das sei aber noch zu klären, so Brachwitz.

Offen, aber nicht laut

Auf Abgrenzungen der einzelnen Bereiche - mit Ausnahme des großen Veranstaltungsraumes sowie eines Raumes, wo es echt laut werden darf - wolle man verzichten, sagte Brachwitz, das gelte auch für den Kinderbereich. Akustikdecken und andere schallschluckende Oberflächen sollen aber dafür sorgen, dass Bibliotheksatmosphäre bleibt.

Zwar fremdelt der Kulturausschuss bei der Vorstellung der Bau- und Ausstattungspläne noch ein bisschen mit schicken Begriffen wie „Makers’ Room“ - was sich freilich mit „Macherraum“, wie einer bodenständig vorschlägt, nur annähernd übersetzen lässt -, zeigt sich aber sehr angetan. Die CDU-Frauen sehen sich dem von ihnen seit langem geforderten Spielehaus ein Stück näher. „Ein neues Bildungszentrum entsteht“, konstatiert Ausschussvorsitzender Horst Dübner (Linke).

Es bleibt aber eine Bibliothek. Und was für eine!

(mz)