Politik

Neuer Landrat in Wittenberg gesucht

Allmählich zeichnet sich ab, wer am 6. Juni für den Spitzenjob auf dem Wahlzettel stehen wird. Wer antreten will und wo es Allianzen gibt.

Der Sitz des Landrates in Wittenberg
Der Sitz des Landrates in Wittenberg Foto: Thomas Klitzsch

Wittenberg - Es gibt Themen abseits von Corona: zum Beispiel die näher rückende Landratswahl, die gemeinsam mit der Landtagswahl am 6. Juni stattfindet.

Spannend wird sie schon allein deshalb, weil der seit zwei Legislaturperioden amtierende Landrat, Jürgen Dannenberg (Die Linke), der 68 Jahre alt ist, nicht wieder antritt. Und seine Partei stellt keinen Kandidaten auf. Zwar gab es Bestrebungen und eine Person, die im Blick war. Aus gesundheitlichen Gründen, heißt es, sei daraus nichts geworden.

Linke stützt SPD-Kandidat

Dafür will die Linke nach den Worten ihres Kreisvorsitzenden Uwe Loos den Mann unterstützen, den die SPD bereits vor einigen Wochen nominiert hat: Sven Paul, 41 Jahre alt, Referent im Bundesfamilienministerium. „Es gibt dazu eine Beschlusslage“, sagt Loos und dass Paul sich am 6. Mai den Linken noch einmal vorstellen werde. Man habe sich geeinigt, Paul zu unterstützen, „um seine Chancen zu erhöhen“.

Bislang liegen, erklärt Landkreis-Sprecher Ronald Gauert, gerade mal zwei Bewerbungen um das Amt des Landrates in Wittenberg vor. Das dürfte sich allerdings schnell ändern. Denn wie berichtet haben zwei Parteien, die im Kreistag keine geringe Rolle spielen, ihre Kandidaten am vergangenen Wochenende aufgestellt: Das sind die Christdemokraten, die wieder mit Christian Tylsch, Fraktionschef, ins Rennen ziehen.

Tylsch war bei der letzten Landratswahl vor sieben Jahren bereits Kandidat, er unterlag damals Dannenberg. Und die AfD schickt einen zumindest in der Wittenberger Region weniger bekannten Mann in den Wahlkampf: Frank Luczak, Unternehmer und Stadtrat in Jessen. Der AfD-Kreisverband, heißt es vollmundig in einer Presseerklärung, „stellt sich damit der Herausforderung der Landratswahl. Schließlich sollte die Zeit der Einheitskandidaten ein Ende und die Bürger eine Alternative zum Altparteienkartell haben.“

Gewicht haben in der regionalen Politik nicht zuletzt die Freien Wähler, die bislang noch keinen Kandidaten benannt haben. Das soll sich nach den Worten von Stefan Kretschmar allerdings in Kürze ändern. „Wir stellen definitiv jemanden auf, wir haben mehrere Kandidaten und sind auf der Zielgeraden“, sagt der Wittenberger. Die Entscheidung soll am kommenden Freitag fallen.

Mindestens eine Frau, das steht fest, wird ebenfalls zur Wahl stehen, wenn es im Juni darum geht, für einen neuen Landrat zu votieren. Sie ist jene, die neben SPD-Mann Sven Paul die entsprechenden Unterlagen bereits eingereicht hat. Antreten will als Einzelkandidatin die Bad Schmiedebergerin Heike Dorczok, 48 Jahre alt, von Beruf Rechtsfachwirtin.

Sie hat lange in Leipzig gelebt, arbeitet dort auch noch, und ist 2016 mit ihrer Familie nach Bad Schmiedeberg umgesiedelt. Dorczok selber gehört keiner Partei an: „Es gibt Schnittmengen. Ich konnte mich bislang aber nicht festlegen.“ Politisches Interesse rührt nicht zuletzt aus den Tagen der Friedlichen Revolution her, als sie beim Demokratischen Aufbruch aktiv war.

Ihr Mann unterdessen gehört der CDU an und ist auch Mitglied im Ortschaftsrat. Dorczok sieht „unseren Landkreis Wittenberg deutlich zu wenig und aktuell leider negativ repräsentiert.“ Unter anderem da sehe sie Verbesserungspotential, das sei ein Grund für sie anzutreten.

Zeit bis zum 10. Mai

Wer seinen Hut jetzt noch in den Ring werfen möchte, dem bleiben dafür einige Tage Zeit. „Bis zum 10. Mai, 18 Uhr, muss die Bewerbung eingegangen sein“, sagt Kreissprecher Gauert. Gesucht wird laut Ausschreibung „eine engagierte, verantwortungsbewusste, zielstrebige und führungsstarke Persönlichkeit mit überdurchschnittlicher Leistungs- und Einsatzbereitschaft, die in der Lage ist, gemeinsam mit den Gremien des Landkreises Wittenberg die Entwicklung des Landkreises Wittenberg zu fördern und die Verwaltung bürgernah, leistungsorientiert und wirtschaftlich zu führen.“ (mz/Marcel Duclaud)