Altstadt

Netzwerk in Wittenberg will Zentrum stärken

Viele verschiedene Kräfte bemühen sich um eine Stärkung des Wittenberger Zentrums. Kürzlich fand ein erstes Netzwerktreffen statt.

Von Irina Steinmann 03.08.2021, 13:11
Nicht zu übersehen. In der  Wittenberger Altstadt stehen viele Läden leer.
Nicht zu übersehen. In der Wittenberger Altstadt stehen viele Läden leer. (Foto: Thomas Klitzsch)

Wittenberg - Vor knapp drei Wochen traf man sich erstmals nach Ausbruch der Pandemie wieder in größerer Runde. Es war das erste Netzwerktreffen überhaupt, das da im Alten Rathaus über die Bühne ging. Der Einladung der beiden City-Managerinnen Annika Heinlein und Carolin Bernhardt waren den Angaben zufolge etwa 20 Akteure aus den Bereichen „Gewerbe, Gastronomie, Tourismus, Kultur und Soziales“ gefolgt, außerdem Mitarbeiter von Stadtmarketing und -verwaltung. Es ging um die Belebung der Altstadt.

Veranstalter fand’s ganz gut

Man verstehe sich als „Plattform“, hieß es bald darauf in einer Mitteilung an die Medien über den Verlauf des Netzwerktreffens. „Die Citymanagerinnen ziehen insgesamt ein positives Resümee“, auch wenn sich „natürlich“ noch „Anpassungsbedarf“ zeige. „Wir freuen uns erst einmal“, dass das erste Netzwerktreffen „so gut angenommen wurde“, zitiert sich das City-Management aus dem Hause „Stadt + Handel“, das wie berichtet vor Jahresfrist von der Stadt Wittenberg engagiert worden ist, dann aber lange mit den Corona-Restriktionen zu kämpfen hatte. Manche fanden, es tat sich auch sonst zu wenig.

Inhaltlich ist der Mitteilung über das Treffen so gut wie gar nichts zu entnehmen, sieht man davon ab, dass es offenbar einen „Bedarf für Austausch“ gibt. Es wurde „rege diskutiert“, hieß es, „so dass die geplanten zwei Stunden schnell vergingen“.

Ziel des ersten Netzwerktreffens sei gewesen, „Transparenz zu schaffen“ und Vorstellungen auszutauschen, erläuterte am Montag auf MZ-Anfrage Carolin Bernhardt. Als ein Beispiel nannte sie Informationen über geplante Veranstaltungen. „Solche Sachen entwickeln sich“, unterstrich sie.

Die Corona-Pandemie hat die Situation der Wittenberger Altstadt fraglos verschärft. Wobei der zu beobachtende Leerstand deutlichstes Zeichen dafür ist, dass hier - wie in vielen deutschen Städten - etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein Thema also, das kaum jemanden kaltlässt.

Auch Stadtrat Volker Scheurell (AfD) nicht, der es kurz vor der Sommerpause erneut im Hauptausschuss aufs Tapet gebracht hatte. Scheurell hatte damals auf ein „Konzept“ mit Vorschlägen zur Leerstandsbeseitigung verwiesen, das er der Verwaltung habe zukommen lassen. So ist es der aktuellen Antwort der Stadtverwaltung zu entnehmen.

„Stark beeinträchtigt“

Demnach „bestehen kontinuierliche Bestrebungen, den Leerstand zu reduzieren“, schreibt Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos), nicht ohne zu konstatieren, dass „die Geschäftstätigkeit der Wittenberger Unternehmen, besonders der in der Innenstadt, in den letzten Monaten stark beeinträchtigt“ war.

Widersprochen wird allerdings der Annahme, dass der Leerstand in dieser Zeit zugenommen hätte. 45 nicht genutzten Läden im Jahr 2020 stünden gegenwärtig 37 gegenüber, so Zugehör unter Bezug auf die zweimal jährlich vorgenommene Leerstandsanalyse. Die nächste sei für Oktober/November geplant. Derartige Zählungen seien freilich immer eine Momentaufnahme.

Volker Scheurell hatte vorgeschlagen, leerstehende Objekte beispielsweise mit Schauhandwerk oder als Repräsentations- bzw. Verkaufsort für ortsansässige Unternehmen zu nutzen. Die seitens der Stadt als „sehr hilfreich“ bewerteten Vorschläge hätten sich allerdings nicht realisieren lassen, so der Oberbürgermeister. Weder Wikana noch Wittenberg Gemüse zieht es demnach in die Altstadt. Und weiter: „Bezüglich Ihrer Geschäftsvorschläge (Schaukäserei, Schautischlerei, Tonwerkstatt) hat sich noch kein Betreiber*in gefunden, der den Schritt in die Innenstadt wagt.“

Leider „mangelt es an tragfähigen Konzepten und vor allem an Bürger*innen, die in diesen Tagen das Risiko einer Unternehmensgründung eingehen bzw. ein Ladengeschäft in der Innenstadt der Lutherstadt Wittenberg eröffnen“, so Zugehör, der an dieser Stelle auf die Wirtschaftsförderung im eigenen Haus und auf das City-Management verweist, die hier Unterstützung böten.

Feste Plattform

Das Netzwerktreffen soll künftig übrigens einmal im Quartal stattfinden. Als feste Plattform soll es laut City-Management auch „Doppelstrukturen vermeiden“. Denn an der Belebung der Wittenberger Altstadt werkeln seit Jahren viele Akteure, die sich untereinander abstimmen müssen. Zuletzt hatte gegenüber der MZ Jörg-Peter Pajak von der Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH angekündigt, dass für den September gemeinsam mit Altstadthändlern Veranstaltungen vorbereitet würden. (mz)