Neuerscheinung

Lutherstadt Wittenberg Ein Stadtspaziergang: Stadtführerin schickt Besucher

Wittenberg - Mit Heidrun Rößing kann man jetzt auch in Buchform auf Tour gehen: Die Stadtführerin hat einen Kunstführer geschrieben.

Von Irina Steinmann

Aktueller geht’s nicht. „Hier stehen sogar Sachen drin, die sind noch gar nicht fertig“, scherzt die Autorin mit Blick auf das mitunter etwas unberechenbare Wittenberger Bauwesen. Und so schickt sie ihre Leser, beispielsweise, durch den „Universitätspark“ am Lutherhaus. Den gibt’s, als Ort, gestaltet ist er freilich noch nicht.

Seit diesem Mittwoch ist im Handel der Titel „Lutherstadt Wittenberg. Ein Stadtspaziergang“ erhältlich. Geschrieben hat das in jeder Hinsicht handliche Bändchen die langjährige Stadtführerin und pensionierte Geschichtslehrerin Heidrun Rößing. Auf knapp 50 Seiten folgt ihr der Leser, vorbildlich „mit dem Zug am Hauptbahnhof angekommen, dem zweiten ,Grünen Bahnhof’ Deutschlands“, durch die Altstadt.

Selbstverständlich sind alle Stationen vertreten, die man als Tourist gesehen haben muss, doch wurden auch einige Schauplätze mit aufgenommen, die selbst manchen Einheimischen unbekannt sein dürften, das Schurff-Haus im Hof der Collegienstraße 81 etwa. Mit dem Asisi-Panorama beispielsweise oder dem Antependium für die frisch sanierte Schlosskirche von der dänischen Königin Margrethe II. sind neben Rößings sehr angenehm lesbaren Texten auch die Fotografien, 42 an der Zahl, ganz auf der Höhe der Zeit.

Fotografiert hat der sonst eher in Dresden tätige Sachse Carlo Böttger, und wie er mit Rößing stundenlang durch die Wittenberger Altstadt gezogen ist, um zwischen all den Baugerüsten, störenden Menschen und wechselnden Lichtverhältnissen ordentliche Fotos hinzubekommen, wäre fast eine eigene Geschichte wert. Viele Bauarbeiter werden sich jedenfalls wohl erinnern an die beiden...

Ein paar Anekdötchen lassen Rößing und Böttger gucken, als sie am Mittwochmittag im Seminarraum des Stadthauses das druckfrische Buch einer kleinen aber interessierten Öffentlichkeit vorstellen - die sich das Werk am Ende auch noch signieren lässt.

Auch der Verleger ist eigens aus dem Allgäu angereist, um die neueste Publikation aus seinem Hause persönlich vorzustellen. „Ein Glücksfall“ sei Heidrun Rößing für ihn gewesen, sagt Josef Fink vom gleichnamigen Kunstverlag. Der Kontakt kam über die Wittenberger Touristen-Information zustande, die als Kooperationspartner der Publikation firmiert und, wie Tourismuschefin Kristin Ruske sagte, durchaus auch auf eine einheimische Leserschaft setzt.

Fink, der seinen eigenen Verlag seit 20 Jahren führt und seither, wie er in Wittenberg berichtete, bereits etwa 1.200 Titel publiziert hat, hatte bereits 2005 einen Kunstführer mit Wittenberg-Bezug herausgebracht: über die Hundertwasserschule, im selben Westentaschenformat.

Auch für Heidrun Rößing ist es nicht der erste Stadtführer, den sie über Wittenberg geschrieben hat; ihr erster erschien bereits kurz nach der Wende, 1992, und wurde, wie sie sich erinnert, aus Werbeeinnahmen finanziert. Beim Verfassen des aktuellen Kunstführers sei es ihr darauf angekommen, durch die Wahl der Objekte einen „Dreiklang“ herzustellen: „Weltgeschichte atmen“, „Kunst genießen“ und „Kultur erleben“ - so steht es als Untertitel auch auf dem Cover. Verzichtet wurde auf Empfehlungen zu Gastronomie etc., es sei schließlich ein Kunstführer.

Wenn Heidrun Rößing im Lutherhof steht, steht sie übrigens im Hof ihres Geburtshauses: Im Westflügel wurde sie kurz nach Weihnachten 1947 geboren, ihre Mutter war Aufsicht im Museum. Mit ihr unterwegs zu sein, macht deshalb wahrscheinlich sogar noch mehr Spaß, als bloß das Buch zu lesen. (mz)

„Lutherstadt Wittenberg. Ein Stadtspaziergang“, ISBN 978-3-95976-063-8, fünf Euro. Erstauflage 5.000 Stück, zunächst nur auf deutsch zu haben.