Kirchentag 2017

Kirchentag 2017 zum Reformationsjubiläum: So sollen 100.000 Menschen im Mai nach Wittenberg kommen

Halle (Saale)/Wittenberg - Deutsche Bahn plant seit drei Jahren wie die Menschenmassen am 28. Mai nach Wittenberg kommen.

Von Anne Nicolay-Guckland 01.02.2017, 05:00

Bei der Deutschen Bahn denkt man seit einiger Zeit in Superlativen. „Das ist die umfangreichste Verkehrsleistung seit dem Mauerfall 1989. Wir gehen mit Respekt an die Aufgabe heran“, erklärt Alexander Kaczmarek. Er ist Koordinator für das Reformationsjubiläum bei der Deutschen Bahn.

Seit über drei Jahren arbeite das Unternehmen, das Mobilitätspartner des Jubiläums ist, bereits an dem Plan, etwa 100.000 Menschen nach Wittenberg zu bringen.

In Berlin findet ab Christi Himmelfahrt (25. Mai) der Kirchentag der evangelischen Kirche statt, in sechs Städten Mitteldeutschlands die „Kirchentage auf dem Weg“. Am 28. Mai soll dann der Abschlussgottesdienst vor den Toren Wittenbergs auf den Elbwiesen über die Bühne gehen. Ein Großereignis. Bis zu 200.000 Menschen wurden in der Vergangenheit bei Kirchentagen dabei gezählt.

„Wir werkeln daran schon relativ lange, denn die Beförderung von so vielen Menschen kommt der Evakuierung einer veritablen Großstadt schon recht nahe“, erklärt Alexander Kaczmarek.

In fünf bis sieben Stunden müssen die Besucher nach Wittenberg und später wieder weg transportiert werden. Dazu will die Bahn ein eigenes S-Bahnnetz einrichten. Der planmäßige Zugverkehr wird dafür fast komplett eingestellt oder großzügig umgeleitet. „Trotz unzähliger Fahrplanstudien geht es nicht anders“, sagt Kaczmarek. Einzig die Fernverkehrsverbindung von und nach Berlin wird nicht umgeleitet, aus Sicherheitsgründen wird dieser einzige reguläre Zug in Wittenberg aber nicht halten.

Den Sonderverkehr, um die etwa 100.000 Fahrgäste kontrolliert nach Wittenberg zu bringen, wird es von den Städten Berlin, Magdeburg, Halle (Saale), Bitterfeld, Dessau und Dresden als Direktverbindungen geben.

Zum Reformationsjubiläum findet der evangelische Kirchentag 2017 in Berlin und Mitteldeutschland statt. Zum Abschluss versammeln sich die Teilnehmer in Wittenberg.

Auf den Elbwiesen mit Blick auf die Schloss- und Stadtkirche soll am Sonntagmittag (28. Mai) ein Festgottesdienst veranstaltet werden, zu dem bis zu 180.000 Teilnehmer erwartet werden. Genau können die Organisatoren noch nicht sagen, wie viele Gäste tatsächlich kommen. Um die Besucherzahl abschätzen zu können, bitten sie um Anmeldungen.

Bereits am Samstagabend (27. Mai) wollen die Organisatoren Teilnehmer nach Wittenberg locken. Mit einer „Nacht der Lichter“ beginnt ab 21 Uhr das Festwochenende auf den Elbwiesen. Alle die möchten, können anschließend unter freiem Himmel übernachten.

Am Sonntag werden die Besucher schon ab 10 Uhr auf den Gottesdienst eingestimmt, der um 12 Uhr beginnt. Ab14.30 Uhr ist ein gemeinsames Picknick auf den Elbwiesen geplant, zwischen 16.30 und 19 Uhr klingt der Tag mit Konzerten verschiedener Künstler aus.

Im Zehn-Minuten-Takt sollen die Züge in Wittenberg ankommen. Um die Reisenden überhaupt bewältigen zu können, wird zusätzlich der Bahnhof Pratau genutzt. Züge aus Leipzig, gerechnet wird mit 40.000 Reisenden, werden in dem Ortsteil von Wittenberg ankommen. „Dazu wird in Pratau für einen Tag der Bahnsteig verlängert.“

Nur mit Ticket für Sonderzug zum Festgottesdienst nach Wittenberg

Wer die Sonderzüge nutzen möchte, muss ein spezielles Ticket erwerben. Dieses gibt es nur im Internet zu kaufen, Reisende müssen sich im Vorhinein auf einen bestimmten Zug zu einer bestimmten Uhrzeit festlegen. Das Portal, über das die Tickets erhältlich sind, ist seit dem 1. Februar frei geschaltet.

„Wer zuerst kommt, der bekommt auch ein Ticket in seinem Wunschzug“, erklärt Henriette Hahn, die ebenfalls an der Organisation beteiligt ist. Der Erlös aus den Tickets geht an den Organisator des Festwochenendes, den Reformationsverein. Die Bahn sponsert den Sonderverkehr.

Etwa 1.000 Mitarbeiter der Bahn werden an dem Tag im Einsatz sein, darunter etwa 150 Lokführer und Lotsen. Eine weitere Schwierigkeit war die Organisation zusätzlicher Zuge, mit der Henriette Hahn beschäftigt ist. „Sie können sich vorstellen, dass sich die Begeisterung in Bayern etwas in Grenzen gehalten hat“, gibt Hahn Einblick in die Vorbereitung. Aus dem ganzen Bundesgebiet werden 50 Züge extra nach Wittenberg kommen.

Da nicht jeder Lokführer jeden Zug bzw. Lok fahren kann, aber auch nicht bei jedem Streckenkenntnisse im hiesigen Gebiet vorhanden sind, werden an dem Tag ausnahmsweise ein Lokführer und ein Lotse im Führerstand sein. Bedenken genügend Personal für den Tag zu finden, haben die Verantwortlichen nicht. „Die Bahn kann an dem Tag zeigen, was sie kann. Einige Mitarbeiter möchten sich gerne daran beteiligen“, sagt Kaczmarek.

Einschränkungen für Bewohner von Wittenberg und der Region

Ob sich die Wittenberger und Bewohner aus der Region am Festwochenende beteiligen werden oder nicht, auf sie kommt einiges zu. Da der planmäßige Verkehr eingestellt wird, müssen Zugreisende am 28. Mai nach jetzigem Stand ebenfalls ein Sonderticket erwerben. „Wie in der Region der Schienenersatzverkehr geregelt wird, ist noch nicht endgültig geplant. Fest steht aber, dass nicht für jeden ausfallenden Zug ein Bus fahren wird“, erklärt Bahn-Organisatorin Henriette Hahn. (mz)