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Ehrung Ehrung: Landesverdienstorden an Friede Springer und August Oetker übergeben

Von Thomas Liersch 19.10.2019, 12:30
Ministerpräsident Reiner Haseloff überreicht in der Schlosskirche Wittenberg den Landesverdienstorden an die Verlegerin Friede Springer und den Unternehmer August Oetker (von rechts). Ganz links im Bild: Oetkers Ehefrau Nina-Maria.
Ministerpräsident Reiner Haseloff überreicht in der Schlosskirche Wittenberg den Landesverdienstorden an die Verlegerin Friede Springer und den Unternehmer August Oetker (von rechts). Ganz links im Bild: Oetkers Ehefrau Nina-Maria. Sascha Graf

Wittenberg - Der Staat kann nicht alles. Er braucht Menschen, die ihm wohlgesonnen sind. Menschen, die sich für die Gemeinschaft einsetzen und Vorbilder sind. „Gemeinwohl ist Anliegen und Sache der Bürger“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Samstag in seiner Laudatio in der Schlosskirche Wittenberg. Dort hat er den Verdienstorden Sachsen-Anhalts, die höchste Auszeichnung des Landes, an Friede Springer und August Oetker verliehen.

Die Verlegerin (77) und der Unternehmer (75) sind freilich sehr einflussreiche Bürger. Das Vermögen von Friede Springer, die aus Schleswig-Holstein stammt, einst das Kindermädchen im Hause Axel Springer war und ihn später heiratete, wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Oetker ist Urenkel des Gründers vom Bielefelder Back-Imperium „Dr. Oetker“ und muss als solcher auch keine kleinen Brötchen backen.

Mit ihrer Bekanntheit und ihren Beziehungen führten sie den „Freundeskreis Luther“ zum Erfolg - einen Verein mit etwa 25 namhaften Mitgliedern, der den Zweck hatte, die Werbetrommel für das Reformationsjubiläum 2017 in Wittenberg zu rühren und Spenden zur Sanierung der Lutherstätten im Land bereitzustellen. Tatsächlich ist fast eine Million Euro zusammengekommen. Außerdem haben Oetker und Springer über ihre Stiftungen selbst beträchtliche Summen beigesteuert, betonte Haseloff.

Vieles ist saniert

Das hinterließ viele Spuren in der Lutherstadt Wittenberg: Geld des Freundeskreises floss unter anderem in Umbau und Sanierung des Schlosses, das bereits mit dem Deutschen Architekturpreis und gerade erst mit dem Landesarchitekturpreis ausgezeichnet worden ist. In der Schlosskirche konnten auch dank der Freunde Luthers die Kirchenfenster aus dem 19. Jahrhundert wiederhergestellt werden, die im Zweiten Weltkrieg Schaden genommen hatten; in der Stadtkirche wurde der Cranach-Altar saniert.

Die Idee hatte Böhmer

Allerdings: Die Idee zur Gründung der Freundeskreises Luther kam nicht von den nun Ausgezeichneten, sondern vom früheren sachsen-anhaltischen Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Die Ausgezeichneten begannen ihr Engagement eher unverhofft. Das berichtete Oetker launig während der Preisverleihung. Böhmer habe zu ihm damals gesagt: „Sie machen das.“

Gemeint war der Vorsitz des Vereins Freundeskreis Luther. Oetker habe gefragt: „Was denn?“, weil er noch gar nichts von seinem Glück wusste. Wenig später sei auch schon die Presse dagewesen, der vom Vorhaben berichtet werden sollte. Das vorbildliche bürgerliche Engagement war also auf Anstoß eines sehr energischen Landesvaters entstanden.

Als Oetker die Anekdote berichtete, saß jener Wolfgang Böhmer unter den etwa 40 Zuhörern auf einer Bank in der nur 17 Grad kühlen Schlosskirche. Ihm dürfte warm ums Herz geworden sein.

Nachdem Oetker sich in seine Rolle als Vereinsvorsitzender eingefunden hatte, habe er Friede Springer angerufen und als Stellvertreterin gewinnen können. Haseloff hob in seiner Laudatio für sie hervor, Springer habe sich auch um die deutsch-jüdische Verständigung verdient gemacht - zum Beispiel mit der Förderung des Jugendaustausch-Projektes ConAct in Wittenberg. „Wenn es solche Vorbilder nicht mehr gibt, ist die Gesellschaft in einer schwierigen Lage“, sagte Haseloff. Er nahm Bezug auf den Anschlag von Halle, bei dem ein Rechtsterrorist versucht hatte, eine Synagoge zu stürmen. Außerdem hat Springer etwa das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik mit einem Stiftungslehrstuhl unterstützt.

Die Ausgezeichneten betonten die Zufriedenheit, mit der sie auf das mit dem Freundeskreis Geschaffte zurückschauen. „Wenn ich mich umschaue, bin ich froh und dankbar, wie schön es hier geworden ist“, sagte Springer zur hergerichteten Schlosskirche. Oetker befand: „Ich kann anderen Mensch nur sagen, wie schön es ist, an etwas zu arbeiten, das einem wichtig ist.“

Es gibt Nachahmer

Tatsächlich hat das Wirken des Freundeskreises Vorbildwirkung entfaltet. „Dieses Engagement wirkt nach“, berichtet Astrid Mühlmann, Verwaltungsdirektorin der Stiftung Luthergedenkstätten. So seien im Nachgang des Reformationsjubiläums schon mehr als 60000 Euro an Spenden zusammengekommen, die für die Modernisierung der Lutherausstellung im Lutherhaus verwendet werden sollen. (mz)