Baumbefall

Baumbefall : Klimawandel sorgt für mehr Parasiten

wittenberg/MZ/IRS - Für Götz Kleeblatt ist das keine Frage: Selbstverständlich hänge das Problem mit dem Klimawandel zusammen: „Der parasitäre Befall von Astpartien und ganzen Bäumen nimmt auf Grund der veränderten klimatischen Bedingungen stetig zu“, heißt es in einem Papier zum Zustand des Stadtgrüns und entsprechenden Pflegemaßnahmen, das der Leiter des „Hauptsachbereichs Öffentliche Grünanlagen“ (Grünflächenamt) am Freitag ...

20.01.2014, 19:27

Für Götz Kleeblatt ist das keine Frage: Selbstverständlich hänge das Problem mit dem Klimawandel zusammen: „Der parasitäre Befall von Astpartien und ganzen Bäumen nimmt auf Grund der veränderten klimatischen Bedingungen stetig zu“, heißt es in einem Papier zum Zustand des Stadtgrüns und entsprechenden Pflegemaßnahmen, das der Leiter des „Hauptsachbereichs Öffentliche Grünanlagen“ (Grünflächenamt) am Freitag vorstellte.

Die Palette der Parasiten und Krankheiten ist breit gefächert und reicht von holzzerstörenden Pilzen über „Masaria“ - was zum „plötzlichen“ Astabbruch bei Platanen führt - bis hin zum Birnengitterrost. Bekanntestes „Schadinsekt“ war unterdessen auch in Wittenberg der Eichenprozessionsspinner: 480 Bäume wurden laut Kleeblatt 2013 vorbeugend gespritzt; das Absammeln vorhandener Nester schlug allein mit 15 000 Euro zu Buche. Der Eichenprozessionsspinner, der beim Menschen zu allergischen Reaktionen führen kann, soll auch in diesem Jahr wieder „vorbeugend bekämpft“ werden, so Kleeblatt. Mit „verstärkten Kontrollen“ will man allgemein dem Vormarsch von Schädlingen und Krankheiten begegnen.

Und manchmal, so Kleeblatt, bleibe als letztes Mittel nur die Fällung. Nicht überleben werden beispielsweise die vom Birnengitterrost befallenen Wildbirnen an der Dr.-Behring-Straße; für sie sollen in diesem Jahr als Ersatz 68 neue Bäume gepflanzt werden - Ahorn. Insgesamt kommen in diesem Frühjahr an 34 Standorten 163 Straßenbäume im Wert von mehr als 90 000 Euro als Ersatz für 127 in der Stadt gefällte Bäume in die Erde. Allgemein setze man bei Neupflanzungen nun auf robuste Sorten, sagte Kleeblatt und nannte als ein Beispiel die Amber-Bäume auf dem neuen Parkplatz am Neuen Rathaus.

266 Hektar Wald gehören zum Wittenberger Stadtgebiet. Neben dem Stadtwald und dem Volkspark zählen dazu etwa auch Flächen bei Seegrehna und Dabrun (Fleischerwerder).

Die regelmäßige Durchforstung ist laut Bürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) durchaus ein (kleiner) Wirtschaftsfaktor fürs Stadtsäckel: Mehrere zehntausend Euro kommen alljährlich durch Holzverkäufe zusammen:

27 000 Euro erbrachte 2013 beispielsweise das Fleischerwerder, 15 000 Euro der Volkspark.

Die Abnehmer stammten laut Zugehör unter anderem aus Stendal, Torgau - und natürlich Leipzig: Deren Stadtwerke befeuern bekanntlich ein Holzkraftwerk in Wittenberg.

Für Baumpflege, Baumschutz und Baumpflanzungen standen dem von Kleeblatt verantworteten Bereich der Stadtverwaltung im vergangenen Jahr rund 768 000 Euro zur Verfügung. Zwei Kontrolleure und eine Baumschutz-Mitarbeiterin zählt Kleeblatts Bereich. Für die Arbeiten bedient man sich - wie jetzt in Kropstädt, wo wie berichtet Baumkletterer aus Hoym zum Einsatz kommen, auch Dritter.

Kontrolliert werden die 18 500 „öffentlichen“ Bäume der Stadt (ohne Friedhöfe und Gebäudemanagement), die in einem elektronischen Kataster erfasst sind, alle ein bis zwei, drei Jahre - wer bereits negativ aufgefallen ist, kommt jährlich dran. Die Verkehrssicherheit ist der wichtigste Grund für Eingriffe bis hin zur Fällung, daher sind solche Maßnahmen grundsätzlich zu jeder Jahreszeit möglich.

„Baumfällung fällt uns schwer“, trat unterdessen Bürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) dem Eindruck entgegen, die Stadt sei, wenn es um ihre eigenen Bäume geht, recht schnell mit der Axt zur Hand. Er appellierte an die Wittenberger, Fälle von Vandalismus zu melden. In Wittenberg gilt eine Baumschutzsatzung. Mehr als 200 Anträge auf Fällung wurden 2013 (Stand Anfang Dezember) gestellt, zwölf davon abgelehnt, 269 Neupflanzungen „beauflagt“. Fast alle Fällungen verliefen „ordnungsgemäß“, so Kleeblatt. Schwarzfällungen zu ahnden sei „schwierig“.