Winterdienst im Burgenlandkreis

Winterdienst im Burgenlandkreis: Warum 850.000 Euro nach Thüringen fließen

Weißenfels - Statt bei Straßenmeistereien Personal einzustellen, fließt Geld an Fremdfirmen. Früherer Finanzminister steht in der Kritik.

Von Klaus-Dieter Kunick 09.01.2017, 11:00

In der Zorbauer Straßenmeisterei der Landesstraßenbaubehörde (LSBB) bleiben Winterdienstfahrzeuge aus Personalmangel stehen. Doch statt Fahrer einzustellen, überweist Magdeburg 850.000 Euro an ein thüringisches Unternehmen, das unter anderem Bundes- und Landesstraßen rund um Weißenfels freimacht. Während man sich im Straßenbetrieb mit Kommentaren zurückhält, macht der Weißenfelser SPD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Erben seinen Parteifreund und früheren Finanzminister Jens Bullerjahn dafür verantwortlich.

„Das zeigt, wohin Sparen ohne Sinn und Verstand führt. Es ist doch irre, wenn für teures Geld ein landeseigenes Unternehmen aus Thüringen bei uns Winterdienst fährt, während sich bei uns der Finanzminister dafür rühmt, besonders fleißig Personal eingespart zu haben“, ärgert sich der Innenexperte. „Ich will da auch gar nicht drum herumreden, das ist wesentlich auf den übersteigerten Ehrgeiz von Jens Bullerjahn zurückzuführen.“ Aber auch die CDU-Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre und Thomas Webel hätten mitgemacht.

In der Autobahnmeisterei in Weißenfels fehlen 15 Leute

Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass in der Autobahnmeisterei in Weißenfels 15 Leute fehlen, insgesamt bei den Meistereien im Süden sei es wohl ein Defizit von knapp 70 Arbeitskräfte. Um den Personalmangel auszugleichen, ist Hilfe notwendig: „Das geht nur, weil die Straßenmeistereien in Zorbau und Laucha erheblich Personal zur Autobahnmeisterei in Kleben über den Winter abordnen müssen“, sagt Erben. Damit werden bei der Autobahnmeisterei in Kleben die Löcher gestopft, die durch zahlreiche unbesetzte Straßenwärterstellen gerissen werden, ergänzt er.

Doch da, wo ein Loch gestopft wird, wird an anderer Stelle eines aufgerissen, nämlich in den Straßenmeistereien Zorbau und Laucha, die mit der Fremdbeauftragung aus Thüringen gestopft werden, erläutert Erben. Petra Witte, die Chefin der Landesstraßenbaubehörde in Halle, räumt ein, dass für den Bereich Süd die Firma TSI (Thüringer Straßenwartungs- und Instandhaltungsgesellschaft) den Zuschlag erhalten hat und in der Winterdienstsaison 2016/2017 erstmals Winterdienst in Sachsen-Anhalt durchführt. „Die TSI betreut in den Straßenmeistereien einzelne Routen, in den Bereichen Merseburg, Zorbau und Laucha jeweils zwei Routen und in Oberröblingen vier Routen.

TSI ist mit insgesamt zehn Fahrzeugen im Einsatz

Die TSI ist mit insgesamt zehn Fahrzeugen im Einsatz. Jedes Fahrzeug ist mit einem Fahrer je Schicht besetzt“, sagt Petra Witte. Das tröstet Erben nicht. Er fordert: „Wir brauchen nicht nur bei Polizisten und Lehrern Neueinstellungen, sondern auch bei den Straßenwärtern.“ Da Arbeitskräfte fehlen, habe der Landtag 67 Neueinstellungen beschlossen, sagt Witte.

Doch Erben ist vorerst nicht zu beruhigen: „Die TSI kommt mit Personal und Technik. Das führt dazu, dass moderne, landeseigene Winterdiensttechnik ungenutzt in Laucha und Zorbau auf dem Hof steht und das Land für die Nutzung der TSI-Technik noch einmal bezahlt.“

In der Straßenmeisterei Zorbau lagern rund 810 Tonnen Salz und 30 Tonnen Sole. Des Weiteren haben die Straßenwärter an den Bundesstraßen 91, 176 und 180 auf einer Länge von 3.500 Metern Schneezäune aufgestellt. Zum Zuständigkeitsbereich der Autobahnmeisterei Weißenfels gehören rund 200 Kilometer Straße auf den Autobahnen 9, 38 und 143. Sie ist mit 31 Mitarbeitern die größte in Sachsen-Anhalt. Pro Jahr werden zwischen 6.000 und 7.000 Tonnen Salz auf die Straße gebracht. Eine Tonne Salz kostet rund 50 Euro. In jeder Zwölf-Stunden-Schicht (ab 7 Uhr) werden mitunter bis zu 400 Tonnen Feuchtsalz verbraucht. Jedes Fahrzeug legt pro Schicht ungefähr 300 Kilometer zurück. (mz)