Kein Streich, sondern Straftat

Weißenfels hat ein Problem mit Ortsschild-Dieben

Weißenfels - In Weißenfels verschwinden in jedem Jahr bis zu zehn der gelben Tafeln. Diebe werden nur höchst selten erwischt.

Von Birger Zentner 24.07.2017, 06:00

Petting, Fucking, Krätze, Schwarzer Kater, Saurasen, Pissen - es gibt schon merkwürdige Ortsnamen, mit denen man beim Lesen manches Gedankenspiel verbindet oder die wie Petting oder Fucking im englischen eine ganz bestimmte Bedeutung haben. Verwunderlich ist es nicht, dass da immer mal eine Ortstafel, die eigentlich den Ortseingang signalisieren soll, verschwindet. Was aber macht Weißenfels so interessant?

In Weißenfels verschwinden jedes Jahr bis zu zehn Ortsschilder

So eine rechte Antwort weiß dazu zum Beispiel in der Stadtverwaltung niemand. Dennoch verschwinden Jahr für Jahr bis zu zehn Ortseingangsschilder, weiß Mike Arning, der im Rathaus für die Verkehrsfragen zuständig ist. Und das bei insgesamt 77 Ortstafeln, die es einschließlich der Ortsteile in der Stadt gibt.

Aktuell sind es drei Schilder, die fehlen: zwei im Ortsteil Langendorf am Sandberg und am Nessaweg, eins an der Leipziger Straße in Weißenfels. Letzteres ist seit wenigstens sechs Wochen verschwunden. Ganz offensichtlich gestohlen. Vielleicht hängen sie mittlerweile in irgendeiner privaten Kellerbar.

Ortsschilder-Klau in Weißenfels: Mit welcher Strafe müssten die Diebe rechnen?

Offenbar beschäftigen sich jede Menge Leute mit dem Gedanken, ein Ortsschild ihr eigen zu nennen oder es zu verschenken. Einträge im Internet enthalten gleich noch die Frage, mit welcher Strafe man rechnen müsse, wenn man beim Klauen erwischt wird. Vermutlich wird die Strafe nicht allzu hoch ausfallen. Wie Arning sagt, kostet eine neue Ortstafel die Stadt knapp 70 Euro. „Weil wir als Kommune einen besonderen Rabatt bekommen“, meint er. Bestellt man das Schild bei einem Hersteller, der auch für die Städte arbeitet, muss man aber schon um die 225 Euro berappen.

Allerdings, wer unbedingt ein Schild mit dem Namen des Geburtsortes zum Beispiel seiner Freundin schenken will, kann das auch bei verschiedenen Anbietern im Internet deutlich preiswerter, nämlich unter 100 Euro, bekommen.

Verschwindet ein Schild von einem der Ortseingänge, dann erstattet die Stadt Weißenfels in jedem Fall Anzeige. Nicht nur wegen des Wertes des Schildes, sondern auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Denn das Ortseingangsschild legt ja auch fest, dass ab ihm nur noch Tempo 50 erlaubt ist. „Ein Fremder kann das ja nicht wissen“, sagt Arning. So könnte die Strafe beim Ertappen eines Schilderdiebs vielleicht doch etwas höher ausfallen als eine kleinen Geldbuße und Schadenersatz.

Ortsschilder-Klau in Weißenfels: Diebe werden nur selten erwischt

Die Frage ist nur, wie groß die Chance ist, einen Dieb zu erwischen. Arning kennt einen Fall, in dem Schilderdiebe ertappt wurden. „Das war vielleicht vor etwa zwei Jahren, als mal zwei Jugendliche erwischt worden sind.“ Welche Strafe sie bekamen, weiß er nicht mehr. Angesichts der Tatsache von bis zu zehn Schilderdiebstählen im Jahr in Weißenfels ist das allerdings ein Tropfen auf den heißen Stein.

Den Mitarbeitern der Stadtverwaltung bleibt in fast allen Fällen nur, den Ärger herunterzuschlucken und neue Schilder zu bestellen. In den drei aktuellen Fälle ist das laut Arning auch geschehen. Anfang August sollen die neuen Tafeln angebracht werden.

Ortsschilder-Klau in Weißenfels: So mancher Dieb flext die Schilder einfach ab

Auch wenn die Firmen, die zum Teil schon seit vielen Jahren die Tafel herstellen und beschriften, davon leben, versuchen sie, eine bessere Diebstahlsicherung anzubieten. Spezielle Muttern, die beim Anziehen ab einem bestimmten Drehmoment abreißen, sollen helfen. Die zurückbleibenden konischen Muttern lassen sich laut den Anbietern nur schwierig lösen.

Ob das allerdings immer hilft, bleibt offen. „In einem der jüngsten Fälle, sind die Schilder einfach abgeflext worden“, sagt Arning. Zum Teile geschah das mit dem Rohr. Und in der Leipziger Straße habe es auch schon mal das Phänomen gegeben, dass Schild, Rohr und Fundament komplett ausgegraben wurden. „Das Loch war wieder ordentlich verfüllt worden, so dass wir im ersten Moment gar nicht sagen konnten, wo das Schild genau gestanden hat“, erzählt er.

So wird Weißenfels wie viele andere Orte wohl auch in Zukunft helfen, die Auftragsbücher der Schilderproduzenten zu füllen. (mz)