Vandalismus in Weißenfels

Vandalismus in Weißenfels: Klosterbrunnen zum zweiten Mal zerstört

Weißenfels - Gleich zwei Mal wird das Wahrzeichen zerstört. Weißenfelser Unternehmer wollen die Reparatur finanzieren, doch die wird teurer als erwartet.

Von Andrea Hamann-Richter 05.12.2018, 06:00

In Weißenfels beschäftigt ein zerstörter historischer Brunnen die Gemüter. Damit das Wahrzeichen möglichst schnell wieder ansehnlich wird, wollen zwei Geschäftsleute unbürokratisch helfen, das Wahrzeichen zu reparieren. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt Hannes Winterberg. Der Weißenfelser Unternehmer ist empört, was mit dem Klosterbrunnen in der Nikolaistraße unmittelbar gegenüber des Heinrich-Schütz-Hauses passiert ist. Der Pinienzapfen aus Stein ist heruntergestoßen worden, Verzierungen wurden brutal abgeschlagen.

Empört ist auch Andrè von Grzymala. Der Mann war lange Chef des Klostervereins. Ursprünglich stand der Klosterbrunnen im Hof des St. Claren-Klosters, Grzymala hat daher einen besonderen Bezug zu dem Brunnen. Als er und Hannes Winterberg von der Zerstörung erfuhren, fassten die beiden Gewerbetreibenden den Plan, schnell und unbürokratisch zu helfen. Erster Ansprechpartner war nicht die für den Brunnen zuständig Stadt, sondern Daniel Kittler vom gleichnamigen Weißenfelser Steinmetzbetrieb.

Klosterbrunnen Weißenfels: Unternehmer wollen die Reparatur finanzieren

Auch er wollte sich am schnellen Wiederaufbau des Brunnens beteiligen und bietet sofort an, diesen zu einem Freundschaftspreis zu reparieren. Winterberg und von Grzymala schätzen , dass die Reparatur mehrere Hundert Euro kostet, die wollen sie aus eigener Tasche bezahlen. „Wir wollen das so einfach nicht hinnehmen und damit auch ein Zeichen setzen“, sagt Grzymala. „Das kann einfach nicht sein. In der Stadt gibt es nicht mehr viele Brunnen. Außerdem ist es unsere Stadt, für sie wollen wir uns engagieren“, ergänzt Winterberg.

Dann folgt in der vergangenen Woche die Ernüchterung: Ungefähr 4.000 bis 5.000 Euro wird eine Sanierung kosten, lautet das Urteil von Steinmetz Kittler, als er sich vor Ort den Brunnen ansieht. „Er wurde hochprofessionell zerstört“, erklärt Daniel Kittler. Es sei filigrane Bildhauerarbeit nötig, um den Brunnen wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Eine schnelle Lösung ist somit in weite Ferne gerückt.

Klosterbrunnen Weißenfels: Kann Versicherung die Reparatur des Schadens übernehmen?

Nun muss geprüft werden, ob eine Versicherung die Reparatur des Schadens übernehmen kann, die Stadtverwaltung konnte dies bisher noch nicht abschließend klären. Angezeigt hat die Verwaltung den Schaden, das erklärt auch Polizeisprecherin Gesine Kerwin. Doch obwohl die Zerstörung, die am 13. November der Stadtverwaltung bekannt wurde, bereits drei Wochen zurückliegt, gibt es bisher keinen Hinweis auf den oder die Täter, die Polizei ermittelt derzeit noch.

In Weißenfels gibt es sechs Brunnen. Das sind der Brunnen an der Marienapotheke, das Wasserspiel auf dem Markt, der Brunnen an der Promenade, der Trinkbrunnen auf der Jüdenstraße, der Märchenbrunnen an der Gabelung Merseburger/Tagewerbener Straße und der Klosterbrunnen. Außer der Klosterbrunnen, sind alle funktionstüchtig. Ursprünglich stand er im Hof des historischen Klosters St. Claren und wurde später in die Nikolaistraße versetzt. Dort fehlten aber die technischen Voraussetzungen, um ihn an Wasserleitungen anzuschließen.
Der Klosterbrunnen wurde im Zuge der 800-Jahrfeier 1985 in die Nikolaistraße versetzt, die damals saniert wurde. Da das alte Gasthaus „Zum Schützen“ abgerissen wurde, entstand eine Baulücke, die mit dem Brunnen geschlossen werden sollte.

Auch ein zweiter Vorfall, der am 21. November stattfand, liefert keine Hinweise auf die Täter. Eine Anwohnerin der Nikolaistraße hatte die Stadtverwaltung informiert, dass ein Mann mit einem Hammer offenbar vorhabe, die Verzierungen des Klosterbrunnens abzuschlagen, berichtet Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Mitarbeiter des Bauordnungsamtes fuhren umgehend in die Nikolaistraße, wo der Täter allerdings nicht mehr anzutreffen war. Neue Beschädigungen wurden nicht entdeckt, das Eingreifen der Anwohnerin und des Ordnungsamtes hätten Schlimmeres verhindert, sagt Katharina Vokoun. Eine Anzeige wurde nicht erstattet, da nichts beschädigt wurde.

Die beiden Unternehmer Hannes Winterberg und Andrè von Grzymala wollen nicht aufgeben, auch wenn eine schnelle Reparatur in weite Ferne gerückt ist. Sie wollen nun Gespräche mit der Stadt führen, um gemeinsam zu überlegen, wie die Reparatur des Brunnens realisiert werden könne. Eine Spendenaktion wäre zum Beispiel denkbar, schlägt Hannes Winterberg vor. (mz)