Street-Food-Festival

Street-Food-Festival in Weißenfels: Verdi-Klage -Geschäfte dürfen am Sonntag nicht öffnen

Weißenfels - Nach dem Ostermarkt im März sollen nun auch zum Street-Food-Festival die Läden in Weißenfels geschlossen bleiben. Das stößt vielerorts auf Unverständnis.

Von Jan Iven und Alexander Kempf 19.04.2018, 06:39

Die Ladengeschäfte in der Weißenfelser Innenstadt werden am übernächsten Sonntag beim geplanten Street-Food-Festival geschlossen bleiben. Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) begründet dies mit einer Klage der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Die Satzung ist komplett beklagt worden“, erläutert er. Aus seiner Sicht zu Ungunsten der Weißenfelser Händler. Die Innenstadtgeschäfte mussten schon am Sonntag während des Ostermarktes am 25. März geschlossen bleiben.

Für das Vorgehen der Gewerkschaft hat der Oberbürgermeister wenig Verständnis. „Das macht keinen Sinn“, sagt er und würde sich auch im Interesse der Besucher des Street-Food-Festivals am Sonntag ein breiteres Angebot wünschen. „Die Innenstädte haben es doch schon schwer genug“, sagt er. Zugleich sei es ungerecht, dass Weissenfels gegenüber seinen Nachbarn benachteiligt wird. „Ärgerlich ist, dass Zeitz und Naumburg ringsum nicht betroffen sind“, so Robby Risch.

Keine Sonntagsöffnung in Weißenfels: Stadtverwaltung strebt nun eine Klärung an

Die Stadtverwaltung strebt nun eine Klärung an. Um zu erfahren, unter welchen Voraussetzungen das Oberlandesgericht einer Sonntagsöffnung in Weißenfels zustimmt. Denn das Gesetz über die Ladenöffnungszeit räumt den Kommunen doch eigentlich ein, an bis zu vier Sonntagen im Jahr die Geschäfte zu öffnen. „Wir brauchen Klarheit“, sagt Risch. Um weitere Enttäuschungen zu verhindern.

Die ist bei den Weißenfelser Händlern schon jetzt groß. Unternehmer Heiko Frischleder von di.Art-Foto ärgert insbesondere die bisherige Ungleichbehandlung von Städten. „Das neue Outlet-Center in Brehna hat am Sonntag offen. Aber unsere historische Innenstadt, in der die Menschen ein eigenes Straßenfestival auf die Beine stellen, muss geschlossen bleiben. Ich bin fassungslos“, sagt Frischleder, der beim Festival Hotdogs anbieten wird. Als Unternehmer möchte der Fotograf selbst entscheiden, wann er sein Geschäft öffnet. „Und gerade in der Jüdenstraße gibt es viele kleine inhabergeführte Geschäfte.“

Keine Sonntagsöffnung in Weißenfels: „Ich finde es verwerflich, wenn der offene Sonntag spontan gestrichen wird“

Verärgerung auch bei Optiker Thill. „Ich finde es verwerflich, wenn der offene Sonntag spontan gestrichen wird“, sagt Frank Thill. Es wurden Kunden eingeladen und Werbung betrieben. „Es geht doch nicht darum, dass große Geschäft zu machen, sondern etwas Attraktives für Weißenfels zu organisieren.“ Es sei nicht in Ordnung, wenn die gerade einmal vier Ausnahmen im Jahr auch noch gekippt werden.

Wenig Verständnis auch im Restaurant Suppines in der Jüdenstraße dafür, dass die Geschäfte in anderen Städten am Sonntag offen sind. „Das kann doch keiner mehr nachvollziehen“, sagt Gastronomin Ines Schmidt. „Ich finde die Entscheidung bedauerlich. Die Leute kommen gut gelaunt zum Essen und Trinken in die Innenstadt und möchten sich dann auch mal in den Geschäften umschauen.“

Keine Sonntagsöffnung in Weißenfels:Verdi will einen Tag der Ruhe

Rudolf Tischer vom Intersport-Geschäft in der Jüdenstraße ist wegen der Absage ebenfalls unglücklich. „Das ist doch völliger Schwachsinn“, sagt der Händler. Tischer sieht nun Oberbürgermeister Robby Risch in der Pflicht: „Er muss das zur Chefsache machen und schnell eine Lösung finden.“ Außerdem regt Tischer an, sich mit der Gewerkschaft an einen Tisch zu setzen. „Wir sollten uns auch über die Hintergründe informieren und nach einem Kompromiss suchen“, schlägt der Händler vor.

Jörg Lauenroth-Mago von der Gewerkschaft Verdi hatte schon Ende März erklärt, die Sonntagsöffnungen stärker eindämmen zu wollen. Gegen die Regelung in Weißenfels sei man nach Hinweisen von Beschäftigten vorgegangen. Bisher mit Erfolg. Jörg Lauenroth-Mago erinnert gerne daran, dass der Sonntag ein Tag der Ruhe sei, welcher davon lebe, dass auch alle frei haben. „Wir werden alles dafür tun, dass der Sonntag arbeitsfrei bleibt“, hieß es Ende März entschlossen. (mz)