Robe verdeckt aktuelle Mode

Weißenfels/Zeitz/MZ. - Das Thermometer zeigt 30 Grad Celsius. Doch Richterin Elvira Petzsch greift zu ihrem schwarzen langen Überzug, der Robe, bevor sie den Verhandlungssaal im Amtsgericht Zeitz betritt. Der breite Samtbesatz an Revers und Ärmelaufschlag weist sie hier als die Juristin in der höchster Funktion aus, als Richterin. Auch Staatsanwalt und Rechtsanwalt sowie der Protokollführer haben ihre Roben übergezogen, strahlen so nicht nur gerichtliche Würde aus, sondern verraten mit den Details der Kleidung auch, welche Aufgabe ihnen im Verhandlungssaal zukommen. Als Individuum treten sie zurück in ihren "Uniformen", zu der meist auch weiße Hemden, Blusen und Tücher gehören. Die Männer unter den Richtern tragen oft noch weiße Binder oder Schleifen. So sieht es die Kleiderordnung ...

Von Heike Riedel 11.08.2008, 18:06

Das Thermometer zeigt 30 Grad Celsius. Doch Richterin Elvira Petzsch greift zu ihrem schwarzen langen Überzug, der Robe, bevor sie den Verhandlungssaal im Amtsgericht Zeitz betritt. Der breite Samtbesatz an Revers und Ärmelaufschlag weist sie hier als die Juristin in der höchster Funktion aus, als Richterin. Auch Staatsanwalt und Rechtsanwalt sowie der Protokollführer haben ihre Roben übergezogen, strahlen so nicht nur gerichtliche Würde aus, sondern verraten mit den Details der Kleidung auch, welche Aufgabe ihnen im Verhandlungssaal zukommen. Als Individuum treten sie zurück in ihren "Uniformen", zu der meist auch weiße Hemden, Blusen und Tücher gehören. Die Männer unter den Richtern tragen oft noch weiße Binder oder Schleifen. So sieht es die Kleiderordnung vor.

"Ich habe hier keinen Kleiderschrank", sagt ein Rechtsanwalt lachend, als er die Robe aus seinem Rucksack zieht. Er beneidet seine Kolleginnen, weil die es an so heißen Tagen immer leichter hätten. Auch wenn sie nicht gerade aktuelle Mode tragen, ihre Röcke, Blusen und Sandalen sind einfach luftiger, als lange Hosen und geschlossene Schuhe. Das hat manch männlichen Kollegen auch schon zu barfuß in Sandalen verleitet.

Ja, wer genau hinschaut, entdeckt doch noch etwas von den Menschen unter der Robe im Gerichtssaal. Zum Beispiel auch den Motorradfahrer Burkhard Baatz. Egal ob Winter oder Sommer, der Richter trägt feste Lederstiefel und achtet darauf, sich auf dem Motorrad nicht Zugluft auszusetzen. Wenn Richter Harald Scholz als Fahrradfahrer noch nicht aufgefallen ist, dann wohl, weil er nicht nur den Binder in seinem Kleiderschrank im Gericht hatte. Als Minimum hat Richterin Anke Koch immer das weiße Tuch im Schrank genauso griffbereit wie die Robe, damit sie sich dem Standard für den Gerichtssaal jederzeit anpassen kann.

"Die Hosen sind extra verlängert", so löst Justizsekretär Jens Sapala sein Problem mit der Kleiderordnung. Mit knielanger Hose hat er das Gerichtsgebäude betreten, dann kommt er mit der gleichen Hose in Knöchellänge in den Gerichtssaal. Richter Michael Koch gesteht dem Protokollanten auch zu, ein Poloshirt unter der Robe zu tragen. Als Richter könnte er andere zur Ordnung rufen. "Die Würde des Gerichts muss gewahrt bleiben", so viel erwartet er. Da habe er auch schon einmal bei einer Zivilsache erlaubt, die Robe nicht anzulegen. "Es kommt auf den Fall und die konkreten Umstände an", sagt er zum Spielraum. Dabei hält er Ansichten von Richtern für übertrieben, die unter der Robe noch einen Anzug erwarten, damit das Recht breite Schultern demonstriere. Auch langärmlig ist sein weißes Hemd jetzt nicht. Doch den weißen Binder trägt er.