Regionalgeschichte Regionalgeschichte: Tafel auf Weißenfelser Schloss erinnert an Lager

weissenfels/MZ. - Was erinnert in Weißenfels an das frühe Konzentrationslager der Nationalsozialisten auf dem Schloss? Dieser Frage ist die Berliner Ramona Ehret nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer Forschungen stoßen in Weißenfels offenbar auf einiges Interesse. Immerhin fanden am Sonntagnachmittag rund 40 Frauen und Männer den Weg ins Schlossmuseum, um sich einen Vortrag der Historikerin anzuhören.
Die frühen Lager im Jahr 1933, von denen eines in Weißenfels eingerichtet worden war, seien ein wesentliches Element der Einschüchterung der politischen Gegner zu Beginn der Naziherrschaft in Deutschland gewesen, ordnete Ehret ein. Sie seien der Prototyp für die späteren Vernichtungslager in ganz Europa. Im Weißenfelser Gefangenensammellager - ein Begriff, der sich im Wesentlichen durchgesetzt hat - waren zwischen dem 4. März und dem 12. August 1933 insgesamt mindestens 300 Häftlinge, darunter viele Kommunisten und Sozialdemokraten, in sogenannte Schutzhaft genommen worden. Weil die Kapazität bei einer Belegung mit durchschnittlich 180 ausschließlich Männern nicht ausreichte, sei ein Teil der Gefangenen in der benachbarten Schlossgartenturnhalle untergebracht worden, so die Historikerin.
Erst spät hatte die historische Aufarbeitung der ersten Phase der braunen Vernichtungsmaschinerie begonnen. Ramona Ehret nannte dafür vor allem zwei Gründe: zum einen die Vielzahl der ersten relativ kleinen Lager in Deutschland, zum anderen die Tatsache, dass die Gräuel der späteren großen Konzentrationslager die Anfänge nahezu vergessen ließen.
Umso wichtiger ist nach Ansicht der Historikerin ein „sichtbares Erinnern“ an jene Zeit auch in Weißenfels. Da traf es sich gut, dass just am Freitag vor dem Vortrag eine Gedenktafel wieder ihren Platz auf dem Schlosshof gefunden hatte, die an das Gefangenensammellager in Weißenfels erinnert. Zwischenzeitlich fehlte die Tafel auf dem Schloss. Keineswegs aus politischen Gründen, wie der Vorsitzende des Stadtrates, Jörg Freiwald (Die Linke), während der Diskussion nach dem Vortrag versicherte. Vielmehr war die Tafel entfernt worden, weil sie genau an jener Stelle des Schlosshofes aufgestellt worden war, an der alljährlich die Bühne des Schlossfestes steht. Zudem, so Christian Endt vom Citymanagement der Stadt, habe die Tafel wie andere des Geschichts-pfades bereits witterungsbedingte Schäden aufgewiesen. Deshalb, so Endt, sei sie materialtechnisch überarbeitet worden. Zudem habe man orthografische Fehler beseitigt.
Neben der überarbeiteten Gedenktafel, die sich nun direkt an der Schlossfassade befindet, erinnern auch Weißenfelser Straßennamen an das Gefangenensammellager in der Stadt. Ramona Ehret verwies in ihrem Vortrag darauf, dass Männer wie Fritz Schellbach, Paul Rosenkranz, Erich Lattermann oder Albert Schwarick zu den Insassen des Weißenfelser Lagers gehörten. Fraglich sei allerdings, wie viele Bürger heute davon wirklich noch wissen und schon mal etwas vom Lager auf dem Schloss gehört haben. Deshalb regte sie an, unter den Bewohnern betreffender Straßen eine Umfrage zu starten. Eine Idee, die der Stadtratsvorsitzende dankbar aufnahm. Im Sozialausschuss der Stadt, so Freiwald, könne eine solche Aktion, die ein Stück Weißenfelser Geschichte wieder ins Blickfeld rückt, vorbereitet werden.