Mut-Vorstand kündigt seinen beiden Mitarbeitern fristlos

ZEITZ/MZ. - Das bestätigte Montag der stellvertretende Mut-Vorsitzende Gunter Emmrich auf MZ-Anfrage. Nach seiner Aussage habe der Vorstand die Entscheidung zur Kündigung von Ohse und Schellbach "weder freiwillig noch gern getroffen", sondern um die Insolvenz des Vereins ...

Von HARTMUT LANDES UND BIRGER ZENTNER 05.10.2009, 17:40

Das bestätigte Montag der stellvertretende Mut-Vorsitzende Gunter Emmrich auf MZ-Anfrage. Nach seiner Aussage habe der Vorstand die Entscheidung zur Kündigung von Ohse und Schellbach "weder freiwillig noch gern getroffen", sondern um die Insolvenz des Vereins abzuwenden.

"Unser Ziel ist es, den Mitteldeutschen Umwelt- und Technikpark und die Brikettfabrik Herrmannschacht zu retten", erklärte Emmrich, der sich zu Details der Situation des Vereins nicht äußern wollte. Er verwies auf eine Mitgliederversammlung, die am 12. Oktober stattfinden soll. Dort würden die Fakten auf den Tisch gelegt und das weitere Vorgehen beraten.

Nach MZ-Informationen hatte sich die Finanzsituation des Vereins, der das einzigartige Industriemuseum Brikettfabrik "Herrmannschacht" in Zeitz betreibt, in den vergangenen zwei Jahren zugespitzt. Insbesondere mangelte es an Einnahmen aus Eintrittsgeld ins Museum. Dieter Kmietczyk, der als Zeitzer Oberbürgermeister den Vereinsvorsitz innehatte, nahm an der Vorstandsarbeit seit seiner Abwahl als OB im Frühjahr 2007 nicht mehr teil. Förmlich niedergelegt hat er sein Amt nicht. Er spricht heute von einer "unausgesprochenen Übereinkunft", da er nach dem Ausscheiden aus dem Rathaus keine Einladungen mehr zu Mitgliederversammlungen des Vereins erhalten habe. Seit dieser Zeit führte Emmrich mit Frank Puschendorf die Vorstandsgeschäfte.

Im Frühjahr dieses Jahres soll die Mitgliederversammlung ein von Andreas Ohse vorgelegtes Konsolidierungspaket abgelehnt haben. In den Monaten danach haben Wirtschaftsprüfer die Buchführung des Vereins geprüft, um eine Konsolidierung zu ermöglichen.

Ende September gab es eine Beratung des Mut-Vorstandes mit dem Zeitzer Oberbürgermeister. Im Ergebnis dessen und in Anbetracht der sich zuspitzenden Finanzlage habe sich der Vorstand unter Handlungszwang gesehen. Ohse und Schellbach wurden fristlos gekündigt. Unterschrieben hat die Kündigungen Kmietczyk als Vereinsvorsitzender. Der fühlt sich vom Verein ausgegrenzt, aber zu diesem Schritt gebraucht. "Der Vorstand hat die ganze Zeit allein agiert, ohne meine Hilfe in Anspruch zu nehmen", begründet er.

Der Zeitzer Oberbürgermeister Volkmar Kunze (FDP) hält die Kündigungen zu diesem Zeitpunkt für "zwingend". Wie es mit dem Mut weiter geht, dazu will er sich vor der Mitgliederversammlung nicht detailliert äußern. Nach seinen Vorstellungen müsse der Museumsbetrieb in der Brikettfabrik auf Bedarfsbetrieb umgestellt werden. "Die Stadt bekennt sich weiterhin zum Mut und zu ihren Aufgaben im Herrmannschacht", sagt er lediglich. Der gekündigte Geschäftsführer Andreas Ohse gibt sich wortkarg. Der Vorstand habe die Reißleine gezogen. Er sei jetzt Privatmann und müsse erstmal zur Ruhe kommen, äußert er.

Mut-Schatzmeister Frank Puschendorf bestätigte gegenüber der MZ, dass man derzeit nach Wegen suche, um den Verein und damit das Museum am Leben zu erhalten. "Es soll auch weiter Museumsführungen geben", sagt Puschendorf. Dazu brauche man aber erst einmal ein Konsolidierungskonzept. Es gebe verschiedene Ansätze, wie man sich die Zukunft vorstellen könne. All das müsse auf der Mitgliederversammlung besprochen werden. Er könne sich durchaus eine weitere Zusammenarbeit mit Andreas Ohse vorstellen. "Denn die hauptamtlichen Mitarbeiter sind nicht Auslöser der Situation gewesen, sondern die Leidtragenden", sagt Puschendorf, der auch Bürgermeister in Deuben ist. In dem Zusammenhang verweist er darauf, dass die Vorgänge beim Mut nichts mit dem Braunkohlemuseum in Deuben zu tun haben: "Das ist ein ganz anderer Verein."

Wenn es um die Zukunft von Mut und Brikettfabrik Herrmannschacht geht, dann wird sicher auch viel vom Engagement der Mibrag abhängen. Das Unternehmen ist nicht nur Vereinsmitglied, sondern auch wichtiger Geldgeber. Man sei an der Erhaltung sehr interessiert, verlautete Montag aus der Mibrag. Detaillierter wolle man sich aber erst am Dienstag äußern, hieß es auf MZ-Nachfrage.