Sanierung Mohrenapotheke

Mohrenapotheke Weißenfels: Sanierung im Kampf gegen Flecken auf der weißen Weste

Weissenfels - Im Frühjahr ist das Haus fertig geworden. Das Gebäude Mohrenapotheke wurde nach jahrelangem Ruinen-Dasein zu einem echten Hingucker am Weißenfelser Markt.

Von Birger Zentner 22.11.2016, 09:00

Im Frühjahr ist das Haus fertig geworden. Das Gebäude Mohrenapotheke wurde nach jahrelangem Ruinen-Dasein zu einem echten Hingucker am Weißenfelser Markt. Nun bekommt das Haus die ersten Flecken auf der weißen, oder um in der farblichen Optik das Hauses zu bleiben, auf der gelben Weste. Auf der Seite zur Klosterstraße hin blättert nicht nur die Farbe ab, da fallen tellergroße bis tischgroße Putzstücken von der Wand. Aber auch an der Seite zum Markt sind die ersten Schandflecke zu sehen.

„Das Gebäude wurde doch erst vor kurzer Zeit saniert und wenn bereits jetzt wieder Schäden auftreten, ist dies sehr ärgerlich“, schreibt ein Leser in einer E-Mail an die Redaktion. Auch weitere Reaktionen an die MZ hat es in dem Zusammenhang gegeben.

Mohrenapotheke: Ursache für die Schäden an Putz und Farbe

Ärgerlich schon, sagt Architekt Martin Sturmat, aber unvermeidlich. Die Ursache für die Schäden an Putz und Farbe liegen in den letzten Jahrzehnten. „An der Ecke Klosterstraße und Markt war das Fallrohr kaputt beziehungsweise nicht vorhanden.“ So habe jahrzehntelang ungehindert Wasser ins Mauerwerk dringen können, sagt er. Daher ist die Mauer in dem Bereich stark versalzen. Mit der Austrocknung des Mauerwerks nach Beseitigung der Ursachen, dringen die Salze nach außen und in den Putz ein und zerstören ihn, erläutert der Architekt den chemischen Prozess.

Nicht nur die defekte Dachentwässerung habe dazu beigetragen, sondern auch Unmengen von Spritzwasser von der Fahrbahn, die zum Teil weniger als einen Meter an der Hausmauer entlangführt. „Eigentlich muss man sagen, dass seit 150 Jahren hier Wasser eingedrungen ist“, erklärt Sturmat. Das sei auch deswegen möglich gewesen, weil zum Teil der Putz fehlte und „weil das Haus und auch das Mauerwerk mehrere Jahrhunderte alt sind“, ergänzt Lothar Voss von der Weißenfelser Stadtverwaltung.

Mohrenapotheke: Das wird gegen die Feuchtigkeit gemacht

Nun ist zwar im Zuge der Sanierung das Haus von unten gegen aufsteigende Feuchtigkeit abgedichtet worden, auch die Dachentwässerung ist in Ordnung, aber die Versalzung war damit nicht beseitigt. Wie Sturmat sagt, müsse man noch eine ganze Weile warten, ehe die Salze komplett vom Mauerwerk in den Putz gewandert sind. „Das kann durchaus zwei bis fünf Jahre dauern. Dann kann man den Putz ausbessern. Das war uns aber bereits bei der Sanierung des Hauses klar.“ Man habe an verschiedenen Stellen Proben genommen, um den Grad der Versalzung festzustellen. Dabei habe sich herausgestellt, dass es nach der Sanierung Putzschäden geben werde. Aber ehe der Prozess nicht beendet ist, also noch Salze im Mauerwerk sind, wird man seitens der Stadt auch nichts am Gebäude tun, erklärt Voss.

Bei versalzenem Mauerwerk wird oft ein sogenannter Opferputz aufgebracht, der die Salze aufnimmt, dadurch zerstört wird und abfällt. Erst danach kommt der eigentliche Putz drauf. Allerdings bedeutet das, über mehrere Jahre an der Wand einen unansehnlichen Putz zu haben. Im Falle der Mohrenapotheke hat man auf dieses Verfahren verzichtet. „Das ist sozusagen unser Opferputz“, erklärt Sturmat.

Mohrenapotheke: Standfestigkeit und Nutzungsfähigkeit des Gebäudes

Man habe die Variante gewählt, weil klar war, dass nicht das gesamte Gebäude, sondern eben nur ein Teil des Mauerwerks von der Versalzung betroffen ist. Wie auch immer man sich entschieden hätte, es wäre so oder so zu einem teils unansehnlichen Resultat an der Wand gekommen. Die Standfestigkeit und Nutzungsfähigkeit des Gebäudes, in dem sich zum Beispiel die Weißenfelser Touristinformation befindet, werden jedoch nicht beeinträchtigt, sagt der Architekt. Aber die Schönheitsfehler bleiben einige Jahre zu sehen. (mz)