„Lage hat sich verschärft“

„Lage hat sich verschärft“: 172 infizierte Tönnies-Mitarbeiter: Droht eine Schließung?

Weißenfels - Viele Weißenfelser haben bereits die Mitarbeiter von Tönnies als Hauptursache für die hohen Corona-Infektionszahlen in der Stadt vermutet. Das wird nun durch Zahlen des Gesundheitsamts untermauert. Von 255 aktuell mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Weißenfels sind weit über die Hälfte, nämlich 172 im Tönnies-Schlachthof ...

Von Martin Walter
Nach einem Reihentest bei Tönnies in Weißenfels sind über 170 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. www.imago-images.de

Viele Weißenfelser haben bereits die Mitarbeiter von Tönnies als Hauptursache für die hohen Corona-Infektionszahlen in der Stadt vermutet. Das wird nun durch Zahlen des Gesundheitsamts untermauert. Von 255 aktuell mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Weißenfels sind weit über die Hälfte, nämlich 172 im Tönnies-Schlachthof beschäftigt.

Damit liegen die Mitarbeiter des Unternehmens auf Platz zwei der häufigsten Infektionsquellen im Burgenlandkreis. Nach wie vor ist aber die Ursache der meisten Infektionen nicht bekannt.

Tönnies in Weißenfels plant weitere Corona-Testreihe

„Die Lage am Schlachthof hat sich verschärft“, sagte Dezernentin Ariane Körner, der das Gesundheitsamt des Burgenlandkreises unterstellt ist, bei der wöchentlichen Corona-Pressekonferenz am Mittwoch. Nachdem es am Montag Gespräche der Kreisverwaltung mit Tönnies gegeben hat, sollen infizierte Mitarbeiter, die derzeit dezentral in Weißenfelser Wohnungen untergebracht sind, künftig in einer gesonderten Quarantäneeinrichtung untergebracht werden. Das Unternehmen suche derzeit ein Objekt, das es dafür anmieten kann.

In den vergangenen Tagen gab es unternehmensinterne Reihentests bei Tönnies, bei denen jeweils alle anwesenden Mitarbeiter auf das Coronavirus untersucht wurden. Ende der Woche soll es einen erneuten Massentest geben, wonach mit weiteren festgestellten Infektionen gerechnet werden müsse, so Ariane Körner.

Maskenpflicht in Weißenfels auch wegen Tönnies

Die seit Mittwoch geltende Maskenpflicht in ganz Weißenfels begründete Landrat Götz Ulrich  (CDU) auch damit, dass „die Tönnies-Mitarbeiter über das gesamte Stadtgebiet verteilt“ wohnen, sich aber auch die anderen infizierten Weißenfelser in der ganzen Stadt verteilen. „Eine Maskenpflicht nur für einzelne Straßenzüge würde deshalb nicht viel bringen“, so der Landrat. Obgleich auf einer Karte mit den groben Wohnorten von Infizierten, die der MZ vorliegt, eindeutig die Weißenfelser Neustadt als Brennpunkt zu erkennen ist und dort auch die meisten Tönnies-Mitarbeiter wohnen.

Tönnies-Geschäftsführer Reinhold Dierkes betont indes, dass die Maßnahmen des Unternehmens „seit Wochen und Monaten immer wieder angepasst und verschärft“ wurden, sodass „eine Verbreitung des Virus im Betrieb sehr unwahrscheinlich ist.“ Diesbezüglich benennt er eine absolute Maskenpflicht, Luftfilteranlagen, Abstandsregeln sowie die regelmäßigen Tests im Werk. Auch Götz Ulrich spricht davon, dass es „im Werk selbst kein Infektionsgeschehen“ gebe.

Trotz Corona: Schlachthof Weißenfels wird nicht geschlossen

Eine Schließung des Schlachthofs sei deshalb auch nicht zielführend. Götz Ulrich hält es sogar für kontraproduktiv, da die regelmäßigen Tests im Werk gerade dazu führen würden, dass man Infektionen entdeckt. Sollten die Mitarbeiter nicht arbeiten können, würden sie - wenn sie infiziert sind - das Virus womöglich unbemerkt in Weißenfels verbreiten. 

Schon jetzt liegt die Vermutung nahe, dass einige von ihnen sich nicht an die Quarantäne halten. Diesbezüglich wurden die Kontrollen zu Wochenbeginn nochmals ausgeweitet. Im Burgenlandkreis würden pro Tag etwa 300 Quarantänekontrollen, durchgeführt, wobei täglich zwischen fünf und zehn Verstöße festgestellt würden, so Ulrich. (mz)