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Was die Alten noch wissen Heimatnachmittag: Warum in Großgörschen über alten Fotos gebrütet wird

Die Organisatoren des ersten Heimatnachmittags in Großgörschen wollen Geschichte und Geschichten sammeln. Was sie damit vor haben.

Von Martin Schumann Aktualisiert: 03.03.2026, 09:24
Jens Rittmann (v. l.) und Uwe Legler, zwei der Organisatoren des Heimatnachmittags, fachsimpeln mit „Ureinwohner“ Holger Andersohn über alte Fotos und Postkarten aus Großgörschen.
Jens Rittmann (v. l.) und Uwe Legler, zwei der Organisatoren des Heimatnachmittags, fachsimpeln mit „Ureinwohner“ Holger Andersohn über alte Fotos und Postkarten aus Großgörschen. Foto: Martin Schumann

Großgörschen - „Wer kann die altdeutsche Schrift noch lesen?“ – „Wann hatten wir eigentlich das erste Kinderprinzenpaar?“ – „Von wen an wen ging diese Postkarte?“ – „In der Mitte ist meine Tante Else!“ – „Mein Vater war damals im Elferrat!“ – Solche und ähnliche Sätze waren am Samstagnachmittag mehrfach zu hören, beim ersten Heimatnachmittag in Großgörschen. Zu dem hatte das Organisatoren-Trio Uwe Legler, Thomas Roth und Jens Rittmann eingeladen.

„Wir haben gemerkt, dass wir nur wenig über Großgörschen wissen“, erklärt letzterer zum Anliegen des Nachmittags. „Und die, die was wissen, nehmen das irgendwann mit.“ Besonders bewusst geworden sei ihm das bei einem Dorfrundgang, den er zum Scharnhorstfest 2025 erstmals angeboten hatte, so Rittmann. Der war mit 17 Teilnehmern auf großes Interesse gestoßen. Aber: „Ich dachte, ich wusste viel. Aber dann stellt einer eine Frage und ich stehe nur da und mache ,Uff!’“, erinnert sich Rittmann.

„Wir haben gemerkt, dass wir nur wenig über Großgörschen wissen.“

Jens Rittmann, Organisator

Bilder und Geschichten zu sammeln, rund um Männerchor, Pfingstverein, Schule und Dorfleben, ist also das erklärte Ziel von Rittmann, Roth und Legler. Und zwar bei denen, die noch aus eigenem Erleben von „früher“ berichten können. Die sind durchaus zahlreich gekommen. Knapp 20 Interessierte, darunter auch einige jüngere, tauschen sich bei Kaffee und Kuchen im Bürgerbegegnungshaus aus, schwelgen in Erinnerungen und lassen sich die Personen auf alten Fotos erklären.

Um Kaufen, Verkaufen oder Tauschen geht es dabei nur ganz am Rande. „Wichtiger ist es, dass wir Bilder digitalisieren und uns Notizen dazu machen“, sagt Jens Rittmann und fotografiert mit dem Handy eifrig alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen ab. Von denen hat Holger Andersohn einige mitgebracht, ebenso Postkarten und einen SG-Scharnhorst-Aufnäher vom Fußballdress seines Vaters aus den 1950er-Jahren. Schnell bilden sich um Andersohn, ebenso wie um zwei, drei andere Senioren, kleine Menschentrauben. Einige Neugierige haben Lupen mitgebracht, stellen Fragen und tragen Wissen bei, das sie selbst einst von Eltern oder Großeltern erzählt bekommen haben.

Wiederholung so gut wie sicher

„Das war eine schöne Runde, wir werden das bestimmt nochmal machen“, bilanziert Jens Rittmann. „Im nächsten Schritt hätte ich gern auch jemand vom Museum dabei, die können bestimmt einige spezielle Fragen beantworten.“ Und er ist sich sicher, der Nachmittag habe auch zum Dorfleben beigetragen. „Die Leute kommen raus und erzählen“, freut sich Rittmann. Das sei gerade jetzt im Winter wichtig, weswegen man den Termin auch absichtlich direkt nach den Jahreswechsel gelegt habe. Im Sommer sei dafür kaum Zeit, sagt er.

Für sich selbst hat Jens Rittmann auch etwas mitgenommen: neue Ideen für seinen zweiten Dorfrundgang zum Scharnhorstfest etwa. Dann will er historische Fotos und aktuelle Ansichten direkt vor Ort gegenüberstellen. Und vielleicht muss er dank des Austauschs seltener mit „Uff!“ auf knifflige Fragen reagieren.