Gefährliches Salz im Putz

Gefährliches Salz im Putz: Geleitshaus und weitere Gebäude sind betroffen

Weißenfels - Die Giebelwand des Geleitshauses muss saniert werden. Das historische Gemäuer ist eines von mehreren Gebäuden in Weißenfels, die betroffen sind.

Von Holger Zimmer 14.11.2017, 12:55

Ulrich Schmidt kennt das Weißenfelser Geleits-haus seit der Sanierung 1996/97 aus dem Effeff. Mit Mitarbeitern seiner Borauer Baufirma saniert er derzeit die südliche Giebelseite bis zum Renaissance-Erker. Notwendig geworden waren die Arbeiten jetzt, weil von den feuchten Sandsteinen Salze an den Putz abgegeben worden sind. Der wird dadurch auf Dauer geschädigt, brüchig und fällt ab.

Am 24. Oktober haben die Arbeiten begonnen. Gegenwärtig ist die Firma Schmidt dabei, einen zementlosen Kalkputz aufzubringen. Im Sockelbereich wird bis in eine Höhe von 60 Zentimetern eine Dichtschlämme mit Zementanteilen aufgetragen. „Kriegen wir keinen Schnee, soll die Fassade noch im November gestrichen werden“, sagt Ulrich Schmidt. Anfang Dezember sollen dann die Gerüste fallen.

Schon nach wenigen Jahren schlugen dunkle Flecken durch

Firmenchef Schmidt war vor 20 Jahren im Geleitshaus tätig und hat während der damaligen Sanierung mit seinem Unternehmen einen Anteil an der Schaffung der Gastronomie- und Museumsräume. Als es damals um den Außenputz ging, hat er allerdings die Hände gehoben. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz musste der Putz vor Ort nämlich mit Sand aus Kiesgruben in der Nähe und Kalk sowie Kälberhaaren gemischt werden.

Schon nach wenigen Jahren schlugen dunkle Flecken durch, so dass erst an Teilen der Vorderfront und dann an der Giebelseite Hand angelegt werden musste. Schmidt selbst favorisiert aber fertig gemischte Putze, die zugelassen und geprüft sind.

Geleitshaus Weißenfels ist nur ein Fall für dieses Aussalzen

Das Geleitshaus ist nur ein Fall für dieses Aussalzen. Die Mohren-Apotheke am Markt ist ebenfalls betroffen und Arbeiten finden derzeit auch am Fürstenhaus statt. Laut der städtischen Pressesprecherin Katharina Vokoun ist es ein typisches Problem historischer Gebäude, dass Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringt, wenn sie länger ungenutzt dastehen.

Salze, die zu den Schäden am Putz führen, könnten sich in den verwendeten Baustoffen selbst befinden oder durch äußere Einflüsse wie belastetes Regenwasser, die Luft oder Streusalz im Winter eindringen. Die offizielle Einweihung des Geleitshauses gab es vor 20 Jahren am 14. November 1997.

Geleithaus eines der ältesten Häuser in Weißenfels

Ein städtischer Mitarbeiter empfing Hunderte von Neugierigen als Gustav II. Adolf. Der war am 6. November 1632 in der Schlacht bei Lützen im Dreißigjährigen Krieg gefallen und im Weißenfelser Geleitshaus obduziert worden. Zu den geladenen Gästen der Einweihung gehörte deshalb Schwedens Botschaftsrat Carl Olaf Anderson.

Oberbürgermeisterin Gisela Bevier sprach damals von 4,4 Millionen Mark (rund die Hälfte in Euro), die in fünfjähriger Bauzeit investiert worden sind. Uwe Brückner, Wirt des Pubs im Geleitshaus, spricht von einem Anziehungspunkt für Touristen, der damals entstanden ist. Immerhin handele es sich neben Kloster und Marienkirche um eines der ältesten Häuser in Weißenfels.

Archiv mit Obduktionszimmer und dem Diorama zur Lützener Schlacht

Hier befanden sich zuvor neben dem Archiv mit Obduktionszimmer und dem Diorama zur Lützener Schlacht nur zwei Schauräume, für die es aber keine geregelten Öffnungszeiten gab. Nach der Wende verkam das Haus zum Abenteuerspielplatz, ehe die Stadt ihre Verantwortung für das Kleinod wahrnahm.

Seit 2006 betreibt Brückner im Gebäude einen Pub und wohnt mit Frau und Tochter in der obersten Etage. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn das Haus vom Keller bis zum Dachboden Geschichte atmet.“ Bevor er einziehen konnte, mussten zwar noch zusätzliche Heizkörper installiert werden, aber nun will er mit niemandem mehr tauschen. Er sieht es als Vorteil an, dort zu wohnen, wo er seinen Arbeitsplatz hat und vor Ort ist, wenn sich zum Beispiel einmal die Alarmanlage meldet.

Sanierung des Abwassernetzes im Zentrum

Gut, dass die Giebelwand jetzt saniert wird, „denn für Weißenfelser und Touristen hat sie keinen schönen Anblick mehr geboten.“ Seit einem Jahren stehen auch die Keller nicht mehr voll Wasser. Aufgrund des hoch gelegenen Hauses handelt es sich nicht um Grundwasser, sondern um unterirdische Wasserläufe. Uwe Brückner hofft, dass mit der Sanierung des Abwassernetzes im Zentrum künftig die Keller des Geleitshauses trocken bleiben. (mz)

In den Pub lädt Wirt Uwe Brückner am Sonntag zu einer kleinen Feierstunde ein. Ab 15 Uhr ist auch „Tempus Saltus“ dabei. Die kostümierten Gästeführer zeigen ein Stück um Hieronymus Kiesewetter, der als Kanzler des sächsischen Herzogs das Geleitshaus erbauen ließ. Der Kammerchor der evangelischen Kirche wird auftreten und es gibt Führungen in die Kellerräume.