Filmdreh in Weißenfels

Filmdreh in Weißenfels: Die Stars im Hintergrund von Moritz Bleibtreu

Weißenfels - Die Film-Mannschaft hat Weißenfels verlassen. Und sie hat etwas hinterlassen. Nicht nur tiefe Eindrücke bei den Bewohnern der Nordstraße, wo die Szenen für die Tragikkomödie „Auf Wiedersehen Deutschland“ aufgenommen wurden, die ein Geschehen in Frankfurt am Main nach dem Krieg darstellen sollen. In der Werkstatt von Karsten Guhra stehen nun zwei zusätzliche Oldtimer, die in dem Kinofilm ...

Von Heike Riedel 18.05.2016, 05:00

Die Film-Mannschaft hat Weißenfels verlassen. Und sie hat etwas hinterlassen. Nicht nur tiefe Eindrücke bei den Bewohnern der Nordstraße, wo die Szenen für die Tragikkomödie „Auf Wiedersehen Deutschland“ aufgenommen wurden, die ein Geschehen in Frankfurt am Main nach dem Krieg darstellen sollen. In der Werkstatt von Karsten Guhra stehen nun zwei zusätzliche Oldtimer, die in dem Kinofilm rollen.

Der Plymouth, gebaut Mitte der 1940er Jahre, sah vor dem Filmdreh mit seiner weinrot glänzenden Lackierung und den verchromten Teilen wie ein nagelneuer aus. Den hatte das Filmteam als Schmuckstück mitgebracht, nun ist er völlig zerschlagen. „Ein Schrottauto - so steht’s im Drehbuch“, sagt der Kfz-Meister Guhra mit Bedauern.

Kaum noch zu bekommen

Dabei hatte er doch darauf gehofft, Originalteile, die kaum noch zu bekommen sind, vor der Zerstörung zu retten. Er hatte es extra präpariert und den Schauspielern gezeigt, wo sie dem Auto getrost ein paar Beulen zufügen konnten. Doch wenn Wut echt wirken soll, lässt sie sich offenbar nicht lenken. Der Anblick des Autos schmerzt nun jeden Oldtimerfreund.

Anders dagegen war der Umgang mit dem Dreirad Tempo 40. Das wurde erst neu von Guhras Werkstatt für Sonderfahrzeugtechnik mit dem Gestell für die Plane ausgestattet und hat von der Firma Reinhardt aus Weißenfels die passende Plane erhalten. Am Ende wurden die neuen Teile extra patiniert, damit sie wie alt aussahen.

Echte Herausforderung

„Die Startanlage war eine echte Herausforderung“, sagt Guhra im Rückblick. Denn selbst bundesweit war die spezielle kombinierte Starter- und Ladetechnik nirgends mehr bei Oldtimerfreunden zu bekommen. Also musste sie sich der Handwerker selbst vornehmen.

„Das habe ich mit Hilfe eines Teucherner Spezialisten für Elektromotoren, der selbst noch Anker wickeln kann, dann geschafft“, ist der Bastler stolz. So rollte das Fahrzeug mit dem Zwei-Zylinder-Motor und Drei-Gang-Getriebe rechtzeitig zu Filmbeginn mit der instand gesetzten Starttechnik. Tim Seyfi, der hinter dem Lenkrad saß, wenn er mit Moritz Bleibtreu im Film auf Frankfurts Straßen unterwegs war, hatte aber vor allem mit dem Lenken zu tun, ist der Wenderadius des Gefährts doch sehr groß.

Damit der Motor nicht „absäuft“

Und damit der Motor nicht „absäuft“, was bei den zumeist langsamen Fahrten und häufigen Halten für die Filmaufnahmen, schnell passieren konnte, sprang Karsten Guhra immer ein, um dem kleinen Grauen die notwendige Bewegung zu geben, wenn die in den Filmszenen nicht vorkam.

Noch ist über die Zukunft der beiden Oldtimer nicht entschieden. „Es wird eine Sache des Preises sein, ob sie hierbleiben oder weiterverkauft werden“, sagt Guhra, dessen Oldtimer-Leidenschaft vor allem Motorrädern gilt. Schließlich ist der 54-Jährige von Jugend an Rennfahrer. Eine seiner alten Maschinen bekam auch eine Filmrolle ab.

Rennunfall in Italien

Doch die BMW, mit der er jetzt seine Rennen fährt, konnte angesichts des Filmauftrags gar nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie eigentlich braucht. Denn Guhra musste sie nach einem Rennunfall in Italien wieder aufbauen. „Die Tage waren einfach zu kurz“, sagt der Meister, der in der Werkstatt drei Mitarbeiter beschäftigt. Doch er hat es nebenbei schließlich geschafft, seine Rennmaschine flott zu machen.

Bei so viel Leidenschaft für Fahrzeuge und Motoren wundert es nicht, dass Guhras Tochter Kristin die Firma übernehmen will. Doch erst einmal ist sie Mutter geworden. 14 Wochen ist der Enkel des Kfz-Meisters alt. Großmutter Cornelia hatte im Vorfeld der Geburt den Namen Moritz schon mal ins Spiel gebracht.

Dann kam der Auftrag für den Film mit Moritz Bleibtreu - und der wurde das Zünglein an der Waage bei der Namenswahl. Als Guhras den Bleibtreu Moritz sogar live kennenlernten, war diese Episode in ihrem Leben rund. Ein paar Fotos erinnern an die Begegnung von Moritz und Moritz. (mz)