„Die Leute haben Angst“

„Die Leute haben Angst“: Mitarbeiter von Tönnies klagen ihr Leid

Weißenfels - Zunächst ist es relativ leer an dem Info-Stand am Neumarkt in Weißenfels, den Mitarbeiter des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sowie der Beratung migrantischer Arbeitskräfte (BemA) aufgebaut haben. Sie wollen mit osteuropäischen Mitarbeitern des Weißenfelser Tönnies-Schlachtbetriebs über deren Arbeitssituation zu ...

Von Martin Walter 06.09.2019, 10:00

Zunächst ist es relativ leer an dem Info-Stand am Neumarkt in Weißenfels, den Mitarbeiter des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sowie der Beratung migrantischer Arbeitskräfte (BemA) aufgebaut haben. Sie wollen mit osteuropäischen Mitarbeitern des Weißenfelser Tönnies-Schlachtbetriebs über deren Arbeitssituation zu sprechen.

„Die Leute haben Angst, dass sie wegen ihrer Anwesenheit hier gekündigt werden können“, sagt DGB-Mitarbeiter Piotr Mazurek. Dann finden sich doch immer mehr ein.

Über 1.000 Osteuropäer arbeiten laut NGG im Schlachthof

Über 1.000 Osteuropäer arbeiten laut NGG in dem Schlachthof. Einige Dutzend besuchen den Infostand. Richtig zufrieden scheint keiner von ihnen mit den Arbeitsbedingungen zu sein. Die Beschwerden, die von zwei polnischen Mitarbeitern gegenüber der MZ geäußert werden, reichen von nicht bezahlten Überstunden über nicht eingehaltene Ruhezeiten bis hin zum Anschreien der Arbeitnehmer durch ihre Vorarbeiter.

Von nicht bezahlten Überstunden habe auch Weißenfels’ Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) gehört. „Wir haben die Versicherung von Tönnies, dass dort alles rechtskonform abläuft, aber der Überblick ist schwierig“, sagt Risch. „Uns fehlt der Einblick in die Szene.“ Die Info-Veranstaltung sei deshalb der richtige Weg, um einmal die Meinung der osteuropäischen Arbeitnehmer zu hören.

Vertreter von Tönnies waren zur Infoveranstaltung nicht eingeladen

Gabriela Ruszala arbeitet für die BemA, ist Dolmetscherin fürs Polnische und des Öfteren mit prekären Arbeitsverhältnissen konfrontiert. Was sie an diesem Tag hört, erstaunt aber auch sie. Hinter vorgehaltener Hand werden gegenüber der MZ noch weitaus gravierendere Mängel genannt. So sollen die Arbeitnehmer absichtlich hingehalten worden sein, was die Anmeldung bei der Krankenversicherung anbelangt.

Vertreter von Tönnies waren zur Infoveranstaltung nicht eingeladen. „Damit die Arbeitnehmer ohne Angst erzählen können, was ihnen auf dem Herzen liegt“, begründet NGG-Regionalgeschäftsführer Jörg Most. Man werde beraten, was gegen die Missstände unternommen werden kann. Auch die MZ bleibt an dem Thema dran und wird sich bei Tönnies natürlich auch um eine Stellungnahme bemühen. (mz)