Babymord in Weißenfels

Babymord in Weißenfels: „Es fehlt jede Spur zur Mutter“ - Zweiter DNA-Massentest?

Weißenfels - Weil die Mutter des toten Babys in Weißenfels noch immer nicht gefunden wurde, denkt die Staatsanwaltschaft über einen zweiten DNA-Test nach. Bis zu 700 Frauen könnten um eine Speichelprobe gebeten werden.

07.11.2017, 08:15

Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Neufang steht weiterhin vor einem ungeklärten Fall. „Es fehlt derzeit noch jede Spur zur Mutter des getöten Babys in Weißenfels“, fasst er den derzeitigen Ermittlungsstand zusammen. Die Leiche des Säuglings war im vergangenen April auf einem Gartengrundstück in der Saalestadt entdeckt worden. Bei der Obduktion wurde damals festgestellt, dass das Baby nicht eines natürlichen Todes gestorben ist, sondern ermordet wurde.

Am Körper der Babyleiche fand man eine DNA-Spur, bei der die Ermittler davon ausgehen, dass sie von der Mutter stammt und das somit die Mutter auch die Mörderin zu sein scheint. Es folgte ein DNA-Massentest im Sommer, bei dem 200 Weißenfelserinnen dem Aufruf folgten und eine Speichelprobe abgaben.

Totes Baby: Frauen in Weißenfels geschockt

Viele der Frauen in Weißenfels waren geschockt von der Tat. Deshalb zeigte auch eine Mehrheit von ihnen Verständnis für die Untersuchung. Neufang zufolge sei nur eine Frau dem Aufruf nicht nachgekommen. Die Speichelproben seien inzwischen nahezu vollständig ausgewertet. „Sie ergaben keinen Treffer“, sagt er. Deshalb müsse nun über weitere Schritte nachgedacht werden, so der Oberstaatsanwalt.

Eine Möglichkeit stelle ein zweiter DNA-Test dar. Hierbei könnte es beispielsweise um eine Ausweitung des bisherigen Radius gehen, den die Ermittler zum damaligen Zeitpunkt um den Tatort gezogen hatten. Nur Frauen, die in einem gewissen Umkreis zum Tatort gemeldet waren, wurden im Spätsommer gebeten, eine Speichelprobe abzugeben. Bei einer Erweiterung „würden noch einmal 500 bis 600 weitere Frauen zu einem Gen-Test eingeladen werden“, erklärt Neufang. Ein erneuter Aufruf würde sich folglich ebenfalls an Weißenfelserinnen richten.

Gentest in Weißenfels: Im Sommer wurden nur Frauen im Alter zwischen 18 und 23 Jahren berücksichtigt

Ein anderer Ansatz wäre die Alterspanne des Personenkreises, die zu einem solchen Test aufgerufen werden, auszudehnen. Im Sommer wurden nur Frauen im Alter zwischen 18 und 23 Jahren berücksichtigt, da die Ermittler davon ausgehen, dass es sich um eine junge Mutter handelt.

Allerdings warte man vorerst noch die endgültigen Ergebnisse der bisher abgegebenen Speichelproben ab. Erst im Anschluss werde dann darüber entschieden, welche neuen Kriterien bei der Suche nach der Mutter einbezogen werden, so Neufang. „Für einen zweiten Aufruf braucht man noch einmal einen richterlichen Beschluss.“ Falls es zu einem neuen Test kommt, dann wird dieser voraussichtlich erst im kommenden Jahr stattfinden.

Stammt die Mutter des toten Kindes tatsächlich aus Weißenfels?

In den sozialen Medien stellten Nutzer während des ersten Aufrufs im Sommer häufig in Frage, ob die Mutter des toten Kindes tatsächlich aus Weißenfels stamme. Neufang erklärte hierzu, dass der Tatort und der Ort, an dem der Leichnam gefunden worden war, so nah beieinander lägen, dass nach dem Dafürhalten der Ermittler davon ausgegangen werden kann, dass die Mutter aus dem nahen Umfeld des Tatorts stamme. Zudem werde mit Blick auf den Fundort der Babyleiche vermutet, dass sie sich in Weißenfels ausgekannt habe.

Um dem Säugling eine würdige letzte Ruhestätte zu geben, organisierte die Stadt Weißenfels im Juni ein Begräbnis. Im kleinen Kreis wurde das Kind, von dem weder Eltern, noch ein Name bekannt war, beigesetzt. Die Trauerrede hielt der Pfarrer Martin Schmelzer. Jeder, der persönlich von dem verstorbenen Baby Abschied nehmen möchte, kann das Grab auf dem Kinderfriedhof in Weißenfels besuchen. (mz)