Abschied ohne Ausverkauf

Abschied ohne Ausverkauf: Kostümverleih am Weißenfelser Marktplatz hat die Segel gestrichen

Weißenfels - In Bärbel Müllers Stimme schwingt keine Bitterkeit mit. Ganz nüchtern erklärt die 67-jährige Weißenfelserin, warum sie über den Jahreswechsel ihren Kostümverleih am Weißenfelser Marktplatz ohne viel Tamtam geschlossen hat.

Von Alexander Kempf 06.01.2019, 08:00

In Bärbel Müllers Stimme schwingt keine Bitterkeit mit. Ganz nüchtern erklärt die 67-jährige Weißenfelserin, warum sie über den Jahreswechsel ihren Kostümverleih am Weißenfelser Marktplatz ohne viel Tamtam geschlossen hat. „Noch eine Baustelle“, sagt sie, „tue ich mir nicht an.“

Tatsächlich ist zuletzt wohl kein anderes Ladengeschäft in Weißenfels so von Baustellen umstellt gewesen wie das Gebäude neben der ehemaligen Mohren- Apotheke. Sowohl die Arbeiten am Rathaus nebenan als auch die auf dem Marktplatz sind noch nicht abgeschlossen. Und die nahe Klosterstraße befindet sich ebenfalls noch im Bau.

Kostümverleih sollte es eigentlich noch zwei Jahre geben

Eigentlich, erzählt Bärbel Müller, wollte sie noch vom Weihnachtsgeschäft profitieren. „Aber der Verkauf lief fast gar nicht“, sagt die Änderungsschneiderin. Dass die Kunden im Kostümverleih auch wegen der Baustellen ausblieben, daran hat die Inhaberin rückblickend keinen Zweifel. Man habe ja im Gespräch mit den Menschen bemerkt, wie diese darüber schimpften.

Ursprünglich habe sie ihren Kostümverleih eigentlich noch zwei weitere Jahre betreiben wollen, berichtet Bärbel Müller. Doch als zuletzt klar wurde, dass der Marktplatz nicht wie geplant Ende 2018 fertig wird, da fehlte ihr die Motivation, das Geschäft weiterzuführen. Persönlich hat sie das Rentenalter ohnehin schon erreicht und muss nicht mehr arbeiten. „Ich habe es geschafft und bin Rentner. Nun habe ich meine Ruhe“, sagt sie versöhnlich.

Ausverkauf wegen Krankheit ins Wasser gefallen

Doch warum hat Bärbel Müller vor der Schließung des Kostümverleihs nicht noch einmal einen Ausverkauf veranstaltet und beworben? Der sei ins Wasser gefallen, da sie sich im Dezember erkältet habe, erklärt die Unternehmerin. Gut möglich, dass sie sich die Erkältung in ihrem kühlen Ladengeschäft zugezogen hat. Dort habe sie sich schließlich bis zuletzt nur mit einem kleinen Heizgerät neben der Nähmaschine wärmen können.

Eine zunächst vom Vermieter in Aussicht gestellte Heizung ließ nämlich nach dem Einzug vor dreieinhalb Jahr zunächst lange auf sich warten. Als es schließlich so weit hätte sein können, machte die Mieterin selbst einen Rückzieher angesichts drohender Heizkosten. „Im letzten Winter haben wir uns gesagt - das halten wir auch noch aus“, erzählt Bärbel Müller. Mit wir meint sie ihren Sohn Daniel und sich.

In dreieinhalb Jahren sind einige Kostüme zusammengekommen

Daniel Müller hat in einem Teil des Ladens Brautmoden verkauft. Alleine habe er sein Geschäft und das der Mutter angesichts verschiedener Widrigkeiten aber nicht fortführen wollen. Doch wo sind nun eigentlich die ganzen Kostüme gelandet? Sie habe alles bei sich eingelagert, erzählt Bärbel Müller. Die Stammkunden wüssten schon Bescheid. „Wenn noch jemand Interesse hat, dann kann er sich etwas abholen“, so die Weißenfelserin.

Ein Jahr lang will sie die Kostüme noch aufheben. Spätestens danach soll alles weggegeben oder vernichtet werden. In dreieinhalb Jahren am Markt sind einige Kostüme zusammengekommen. Ihre Änderungsschneiderei hat Bärbel Müller sogar mehr als 20 Jahre betrieben. Wehmütig wird sie deswegen noch lange nicht. „Mir reicht es“, sagt die angehende Seniorin. Ihre Prognose für den Handel in der Weißenfelser Innenstadt fällt wenig zuversichtlich aus. „Wenn ich sehe, was schon alles dicht gemacht hat“, sagt sie, „dann würde ich sagen, es geht bergab.“

Bereits Ende Februar 2017 hatte Annerose Schunke ihren Kostümverleih in Weißenfels aufgegeben. Anders als nun Bärbel Müller verabschiedete sie sich damals aber nicht über Nacht, sondern mit einem Ausverkauf. (mz)