Abschied im Weißenfelser Museum

Abschied im Weißenfelser Museum: Martin Schmager räumt seinen Platz

Weißenfels - Martin Schmager räumt seinen Platz im Weißenfelser Museum. Geht es nach dem 63-Jährigen, wird er sich weiter mit der Stadtgeschichte beschäftigen.

Von Holger Zimmer 04.02.2017, 15:00

Geht es nach Martin Schmager, so möchte er auch im Ruhestand noch etwas zur Geschichtsforschung beitragen. Heute scheidet er offiziell aus dem Amt als Leiter des Weißenfelser Schlossmuseums aus, aber irgendwann will er einen Katalog mit den Bildnissen der Prinzen und Herzöge von Sachsen-Weißenfels präsentieren. Das wäre der Punkt auf dem i, ist es doch auch dem 63-Jährigen zu verdanken, dass im einstigen Thronsaal inzwischen wieder alle fünf Herrscher auf Gemälden zu sehen sind.

Der Ruheständler geht insgesamt mit schönen Erinnerungen. Er erzählt, dass einmal nach einem Konzert die Wiener Sängerknaben ins Museum gekommen sind. Auf seinen Wunsch haben sie ein Lied angestimmt. „Das Ständchen gab es für mich allein“, erzählt er schmunzelnd.

Martin Schmager hatte Triebfahrzeugschlosser gelernt und sich zum Lokführer qualifiziert

Schmager hatte Triebfahrzeugschlosser gelernt und sich zum Lokführer qualifiziert. Aus einem Maschinenbaustudium wurde dann nichts, weil er aus religiösen und politischen Gründen den Armeedienst mit der Waffe in der Hand verweigerte und Spatensoldat wurde. Seine Weigerung hatte auch etwas mit seinem Freundeskreis zu tun. Mit dem war er in den Ferien oft mit Theaterstücken in Kirchen in Thüringen und dem Erzgebirge unterwegs. „Unpolitisch ist es da nie zugegangen.“

Im DDR-Kulturbund mischte er als Heimatgeschichtler mit und als es Sanierungsarbeiten an der Marienkirche gab, ließ er sich bis hin zu den Steinmetzarbeiten alles erklären. Als er dann vor 30 Jahren einen Aushang im Fenster des Heinrich-Schütz-Hauses sah, mit dem ein Hausmeister gesucht wurde, griff er zu. Das war mit nicht geringen finanziellen Einbußen verbunden, doch da nun sein Schichtdienst wegfiel, blieb mehr Zeit für die Familie mit zwei Kindern.

Mit dem Abschluss in der Tasche gab es den Wechsel als wissenschaftlicher Mitarbeiter ins damalige Schuhmuseum

Da er als Hausmeister allerdings nicht ausgelastet war, wurde er in die Vorbereitung von Sonderausstellungen ebenso einbezogen wie als Führungskraft. Außerdem absolvierte er ein Studium an der Fachschule für Museologie in Leipzig. Mit dem Abschluss in der Tasche gab es den Wechsel als wissenschaftlicher Mitarbeiter ins damalige Schuhmuseum, dessen Leiter seinerzeit Ingo Bach war. Fortan wurde mehr Wert auf die völkerkundliche Schuhsammlung gelegt, die mit Gerlinde Koch entwickelt wurde. Eine große Baustelle war die Fürstengruft, in der die wertvollen Särge von Chaoten bei der Suche nach möglichen Schätzen vielfach zerstört worden sind. Immer wieder gab es auch Sonderausstellungen, die Sammler angeboten hatten oder die selbst entwickelt wurden.

Nach zwei Museumsleiterinnen übernahm Martin Schmager 2003 das Amt. In die Folgezeit fiel die Sonderschau „Das Land der Palme“, in der die sogenannte Sekundogenitur Sachsen-Weißenfels im Mittelpunkt stand. Mit Blick auf diese Schau gab es umfangreiche Baumaßnahmen im Westflügel, der bis hin zum ehemaligen Thronsaal zur Hälfte saniert wurde. Dieser und weitere Räume beherbergen nun die Ausstellung jener Blütezeit der Saalestadt zwischen 1657 und 1746, die sich noch immer im Stadtbild widerspiegelt. Auch die ersten Herzogsbilder fanden dabei als Leihgabe aus Potsdamer Depots den Weg nach Weißenfels.

Was sich Martin Schmager künftig wieder wünscht

Verzögert hat sich derzeit die Sanierung des zweiten Westflügelteils. Die Ursache dafür sind statische Sicherungsarbeiten. Der Umzug der Schuhsammlung soll 2019 erfolgen. Ob der Termin zu halten ist? Schmager will da nicht den Propheten spielen. Er sagt: „Das Drehbuch für die Schau liegt vor, alles andere liegt in den Händen der Stadt.“ Einhergehen soll damit die Nutzung der frei werdenden Räume für die städtische Geschichte.

Was sich Martin Schmager künftig wieder wünscht, ist eine jährliche Summe für den Ankauf von Objekten zur Vervollkommnung der Sammlungen. Auch personell arbeite man am Limit. Hat es nach seinem Wechsel Anfang der 1990er Jahre noch 14 Mitarbeiter gegeben, würden jetzt vier Kräfte in Teilzeit arbeiten und zwei Stellen gebe es für Aufsichts- und Führungspersonal. Tiefer dürfe es angesichts der bevorstehenden Vergrößerung der Ausstellungsfläche nicht gehen. „Sonst wird ein Arbeiten auch wegen der Wochenendöffnungszeiten fast unmöglich.“ (mz)