Sangerhausen

Sangerhausen: Samtpappel am Brandrain entdeckt

Sangerhausen/MZ/HNO. - Schulze hatte die am Straßenrand vom Brandrain stehende einzelne Pflanze schon länger im Visier. Seine Suche nach dem Namen des Gewächses blieb aber erfolglos. "Ich habe sie in keinem handelsüblichen Bestimmungsbuch gefunden", sagte er. "Meine Anfrage an das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz hatte aber Erfolg." Der Botaniker Armin Hoch konnte ihm helfen: "Es handelt sich um eine Samtpappel (Abutilon theophrasti), sie ist extrem selten bei uns und anders als die Ambrosia harmlos", sagte er. Sie gehöre nicht zu den aggressiven sogenannten Neophyten, den nicht heimischen ...

08.10.2012, 16:43

Schulze hatte die am Straßenrand vom Brandrain stehende einzelne Pflanze schon länger im Visier. Seine Suche nach dem Namen des Gewächses blieb aber erfolglos. "Ich habe sie in keinem handelsüblichen Bestimmungsbuch gefunden", sagte er. "Meine Anfrage an das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz hatte aber Erfolg." Der Botaniker Armin Hoch konnte ihm helfen: "Es handelt sich um eine Samtpappel (Abutilon theophrasti), sie ist extrem selten bei uns und anders als die Ambrosia harmlos", sagte er. Sie gehöre nicht zu den aggressiven sogenannten Neophyten, den nicht heimischen Pflanzen.

Wie sie an diesen Standort kam, konnte auch er nicht erklären. "Aus einer Pflanze kann man keinen Rückschluss ziehen", erklärte der Fachmann. "Vielleicht durch Vögel verschleppter Samen oder irgend eine südländische Pflanzenmischung, es ist hier alles möglich." Seiner Meinung nach könne das vermehrte Auftreten von Neophyten ein Fingerzeig auf das sich ändernde Klima sein. "Offensichtlich haben diese Pflanzen jetzt die Bedingungen, die sie benötigen", fügte er hinzu.

"Alle Neophytenstandorte werden in Karten eingetragen und so ihre Verbreitung dokumentiert. Mehr kann man da nicht machen." Der Neuzugang, auch unter den Namen China-Jute, Indischer Hanf oder Lindenblättrige Schönmalve bekannt, ist eine historische Heil- und Faserpflanze, die in Mittel- und Ostasien ihren Ursprung hat. Vereinzelte Nachweise in Deutschland gab es schon in früheren Jahrhunderten. Sie wird rund 1,50 Meter hoch, gedeiht unter anderem auf Schuttplätzen, in modernen Baulücken der Städte und auf Rübenäckern. Die samtigen Blätter vermitteln ein angenehmes Gefühl beim Berühren. Die Blütenfarbe ist gelb und die Fruchtstände sehen der einer Malve ähnlich. Die einjährige Pflanze kann sich nur durch Samen vermehren. Obwohl die von Winfried Schulze entdeckte Pflanze bereits Samen angesetzt hat, glaubt Armin Hoch nicht, dass diese auch ausreifen können. Schulze wird den Standort jedenfalls weiter beobachten und im Frühjahr kontrollieren, ob es an dieser Stelle "Nachwuchs" gibt.

Armin Hoch ist an Meldungen von Vorkommen der Samtpappel interessiert, Telefon 034651 / 29 88 90 .