Gedenken in Sangerhausen

Gedenken in Sangerhausen: Drei neue Stolpersteine werden verlegt

SANGERHAUSEN/MZ - In der Kreisstadt werden am 10. Oktober neue Stolpersteine zum Gedenken an Mitbürger verlegt, die in der Nazizeit verfolgt und ermordet wurden.

Von FRANK SCHEDWILL 14.09.2014, 11:30

In der Kreisstadt werden am 10. Oktober neue Stolpersteine zum Gedenken an Mitbürger verlegt, die in der Nazizeit verfolgt und ermordet wurden.

„Diesmal wird an drei Sangerhäuser erinnert, die aufgrund ihrer politischen Überzeugung Opfer des Nationalsozialismus wurden“, sagt Peter Gerlinghoff, Sprecher der Initiative „Erinnern und Gedenken“, die das Projekt in Sangerhausen seit Jahren federführend betreut.

Initiator kommt aus Köln

Die Gedenksteine werden vom Kölner Künstler Gunther Demnig in das Straßenpflaster gesetzt. Demnig hatte das mittlerweile europaweite Stolpersteinprojekt initiiert. Der Künstler kommt zum zweiten Mal nach Sangerhausen.

Die Aktion beginnt 12.30 Uhr in der Alten Magdeburger Straße 2. Dort befand sich der langjährige Wohnsitz von Franz Heymann. In seinem Haus war zugleich die erste Verteilungsstelle des Sangerhäuser Konsumvereins angesiedelt. Heymann, der SPD-Mitglied war, hat die Genossenschaft mit aufgebaut und war über viele Jahre ihr Geschäftsführer. Der Konsumverein wurde nach 1933 zwangsweise aufgelöst, die Leiter polizeilich überwacht. Heymann kam erst ins KZ Sachsenhausen. Im Januar 1945 wurde er bei eisiger Kälte im Güterwaggon mit vielen anderen Mithäftlingen nach Buchenwald verlegt. Auf dem Transport dorthin erkrankte er und starb 70-jährig im März 1945. Oberbürgermeister Ralf Poschmann (CDU) sowie Andreas Schmidt (SPD) und Horst Heymann, der Enkel von Franz Heymann, werden in der Magdeburger Straße sprechen.

Anschließend führt der Gedenkweg zur Marienanlage. In Sichtweite des antifaschistischen Mahnmals wird ein Gedenkstein für Paul Beck verlegt. Beck war Vorsitzender des KPD-Ortsvereins Sangerhausen. Er wurde 1933 im KZ Lichtenburg interniert, 1935 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt und an seinem 40. Geburtstag im Jahr 1940 im Zuchthaus Kassel-Wehlheiden ermordet. Der Wohnsitz von Paul Beck befand sich in der Hüttenstraße 97. Das Haus existiert aber nicht mehr. Die Laudatio auf Beck wird der ehemalige Bundestagabgeordnete Harald Koch (Linke) halten.

In unmittelbarer Nähe, in der Bahnhofstraße 21, befindet sich der letzte Wohnsitz von Walter Telemann. Als Gefreiter erlebte Telemann an der Ostfront schwere Kämpfe. Er wurde verwundet und fasste den Entschluss, die Waffe niederzulegen. Er wurde am 4. August 1944 standrechtlich hingerichtet. Holger Hüttel (Linke) spricht die Gedenkworte, der Sohn von Walter Telemann wird anwesend sein, sagte Gerlinghoff.

Symposium zum Widerstand

Außerdem findet am 10. Oktober ein „Franz-Heymann-Symposium“ im Neuen Rathaus statt. In der Veranstaltung, die 16 Uhr beginnt, werden die Lebensumstände der Menschen geschildert, die in Sangerhausen Widerstand gegen die Nazis leisteten, so Gerlinghoff. Es gibt Vorträge unter anderem zu sozialen Bewegungen in Sangerhausen, zum Antagonismus der Linksparteien in der Weimarer Republik und zum sozialdemokratischen und kommunistischen Widerstand in der Region. Moderiert wird das Symposium von der SPD-Landtagsabgeordneten Nadine Hampel. Der Eintritt ist frei.