Unzumutbare Umleitung wegen Brückensperrung

Unzumutbare Umleitung wegen Brückensperrung: Kann ein Panzer für Brückenschlag sorgen?

Querfurt - Kann mit Hilfe der Bundeswehr das Umleitungsproblem zwischen Ziegelroda und Querfurt gelöst werden? Oberstleutnant erklärt, inwieweit das möglich wäre.

Von Anke Losack

Auf einem Acker rauscht ein Panzer mit Brückenteilen heran. An einem breiten Graben macht er halt. Die Brückenelemente werden langsam ausgefahren, über die Geländemulde geschoben und setzen auf der anderen Seite auf. „Liegt die Brücke, macht der Fahrer der nachrückenden Truppe Platz“, heißt es im Video der Bundeswehr, das den Einsatz des Brückenlegepanzers Biber zeigt.

Mit der Panzerschnellbrücke lassen sich Geländeeinschnitte, Schluchten oder Gewässer bis zu 20 Metern Breite überwinden. Könnte sie eingesetzt werden, um lange Umleitungen während der Bauarbeiten auf der L 172 zwischen Querfurt und Ziegelroda zu vermeiden? Ab Sommer dieses Jahres soll bei Leimbach eine Brücke erneuert werden. Die Baumaßnahme dauert mehrere Monate und erfolgt unter Vollsperrung der Straße, die die direkte Verbindung zwischen Ziegelroda und Querfurt ist.

Bürger halten die vorgesehenen Umleitungen für unzumutbar

Bürger halten die vorgesehenen Umleitungen von der Länge und für die Dauer von mehr als einem halben Jahr für unzumutbar. Eine Bürgerinitiative kämpft darum, dass eine andere, kürzere Lösung für die Umleitung gefunden wird. Dazu hat sich auch Querfurts Bürgermeister Andreas Nette (parteilos) eingeschaltet und der Landesstraßenbaubehörde (LSBB) Vorschläge unterbreitet.

Wenn auf der L 172 die Brücke bei Leimbach erneuert und die Straße vollgesperrt wird, dann wird die direkte Verbindung zwischen Ziegelroda und Querfurt gekappt. Umleitungen über Allstedt oder Roßleben und Nebra müssten dann gefahren werden. Um beispielsweise von Ziegelroda nach Querfurt zu kommen, würde das jeweils einen Umweg von rund 20 Kilometern bedeuten. 

Einer ist, prüfen zu lassen, ob die Bundeswehr eine Schnellbrücke errichten könnte. Bei der LSBB hält man sich auf Anfrage dazu derzeit bedeckt, verweist auf ein Treffen mit dem Bürgermeister Anfang April. Was sagt die Bundeswehr zu Nettes Vorschlag?

Bundeswehr: „Grundsätzlich hätten wir so ein Brückenteil“

„Grundsätzlich hätten wir so ein Brückenteil“, erklärt Thomas Poloczek, Oberstleutnant und Leiter der Informationsarbeit beim Landeskommando Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Beim Pionierbataillon in Havelberg im Landkreis Stendal sind diese Panzer vom Typ Biber - 11,79 Meter lang, 3,55 Meter hoch, 4,5 Tonnen schwer, Leistung 830 PS - stationiert. Einen solchen Brückenlegepanzer nach Querfurt zu bringen, wäre auch kein Problem. „Wir würden den Panzer wahrscheinlich auf einem Schwerlasttransport der Bundeswehr transportieren“, so Poloczek.

Doch ist ein Einsatz des Brückenlegepanzers im zivilen Bereich überhaupt möglich? Wie der Oberstleutnant erklärt, würde es sich im Querfurter Fall um eine technisch-logistische Amtshilfe handeln. Dafür müsste bei der Bundeswehr zunächst ein Antrag von Stadt, Kreis oder Land gestellt werden. Das mache jedoch erst Sinn, so Poloczek, wenn der Antragsteller vorher alle Ressourcen ausgeschöpft hat.

Arge Bedenken hinsichtlich Wartung, Versicherung und Instandhaltung

Der Antrag würde von der Bundeswehr bearbeitet, eine entsprechende Stellungnahme erstellt und vom Kommando für Territoriale Aufgaben in Berlin beschieden werden. Ein Antrag auf Amtshilfe für den Bereich Querfurt liegt bislang nicht vor, so der Leiter der Informationsarbeit.

Obwohl die Bereitstellung des Brückenlegepanzers technisch möglich wäre, meldet Poloczek arge Bedenken etwa hinsichtlich Verkehrssicherheit, Wartung, Versicherung und Instandhaltung an. Auch die Frage, ob die Truppe eine Brücke für mindestens ein halbes Jahr entbehren kann, müsse geklärt werden, so der Oberstleutnant.

Bundeswehr: Besondere Zweifel an der Herstellung der Verkehrssicherheit

Besondere Zweifel hat er an der Herstellung der Verkehrssicherheit. „Die Panzerbesatzung würde die Brücke an der entsprechenden Stelle hinlegen und an die Kommune übergeben“, erklärt Poloczek. Den öffentlichen Straßenverkehr über die Brücke zu führen und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, dafür sei die Bundeswehr dann allerdings nicht mehr verantwortlich, fügt er an.

Die vier Meter breite Brücke hat beispielsweise keine Geländer oder Schutzplanken. „Es geht dann auch um die Frage, wer haftet, wenn etwas passiert“, sagt der Oberstleutnant und sieht die Gewährleistung der Verkehrssicherheit als Problem . „Ich glaube, das ist der Hemmschuh.“ (mz)