Bürger begehren auf

Bürger begehren auf: Vollsperrung einer Brücke sorgt für Ärger

Ziegelroda - In dem Querfurter Ortsteil Ziegelroda werden Unterschriften gegen die mehrere Monate dauernde Brückensperrung bei Leimbach gesammelt.

Von Anke Losack 20.02.2019, 11:30

Ein Thema treibt Einwohner von Ziegelroda derzeit besonders um: Auf der Landesstraße 172 soll ab Mai bis voraussichtlich Ende dieses Jahres die Brücke bei Leimbach wegen der Errichtung eines Neubaus voll gesperrt werden. Damit wird der kürzeste Verbindungsweg zwischen Ziegelroda und Querfurt gekappt. Lange Umleitungsstrecken, zum Beispiel über Allstedt oder Roßleben und Nebra, müssten dann für mehrere Monate gefahren werden. „Das ist heftig“, meint die Ziegelrodaerin Frau Liebau, die in Querfurt arbeitet. Sie und viele andere halten es für unzumutbar.

Wenn Einwohner von Ziegelroda mit dem Auto die Umleitung über Allstedt nach Querfurt nehmen würden, würde das für sie ungefähr die dreifache Streckenlänge im Vergleich zur direkten Verbindung Ziegelroda-Querfurt bedeuten, sagt Horst Bernhardt, Ortsbürgermeister von Ziegelroda. Gleich nachdem er vor ein paar Tagen die offizielle Mitteilung über den geplanten Start der Baumaßnahme bekommen hat, berief er den Ortschaftsrat zu einer Sitzung ein. Die fand am Montagabend statt. Ergebnis: Es werden Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Vollsperrung der L 172 bei Leimbach gesammelt.

Bürger protestieren in Ziegelroda: „Wir benötigen einen direkten Zugang nach Querfurt“

„Wir benötigen einen direkten Zugang nach Querfurt, da sich fast alle Versorgungs-, Dienstleistungs- und Arbeitsbereiche im Einzugsgebiet von Querfurt und seiner Umgebung befinden“, heißt es auf den Unterschriftenlisten, die am Montag an Ortschaftsräte und Gäste verteilt wurden, damit sie bei Gewerbetreibenden, bei der Feuerwehr, in der Kita oder bei der Kirchengemeinde ausgelegt werden können. „Ich nehme mir zwei Tage Urlaub und gehe auch durch die Straßen, um Unterschriften zu sammeln“, so Bernhardt, der Geschäftsführer eines freien Trägers der Kinderbetreuung ist.

Bis Anfang kommender Woche soll die Aktion laufen. Dann will der Ortsbürgermeister die Unterschriften mit einem ausführlichen Anschreiben, das die Problematik der Ziegelrodaer darlegt, an die zuständige Landesstraßenbaubehörde (LSBB) in Halle schicken. „Wir dürfen keine Zeit verlieren“, meint Horst Bernhardt.

Bürgermeister von Querfurt hat sich bereits mit einem Schreiben an die Behörde gewandt

Er habe die mündliche Information, dass für Schulbusse und Rettungsfahrzeuge der Weg von Oberschmon durch die Siedlung Hermannseck hergerichtet werden soll. Dass dieser Weg dann auch für Pendler und Gewerbetreibende freigegeben wird, ist unwahrscheinlich. „Eine Ersatzbrücke wäre die Ideallösung“, meint Ortschaftsratsmitglied Annett Schmidt. Und genau diese Lösung will man mit den Unterschriftenlisten bei der LSBB anregen. Nach MZ-Informationen haben die Ziegelrodaer dabei Unterstützung von Querfurts Bürgermeister Andreas Nette (parteilos). Er hat sich bereits mit einem Schreiben an die Behörde gewandt.

Ziegelrodaer sehen durch die Vollsperrung der Brücke und die lange Umleitung mehrere Probleme auf sich zukommen. So gehe es beispielsweise auch um Unternehmen, die nach Ziegelroda rein wollen, etwa Pflegedienste oder Essensversorger, sagt Horst Bernhardt. Dass sich die längeren Anfahrtswege auf Preise von Dienstleistern auswirken könnten, wird befürchtet. Ziegelrodaer sehen die Sperrung jedoch nicht nur als ihr Problem. Viele Pendler und Gewerbetreibende aus dem Umland würden die L 172 nutzen. (mz)