Inventur auf 180 Hektar

Inventur auf 180 Hektar : Stadterweiterung aus der Gründerzeit kommt unter die Lupe

Quedlinburg - Quedlinburg will Rahmenplan fortschreiben. Warum das erfolgt und was jetzt passiert.

Von Petra Korn

Das Vorhaben klingt etwas sperrig: Die Stadt Quedlinburg schreibt ihren Städtebaulichen Rahmenplan für das Sanierungsgebiet fort. Seit den 1990er Jahren hat Quedlinburg ein förmlich festgelegtes Sanierungsgebiet, erklärt Thomas Malnati, Fachbereichsleiter Bauen. In diesem konnte mit Hilfe von Fördergeld viel saniert, um- und neu gestaltet werden. „Es ist aber noch vieles zu tun“, sagt der Fachbereichsleiter.

Eine umfassende Analyse ist notwendig

Um hier weitermachen, die Ende 2021 auslaufende Sanierungssatzung verlängern zu können - worüber der Stadtrat entscheide -, sei jetzt begonnen worden, den Städtebaulichen Rahmenplan zu überarbeiten. Der Plan soll auf Basis einer umfassenden Analyse Sanierungsziele abstecken und Perspektiven aufzeigen. Mit der Überarbeitung beauftragt wurde das Büro „Octagon Architekturkollektiv“ aus Leipzig.

Aktuell geht es dabei erst einmal um die Erfassung, eine Bestandsaufnahme in dem rund 180 Hektar großen Sanierungsgebiet. Das ist nicht nur eines der größten deutschlandweit „mit einer extremen Dichte von Gebäuden“ - rund 3.000 -, sagt Stadtplanerin Sophia Dombrowski. Es hat mit dem dazu gehörenden rund 100 Hektar großen Welterbegebiet auch eine herausragende Besonderheit.

Was ist außerhalb der Stadtmauern los: „Das ist das, was wir uns jetzt anschauen“

Zum Sanierungsgebiet gehört neben dem Welterbegebiet die Stadterweiterung aus der Gründerzeit. Und während das Welterbe im Zuge der Erarbeitung des Welterbemanagementplanes schon komplett erfasst wurde, ist das für den Bereich außerhalb der Stadtmauern so noch nicht erfolgt. „Das ist das, was wir uns jetzt anschauen“, erklärt Sophia Dombrowski. Da geht es um die Situation insgesamt, um Fußwege, Straßen, Plätze und deren Zustand, aber auch um Gebäude, deren Substanz, Nutzung oder Denkmalstatus. Das alles soll erfasst und auch in digitale Bestände eingepflegt werden; letzteres erfolgt mit der Überarbeitung auch für das Welterbegebiet.

„Was ist der Status quo, was haben wir erreicht, was müssen wir noch erreichen, was nehmen wir als neue Ziele hinzu“

Für das gesamte Sanierungsgebiet wird geprüft, „was ist der Status quo, was haben wir erreicht, was müssen wir noch erreichen, was nehmen wir als neue Ziele hinzu“, erklärt die Stadtplanerin. Das könnten beispielsweise Maßnahmen zur Verkehrslenkung oder -befreiung sein. Ein wichtiges Thema sieht Thomas Malnati auch in der Barrierefreiheit - oder im Stadtgrün vor dem Hintergrund der veränderten klimatischen Bedingungen.

„Wir werden mit der Denkmalpflege diskutieren müssen, ob es an der einen oder anderen Stelle doch die Möglichkeit gibt, Grün in den historischen Bereich hineinzubringen.“ Hervorragende touristischen Stadt zu sein und zugleich moderner Lebensraum für Bewohner sei Ziel im Sanierungsgebiet und bedeute „viele maßgeschneiderte Einzelmaßnahmen“, sagt Sophia Dombrowski.

Gestartet wird jetzt auch eine erste Bürgerbeteiligung im Rahmen der Planfortschreibung: über eine Postkarte, die dem Amtsblatt beigelegt ist, auf der Fragen gestellt werden, aber auch Platz für Wünsche und Anregungen ist. „Wir sehen die Einwohner als ganz hohes Gut der Informationsquelle“, so die Stadtplanerin.

Postkarten sollen auch bei der Stadt ausgelegt, die Aktion auf der Internetseite publiziert werden. Erarbeitet werden sollen dann Pläne zu Verkehrs- und Nutzungsstrukturkonzept und ein Maßnahmenkatalog. „Das wollen wir im zweiten Quartal kommenden Jahres präsentieren“, sagt Sophia Dombrowski. Dann solle auch eine zweite Bürgerbeteiligung erfolgen. (mz)