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Denkmal in Falkenstein wird gerettet Förderverein plant Neustart für vergessenes Gleimhaus in Falkenstein

Der Dichter Gleim wurde 1719 in Ermsleben geboren, doch sein Elternhaus ist in Vergessenheit geraten. Ein Verein will das seit Jahren leerstehende Gebäude sanieren und bis 2029, zum 310. Geburtstag Gleims, als Begegnungsstätte wiederbeleben.

Von Rita Kunze 26.02.2026, 08:00
Der berühmte Freundschaftstempel im Gleimhaus Halberstadt. Der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim hat die Porträtsammlung angelegt. Geboren wurde er 1719  in Ermsleben.
Der berühmte Freundschaftstempel im Gleimhaus Halberstadt. Der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim hat die Porträtsammlung angelegt. Geboren wurde er 1719 in Ermsleben. Foto: dpa

Ermsleben/MZ. - Das Gleimhaus in Halberstadt ist berühmt für seinen Freundschaftstempel, die große Porträtsammlung, die Johann Wilhelm Ludwig Gleim in seinem Haus am Domplatz angelegt hat. Geboren und aufgewachsen ist der Dichter der deutschen Aufklärung im rund 40 Kilometer entfernten Ermsleben. Allerdings ist sein Elternhaus ein wenig in Vergessenheit geraten. „Wir wollen, dass es einfach wieder für die Region wichtig wird, weil Gleim 1719 hier geboren wurde“, sagt Ortsbürgermeisterin Kristin Eichmann-Rank.

Verbindung Ermsleben - Halberstadt: Förderverein sucht Kontakt zum Gleimhaus

Im Jahr 2019 sei dort auch des 300. Geburtstags des Dichters gedacht worden, „und in Vorbereitung auf den 310. Geburtstag im Jahr 2029 würden wir dieses Gleimhaus gerne wieder aktivieren und ein kleines Fest feiern wollen. So dass auch die Schule und die Bürger das Haus wieder nutzen können.“ Dafür will sich der noch recht junge Förderverein Stadtschloss Ermsleben starkmachen. Der Förderverein hat Kontakt zum Gleimhaus in Halberstadt geknüpft. „Er soll wieder aufgebaut werden“, so Kristin Eichmann-Rank, „das ist ein bisschen eingeschlafen über die letzten Jahre.“

Das Gleimhaus in Ermsleben steht leer. Ein Förderverein will es wiederbeleben und zu einer Begegnungsstätte machen.
Das Gleimhaus in Ermsleben steht leer. Ein Förderverein will es wiederbeleben und zu einer Begegnungsstätte machen.
Kunze

Allerdings gibt es eine - schon lange bestehende - Verbindung des Gleimhauses in Halberstadt nach Ermsleben: Grund- und Sekundarschule tragen den Namen des Dichters, und die Fünftklässler besuchen jedes Jahr das Literaturmuseum, um dort etwas über den Namensgeber ihrer Schule zu erfahren und in seine Lebenswelt im 18. Jahrhundert einzutauchen.

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Das Gleimhaus in Ermsleben wurde vor mehr als 25 Jahren mit viel Fördergeld saniert, erinnert sich die Ortsbürgermeisterin, doch mittlerweile ist eine erneute Sanierung dringend nötig. Das Gebäude, 1720 gebaut, steht seit Jahren leer, sei feucht, brauche eine neue Heizung, neue Toiletten, soll eine Küche bekommen. „Das gesamte Haus soll wieder nutzbar gemacht werden.“

Johann Wilhelm Ludwig Gleim, gemalt von Johann Heinrich Tischbein.
Johann Wilhelm Ludwig Gleim, gemalt von Johann Heinrich Tischbein.
Foto: Gleimhaus

Lesungen, die es dort früher gab, könnten wieder stattfinden, Vereinstreffen, die Schule könnte es nutzen. „Die Idee ist vielleicht auch da, dass wir dort die Bibliothek unterbringen, und eventuell ein behindertengerechtes Ausweich-Trauzimmer zu schaffen. Weiter muss man sagen, dass das Gleimhaus eigentlich auch ein Museum ist. Da sind ganz viele Sachen von der Geschichte der Stadt Ermsleben drin, das soll auch wieder Museumscharakter bekommen.“

Förderverein und Stadt Falkenstein wollen Gleimhaus gemeinsam wiederbeleben

Die Wiederbelebung des Gleimhauses wollen Förderverein und Stadt gemeinsam angehen und dafür eine Vereinbarung treffen. Das nötige Geld fließt aus dem Leader-Förderprogramm. „Die Stadt trägt immerhin die Eigenmittel von 20 Prozent bei einer Fördersumme von 250.000 Euro“, betont die Ortsbürgermeisterin. Das Haus gehört weiterhin der Stadt, der Verein führt die Maßnahmen durch, holt Kostenangebote ein. Die Entscheidungen würden gemeinsam mit der Stadt getroffen.

Ursprünglich hatte sich der Förderverein gegründet, um das Stadtschloss in Ermsleben vor dem weiteren Verfall zu retten. Doch diese Aufgabe war zu groß, gesteht Kristin Eichmann-Rank: „Weil die investiven Maßnahmen zu hoch sind. Das kann der Verein nicht stemmen, und die Stadt kann sich des Objekts auch nicht annehmen - die Investition ist viel zu hoch. Deswegen hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben, sich um andere Objekte im Ort zu kümmern.“ Das Gleimhaus in der Siederstraße ist das erste, das von dieser Idee profitiert.