Fachwerkdenkmal in der Welterbestadt

Fachwerkdenkmal in der Welterbestadt Quedlinburg: Rettung für Schuhof 2

Quedlinburg - Mit der „qbatur Planungsgenossenschaft“ hat das Haus Schuhhof 2 einen neuen Eigentümer. Was jetzt passiert und noch geplant ist.

Von Petra Korn 21.03.2017, 11:55

Einst als Doppelgebäude errichtet, ist ein Teil längst saniert: Im Haus Schuhhof 1 in Quedlinburg befindet sich heute unter anderem ein Antiquariat.

Das ebenfalls denkmalgeschützte Haus Schuhhof 2 weist dagegen enorme Schäden auf: bröckelnder Putz, kaputte Gefache wie Hölzer, Tür- und Fensteröffnungen hinter sichernden Platten verschwunden.

Doch jetzt ist ein Gerüst aufgestellt, haben Entkernungsarbeiten begonnen. Die qbatur Planungsgenossenschaft will hier als Eigentümerin und Bauherrin in einem ersten Schritt die Gebäudehülle sanieren.

Haus ist vor 377 erbaut worden

Errichtet wurde das Doppelhaus im Auftrag der Schuhmachergilde um 1640; es gehört zur kleinteiligen Hinterhofbebauung des Gildehauses Breite Straße 51/52. Das Haus Schuhhof 2 war seit mindestens 25 Jahren ungenutzt, sagt Rudolph Koehler, Architekt und einer der beiden Geschäftsführer der „qbatur Planungsgenossenschaft“.

Eine jahrzehntelange Erbauseinandersetzung habe eine Sanierung blockiert. Die Erbfrage habe im vergangenen Jahr geklärt, die „qbatur Planungsgenossenschaft“ danach das Haus erwerben können.

„Es ist ein sehr schönes Haus“, sagt Rudolph Koehler. Er verweist auf einen reichen Schmuck mit Pyramidenbalkenköpfen, Taustäben und Schiffskehlen im Fachwerk.

Renommierter Zimmerer war Erbauer

Errichtet wurde das Haus durch Gabriel Goldfuß. „Das war ein sehr renommierter Zimmerer“, sagt der Architekt und deutet auf Goldfuß’ Namen in der Inschrift der Stockschwelle. „Diese ist besonders schön, weil sie noch im Original erhalten ist.“

Die Inschrift beginne am Haus Schuhhof 1 und setzt sich am Haus Nummer 2 fort.

Jene ursprüngliche Einheit soll auch wieder herausgearbeitet werden: „Wir werden zwar im Inneren eine Brandschutzwand errichten, aber von außen das Durchgängige wiederherstellen“, erklärt Koehler.

Die ganze Bandbreite von Schäden

Derzeit ist das Haus „in einem sehr, sehr schadhaften Zustand“, sagt der Architekt und erläutert: „Die Hölzer sind teilweise zerstört. Wir haben die ganze Bandbreite vom tierischen bis zum Pilzbefall.“

Große Schäden weisen auch die Gefache auf - ursprünglich Lehmflechtwerk, das bei früheren Reparaturen teilweise durch inzwischen ebenfalls kaputtes Ziegelfachwerk ersetzt wurde.

„Es ist ein Haus, das - wenn es nicht im Weltkulturerbe stehen würde - stark abrissgefährdet wäre.“

Rohbau wird zuerst gesichert

So geht es zunächst um eine Rohbausicherung, die in Zusammenarbeit mit der Stadt Quedlinburg und der Baubecon, dem Sanierungsträger der Stadt, erfolgt. Die „qbatur Planungsgenossenschaft“ investiert dafür rund 50.000 Euro.

Die Arbeiten werden durch Fördermittel aus dem Programm städtebaulicher Denkmalschutz unterstützt. Sie sollen bis August abgeschlossen werden.

In einem zweiten Schritt sollen der weitere Ausbau und ein kleiner Anbau in der Gebäudelücke erfolgen, steckt Rudolph Koehler die Ziele ab.

In allen Bereichen muss entkernt werden

Für die Rohbausicherung muss das Haus „in allen Reparaturbereichen entkernt werden“, sagt der Architekt. Das heißt: Das Fachwerkhaus muss abgestützt, das Dach - derzeit eingedeckt mit DDR-Betondachsteinen - abgenommen werden.

Das gesamte Haus soll zimmermannsmäßig durchrepariert, Hölzer sollen - wo erforderlich - ergänzt oder nachgeschnitzt werden. Das Dach soll dann neu eingedeckt, die Gefache sollen neu ausgemauert und verputzt werden.

„Dabei versuchen wir, wenigstens eins, zwei, drei der ursprünglichen Gefache zu erhalten als Nachweis, dass es ein Lehmflechtwerk war.“

Das gelinge in der Regel auch, so der Architekt. „Für die Arbeiten haben wir regionale Handwerksfirmen gewinnen können, die viel Erfahrung haben.“

Touristische Nutzung ist der Wunsch

Mit den jetzt geplanten Arbeiten sei die Sicherung erst einmal abgeschlossen. „Fenster und Türen gehören nicht dazu“, sagt Köhler. Die sollen in der zweiten Phase folgen.

Für das Haus wünsche sich die Planungsgenossenschaft eine touristische Nutzung „in Richtung Gastronomie, ein kleines Café oder Bistro, um den Schuhhof - eine Perle im Welterbe - etwas zu beleben“, sagt Koehler.

„Es gibt durchaus interessierte Quedlinburger, die uns schon angesprochen haben. Wir gucken da ganz in Ruhe.“

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Die Häuser im Schuhhof Quedlinburg sind eine Hinterhofbebauung des Hauses der Schuhmacher-Gilde Breite Straße, die durch einen Durchgang mitten im Gildehaus zu erreichen war. Im Haus Schuhhof 1/2 gibt es eine durchgehende Inschrift in der Stockschwelle, sagt Architekt Rudolph Koehler und verweist auf die Forschungen von Karlheinz Wauer, der sich intensiv mit der Geschichte der Häuser in Quedlinburg - sowohl der baulichen als auch der Reihenfolge der Besitzer - befasst hat. Danach werden in der Inschrift die Namen der Vorstände sowie des Bauherrn der Gilde benannt sowie Gabriel Goldfuß als Zimmermann. Goldfuß war übrigens 1848 durch den Quedlinburger Rat als Ratszimmermeister verpflichtet worden. Laut Karlheinz Wauer waren die Häuser Schuhhof 1/2 Mietshäuser, in denen invalide Schuhmacher oder Witwen der Schuhmacher unentgeltlich bis an ihr Lebensende wohnen konnten. Im Haus Schuhhof 2 habe 1878 ein Dienstmann gewohnt, um 1910 der Milchhändler Rümecke, danach dessen Witwe und 1950 ein Kraftfahrer. (mz)