Deutschland, Österreich, Schweiz

Deutschland, Österreich, Schweiz: Schmalspurbahner tauschen Erfahrungen aus

Quedlinburg - 31 Bahnunternehmen aus ganz Deutschland hatten ihre Abgesandten geschickt, mit der schweizerischen Brienz-Rothorn-Bahn und der Tiroler Achenseebahn in Österreich wurde das Treffen international.

Von Katrin Schröder 06.05.2019, 09:58

Schnell ein Foto vor dem Triebwagen am Bahnsteig in Quedlinburg, dann alle einsteigen, und los geht die Fahrt in Richtung Selketal: Viel Zeit für Pausen haben die Gäste der Harzer Schmalspuren GmbH (HSB) nicht. Schließlich wollen und sollen sie bei ihrem viertägigen Besuch im Harz möglichst viel sehen und erleben. 31 Vertreter von Schmalspurbahnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind von Donnerstag bis Sonntag auf Einladung der HSB in der Region unterwegs gewesen.

Schmalspurbahner treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch

Die Schmalspurbahner treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. Die Orte wechseln – jeder spielt einmal den Gastgeber und zeigt den anderen sein Unternehmen. Im Harz war die Gruppe zuletzt 2008 zu Gast, berichtet HSB-Sprecher Dirk Bahnsen – nach elf Jahren war es demnach wieder Zeit für einen Besuch.

Die Tour der Bahnexperten begann am Donnerstag in Nordhausen mit einer Fahrt mit der historischen Straßenbahn zur Nordhäuser Traditionsbrennerei. Dort tagten die Teilnehmer am Freitag. „Wir tauschen uns zu vielen verschiedenen Themen aus – von den Vorschriften bis zur Technik“, erklärt Bahnsen.

Gemeinsam haben die Fachleute bereits Regelwerke erarbeitet und Broschüren herausgebracht. „Wir versuchen, so viele Synergieeffekte wie möglich zu nutzen – zum Beispiel auch bei der Technikbeschaffung“, so Bahnsen.

Experten wollen Synergieeffekte nutzen, zum Beispiel bei der Beschaffung von Technik

Im Anschluss an die Konferenz ging es nach Wernigerode, wo sich die Gäste nach der Besichtigung des Stellwerks mit der Brockenbahn auf den höchsten Harzgipfel aufmachten, um dort das Musical „Faust“ zu sehen. Am Sonnabend stand ein Besuch im Bahnbetriebswerk in Wernigerode auf dem Programm, bevor es mit dem Bus nach Quedlinburg ging.

Hier stieg die Gruppe unter Leitung von HSB-Betriebsleiter Jörg Bauer in einen Triebwagen der HSB in Richtung Harzgerode um und erkundete das gesamte Selketal mit Halt in Harzgerode, Hasselfelde und Stiege.

31 Bahnunternehmen aus ganz Deutschland hatten ihre Abgesandten geschickt – vom „Rasenden Roland“, der Kleinbahn auf der Ostseeinsel Rügen, über die Mecklenburgische Bäderbahn Molli bis hin zur Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft, der Zittauer Schmalspurbahn und der oberschwäbischen Öchsle Museumsschmalspurbahn.

Mit der schweizerischen Brienz-Rothorn-Bahn und der Tiroler Achenseebahn in Österreich wurde das Treffen international. „Man glaubt gar nicht, wo es überall Schmalspurbahnen gibt“, sagt Dirk Bahnsen.

Ein Vertreter der Chiemsee-Bahn aus der Schweiz war erstmals mit dabei

Einige der Bahnexperten waren zum ersten Mal im Harz – zum Beispiel Michael Feßler von der Chiemsee-Bahn. Seit 1887 sind auf der nur 1,9 Kilometer langen Strecke in Bayern Dampfloks unterwegs – damit blickt das Unternehmen, das zur Chiemsee-Schifffahrt gehört, auf eine fast ebenso lange Geschichte zurück wie die Schmalspurbahn im Harz. Fachlich war das Treffen sehr intensiv, urteilt er: „Wir tauschen uns zu sehr vielen Themen aus.“

Das bestätigt Corinna Habben, bei der Borkumer Kleinbahn für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Es ist ein sehr spezieller Markt mit sehr speziellen Anforderungen.“ Wie die HSB haben die anderen Unternehmen mit Personalsorgen zu kämpfen – Mitarbeiter werden überall händeringend gesucht.

Die Schmalspurbahn auf der Nordseeinsel  Borkum befördert pro Jahr eine Million Fahrgäste

Die Schmalspurbahn auf der Nordseeinsel bringt es auf sieben Kilometer Strecke – kein Vergleich mit den rund 140 Kilometer umfassenden HSB-Streckennetz. An Fahrgästen herrscht aber auch auf Borkum kein Mangel „Wir befördern wir jährlich eine Million Fahrgäste“, betont Corinna Habben.

Auch die touristischen Reize der Region zünden bei den Bahnexperten. „Die Landschaft ist sehr schön“, sagt Michael Feßler, der erstmals den Harz besuchte – und vielleicht nicht zum letzten Mal. „Ich könnte mir vorstellen, noch einmal mit der Familie herzukommen.“ (mz)