„Mein Sport - meine Welt“ - heute: Judoka Kalle Richter aus Naumburg

Ziel ist nationaler Titel

Serie: Tageblatt/MZ stellt Athleten der Saale-Unstrut-Finne-Region vor.

Von Andreas Löffler 28.06.2021, 08:27
Kalle Richter startet für die SG Friesen 2005 Naumburg. Hier zeigt der 14-jährige Judoka einige seiner wichtigsten Trophäen: den Pokal vom Jenaer Sparkassen-Cup  und die Goldmedaille vom Berliner Wanderpokal-Turnier.
Kalle Richter startet für die SG Friesen 2005 Naumburg. Hier zeigt der 14-jährige Judoka einige seiner wichtigsten Trophäen: den Pokal vom Jenaer Sparkassen-Cup und die Goldmedaille vom Berliner Wanderpokal-Turnier. (Foto: Andreas Löffler)

Naumburg/Halle - Die Vielfalt der Sportarten in der Saale-Unstrut-Finne-Region ist groß - genauso wie das Engagement der Athleten, Übungsleiter und Funktionäre. Diese stellt Naumburger Tageblatt/MZ in der Serie „Mein Sport - meine Welt“ in loser Folge vor. Dazu füllen die Sportler einen Fragebogen aus.

Im 19. Teil - nach Turnerin Juliane Titus (SC Empor Laucha), Floorballer Hannes Kowalewicz (SV 1924 Nebra), Tischtennisspielerin Marie Vater (TV 1922 Saubach), Kletterer Tristan Runkewitz (SSV Eintracht Naumburg), Fußball-Torhüterin Stefanie Glaß (BSC 99 Laucha), Triathlet Jens Bauer aus Naumburg, Kegler Günter Noserke (SG ZW Karsdorf), Läufer Sven Meinhardt (SG Finne Billroda), Ruderin Claudia Baumgart (Naumburger RV Rot-Weiß), Bogenschütze Benny Hartig (SG Eintracht Großjena), „Ironman“ Andy Kranz (Naumburg), Fahrsportlerin Steffi Wittenbecher (RFV Dorndorf), Fußballer Horst Zich (SG Blau-Weiß Bad Kösen), Ringer Elias Bärnt (RKV Karsdorf), Kegler Achim Knöbel (KSV Lossa), Ju-Jutsuka Hannah Möttig (KSG „Tani Otoshi“ Naumburg), Tennisspieler Bernd Bösel aus Freyburg (Naumburger TC) und Kunstradsportlerin Romana Barthel (Naumburger SV 1951) dreht sich alles um Judoka Kalle Richter von der SG Friesen Naumburg.

Schon oft - wie hier in Halle - hat Kalle Richter zum großen Wurf ausgeholt. Auch weiterhin bleibt er  seinem Heimatverein SG Friesen Naumburg treu.
Schon oft - wie hier in Halle - hat Kalle Richter zum großen Wurf ausgeholt. Auch weiterhin bleibt er seinem Heimatverein SG Friesen Naumburg treu.
(Foto: Andreas Löffler)

Ganz richtig: „Kalle“, wie der berühmte Fußballer mit Nachnamen Rummenigge. Mit dem runden Leder hat der 14-jährige Kalle Richter aber eher weniger am Hut – mit dem Kampf auf der Tatami umso mehr. Bereits mit sechs Jahren hat der gebürtige Kieler, der noch im Vorschulalter mit seiner Familie in die Domstadt zog, bei den dortigen TV Friesen mit dem Judo angefangen. Nachdem er bei Sichtungsturnieren und Landesmeisterschaften auf sich aufmerksam gemacht hatte, wechselte Kalle Richter 2019 zur 7. Klasse an die hallesche Sportschule. Im dortigen Leistungsstützpunkt wird der jetzige Achtklässler, der später mit einer Berufsausbildung zum Lebensmitteltechniker liebäugelt, von Alexander Lenk trainiert. Der erfahrene Sportler, der mit dem SV Halle in der 2. Judo-Bundesliga aktiv war, bescheinigt seinem Schützling eine positive Entwicklung. „Er ist ein kerniger Kämpfertyp, der flink und wendig und auf jeden Fall ehrgeizig ist, dem es im Training freilich mitunter noch ein wenig an Fokussiertheit fehlt“, schätzt der Coach ein.

An der Sportschule in Halle wird Kalle Richter von Alexander Lenk (l.) trainiert.
An der Sportschule in Halle wird Kalle Richter von Alexander Lenk (l.) trainiert.
(Foto: Andreas Löffler)

Kalle Richter, der inzwischen den 1. und damit höchsten Kyu (Schülergrad) erreicht hat und demzufolge den braunen Gürtel trägt, setzt übrigens eine Familientradition fort. Schon seine gut zwei Jahre ältere Schwester Luci hatte die Sportschule in Halle besucht.

Darum liebe ich meinen Sport:

Ich liebe meinen Sport, weil er vielseitig ist. Es geht nicht nur um das athletische Training, sondern wir setzen uns auch mit den Traditionen und dem anspruchsvollen Regelwerk auseinander. Außerdem erlerne ich immer wieder neue Techniken, die ich dann im Wettkampf anwenden kann. Gut gefällt mir auch, dass wir Judoka respektvoll miteinander umgehen. Nicht zuletzt liebe ich den Sport auch wegen der Kämpfe und meiner Erfolge.

Diese Ausrüstung benötigt man/das reicht schon für Anfänger:

Man benötigt einen auf japanisch Judogi genannten und aus Hose und Jacke bestehenden Judoanzug mit Gürtel. Dann kann es eigentlich schon losgehen. Da wir die Matte barfuß betreten, empfehlen sich für die Wege zur oder von der Umkleidekabine auch ein Paar Sandaletten oder Badelatschen. Ich selbst habe immer noch ein paar Taschentücher in meiner Sporttasche, falls es mal Nasenbluten oder eine Wunde geben sollte, und außerdem Tape-Band zum Abkleben und Schutz meiner Finger.

Deshalb trete ich so gern für meinen Verein an:

Weil das Klima bei der SG Friesen Naumburg, für die ich trotz meines Wechsels an die hallesche Sportschule noch immer starte, einfach toll ist. Wenn ich am Wochenende nach Hause komme, gehen mein Papa Sven und ich am Freitagabend immer noch zum Vereinstraining. Da darf ich beim sogenannten Uhu-Training der über 35-Jährigen mitmachen, was immer sehr spaßig ist. Außerdem reden wir Vereinsmitglieder viel miteinander und tauschen uns über coole Wettkampferlebnisse oder gelungene Würfe aus.

Mein/e Lieblingsgegner ist/ sind:

Ich habe mehrere: Denis Liwocha ist mein Lieblingsgegner, weil ich ihn bei gleich mehreren Wettkämpfen mit ein und derselben Wurftechnik ausgetrickst habe. Mit Lars Hummel vom PSV Berlin, der ein starker Gegner ist und auf den ich in Wettkämpfen schon drei- oder viermal getroffen bin, habe ich mich seit unserem Duell beim AT-Cup in Leipzig sogar ein bisschen angefreundet. Und noch ein „Lieblingsgegner“ ist mein Trainingspartner Erik Heinemann in Halle.

Am meisten hat mich inspiriert/meine Vorbilder sind:

Da will ich das frühere deutsche Nationalmannschaftsmitglied Dimitri Peters nennen, der zweimal WM-Dritter wurde und 2012 Olympia-Bronze gewann. Seine Spezialität waren die Bodentechniken. Video-Clips davon schaue ich mir wieder und wieder auf YouTube an.

Das war meine bisherige sportliche Sternstunde:

Der Sieg in der Altersklasse U9 beim Sparkassen-Pokal in Jena im Jahr 2015 war mein erster größerer Erfolg, an den ich dort 2020 mit dem Sieg in der U15 anknüpfen konnte. Sehr stolz bin ich auch auf meine Goldmedaille beim Wanderpokal-Turnier des Judo-Clubs Berlin sowie auf meine inzwischen drei sachsen-anhaltischen Landesmeistertitel.

Das möchte ich in meinem Sport noch erreichen:

Mein Ziel ist, es mal bis zum Deutschen Meister zu bringen. Ich werde in diesem Jahr noch 15 Jahre alt und bin deswegen bereits in die U18 aufgerückt - im Judo die erste Altersklasse, in der auch nationale Titelkämpfe ausgetragen werden. Um mich für diese zu qualifizieren, müsste ich bei den Mitteldeutschen Meisterschaften unter den ersten Drei landen, was mir als machbar erscheint. Allerdings sind beide Wettkämpfe wegen Corona vom Frühjahr auf Ende September/Anfang Oktober verschoben worden.

Das gefällt mir nicht, das müsste sich in meiner Sportart/meinem Verband ändern:

Es müsste mehr Aufmerksamkeit und Förderung für den Sport Judo geben.

Vereins-Porträt:

Die SG Friesen Naumburg hat derzeit 262 Mitglieder in den Abteilungen Aikido, Judo, Jiu-Jitsu und Kickboxen, Kindertanz, Karate, Kinderturnen, Gymnastik, Fußball, Turnen sowie Volleyball. In den Zeiten der Corona-Pandemie hat der Verein, der im Jahr 2005 unter neuem Namen wiedergegründet wurde (vorher TV Friesen) rund 40 Mitglieder verloren. Zum Vorstand gehören der Vereinsvorsitzende Burkhard Jarzyna, dessen Stellvertreter Sven Heinisch und Schatzmeisterin Brita Ködderitzsch.

Gesucht wird aktuell eine Trainerin oder ein Trainer für die Kindertanzgruppe, die sich montags ab 16.30 Uhr in der Uta-Tunhalle trifft. Interessenten können sich bei Brita Ködderitzsch unter Telefon 0176/56820223 melden.