In eigener Sache Ja, die Paywall nervt - aber sie macht unabhängigen Journalismus für Naumburg und Umgebung möglich
Immer öfter werden ganze Artikel von Naumburger Tageblatt/MZ auf Facebook und Co. geteilt. Das bringt Probleme, denn Journalismus kostet Geld.

Naumburg - „Mama, guck mal, ich bin in der Zeitung!“ Natürlich freuen wir uns als Redaktion von Naumburger Tageblatt/MZ, wenn unsere Artikel gut ankommen. Wir berichten so viel über die Errungenschaften, das Engagement und die Kreativität der Menschen aus dem Burgenlandkreis – wenn unsere Berichte stolz machen und weitererzählt werden wollen, ist das für uns ein Kompliment.
Leider hat die Sache mit dem Weitererzählen nur einen Haken. Wenn Fotos von unseren kompletten Artikeln auf Facebook, WhatsApp oder Instagram landen, verdienen wir in diesem Moment nichts mehr mit unserem Artikel, was langfristig bedeutet: Uns geht das Geld aus, was in letzter Konsequenz nur dazu führen kann, dass Ihr von Ihnen ja offensichtlich geschätztes lokales Zeitungs- und Online-Medium eines Tages verschwindet – ist das echt gewollt?
Hinter einem Artikel stecken viele Gesichter
Wir sind eine kleine lokale Redaktion und berichten unabhängig über das Geschehen in der Saale-Unstrut-Finne-Region. Wir bekommen keinen Rundfunkbeitrag, sondern finanzieren uns über Anzeigen und vor allem über Ihr Abonnement. Der Aufwand hinter unseren Texten ist groß: Am Anfang gibt es eine Idee, einen Hinweis oder eine Einladung. Dann gehen unsere Redakteurinnen und Redakteure in die Recherche und machen Interviewtermine aus.
Zum Gespräch kommt oft unser Fotograf mit, um von den Beteiligten oder dem Gegenstand des Berichtes ein qualitativ hochwertiges Bild zu machen. Dann geht es ans Schreiben, stundenlang ordnen wir alle Informationen, bauen sprachlich Spannung auf und überprüfen unsere Quellen. Ist ein Artikel fertig, wird er noch von den Kolleginnen und Kollegen redigiert, also durchgelesen und verbessert.
Am Ende eines jeden Redaktionstages werden alle produzierten Zeitungsseiten per PC nach Halle in die Druckerei gesendet. Von dort kommen die Exemplare von Tageblatt/MZ dann zu Ihnen und in die Verkaufsstellen. Dafür braucht es wiederum zuverlässige Menschen in der Zustellung.
Paywall und Abos sichern unsere Existenz
Bis das Interview, die Reportage oder das Porträt bei Ihnen auf dem Tisch liegt, ist es also ein weiter Weg. Eine Tageblatt/MZ-Ausgabe kostet im Einzelverkauf montags bis freitags zwei Euro, die umfangreichere Wochenendausgabe mit Beilage und einmal monatlich erscheinendem Burgenland-Journal 2,20 Euro. Von diesen Einnahmen müssen dieser ganze Weg und alle Beteiligten bezahlt werden.
Stellen Sie sich vor, Sie würden an einem schönen Frühlingstag am Weingut Ihrer Wahl ein Glas leckeren lokalen Wein genießen – und dann gehen, ohne zu bezahlen. Wenn das einmal passiert, ist der Schaden zwar da, aber noch überschaubar. Wenn das alle machen würden, hätte der Winzer irgendwann kein Geld mehr, um seinen Weinberg zu bestellen. Wir können langfristig keine Berichterstattung machen, wenn uns die Einnahmen fehlen. Dann gäbe es kein Porträt mehr über den Ortsverein, keine Sportnachrichten mehr, keine Kulturtipps und keinen Bericht über die neuesten Beschlüsse des Stadtrats. Wer für unsere lokale Zeitung zahlt, hält uns am Leben. Wer es kostenlos weiterverbreitet, raubt uns die Zukunftsperspektive.