Evangelische Kirche Bad Kösener Pfarrerin geht - das sagt sie zum Abschied
Die Bad Kösener Pfarrerin Christin Ostritz wechselt nach zwölf Jahren in den Nordosten Berlins. Ein Blick zurück und darauf, was sie den Gemeinden hier mit auf den Weg geben möchte - ein Interview.

Bad Kösen. - In der Bad Kösener Lutherkirche ist jetzt während eines Festgottesdienstes die Pastorin der Kirchgemeinde Bad Kösen, Christin Ostritz, aus ihrem Dienst verabschiedet worden. Für viele Gemeindeglieder kommt ihr Weggang überraschend. Im Gespräch mit Tageblatt/MZ erklärt sie ihre Beweggründe.Sie waren zwölf Jahre im Bad Kösener Pfarrbereich im Dienst. Warum gehen Sie jetzt?Christin Ostritz: Die Zeit im Pfarrbereich Bad Kösen war für mich erfüllt und geprägt von vielen wertvollen Begegnungen. Nun zieht es mich zurück in meine Heimat in den Raum Berlin, wo ich geboren und aufgewachsen bin, studiert und auch mein Vikariat absolviert habe. Dort leben Verwandte und Freunde, und es ist der Ort, an dem ich künftig mit meinem Mann leben möchte.Wenn Sie auf Ihre Amtszeit zurückblicken: Was lag Ihnen besonders am Herzen, und was konnten Sie umsetzen?Ich bin sehr gern Seelsorgerin, und das konnte ich in dieser Pfarrstelle auf vielfältige Weise leben – im Dienst in den Kirchgemeinden, in den Kureinrichtungen, im Lazarus-Haus und im Hospiz. Besonders am Herzen lag mir außerdem die Arbeit mit Kindern und Konfirmandinnen und Konfirmanden, eigentlich alles, was mit lebendiger Gemeindearbeit zu tun hat. Sehr gern denke ich auch an die alljährlichen Kinderferientage zurück.Sie waren nicht nur in Bad Kösen tätig, sondern auch in vielen umliegenden Ortschaften. War es schwierig, all diese Aufgaben miteinander zu vereinbaren?Zum Pfarrbereich gehören neben Bad Kösen unter anderem Hassenhausen, Kleinheringen, Möllern, Punschrau und Saaleck – insgesamt sind es 13 Ortschaften. Das bedeutete viele Autofahrten und einen hohen organisatorischen Aufwand. Umso dankbarer bin ich für die engagierten Kirchenältesten und Ehrenamtlichen in allen Orten, die stets vorausschauend mitgewirkt haben.In Ihre Amtszeit fielen zahlreiche Baumaßnahmen. Was war Ihnen dabei besonders wichtig?Baumaßnahmen gehören in einer Kirchengemeinde immer dazu und sind oft eine große Herausforderung. In den vergangenen Jahren konnte dabei viel erreicht werden – von der Wiederindienststellung der Orgeln in Obermöllern und Bad Kösen über die Elektrifizierung der Glocken in Pomnitz, Nieder- und Obermöllern sowie Hassenhausen bis hin zur Erneuerung von Elektroanlagen im Pfarrhaus in Punschrau sowie in der Kirche in Kleinheringen. Außerdem wurde das Dach der Friedhofskapelle in Saaleck neu eingedeckt. Besonders in guter Erinnerung bleiben mir die Beratungen mit der Friedhofskommission und die Zusammenarbeit mit unserem Friedhofsmitarbeiter Lars Kühne. Der Friedhof in Bad Kösen ist so für viele Menschen zu einem Ort der Ruhe und des Trostes geworden. Sehr am Herzen liegt mir die Winterkirche in der Bad Kösener Kirche. Eine unkompliziert zu bedienende und kostengünstige Heizung würde es ermöglichen, nach den Gottesdiensten noch zusammenzubleiben. Denn wo Gottesdienst gefeiert wird, sollen sich die Menschen auch wohlfühlen – und Raum finden für Begegnung, Gespräch und Gemeinschaft.In der Gemeindearbeit spielen Ehrenamtliche eine große Rolle. Wer hat Sie unterstützt?Ich möchte diese Frage bewusst etwas anders beantworten. Nach meiner geistlichen Überzeugung baut der Herr selbst seine Kirche – und wir als Gemeinde dürfen daran mitwirken. In all den Jahren habe ich erlebt, wie viele Menschen – und nicht alle gehören zur Kirchgemeinde – mit großem Einsatz, viel Zeit und viel Kraft Verantwortung für das Wohl der Gemeinden übernommen haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Mögen diese Verbundenheit und dieses Engagement die Gemeinden auch in Zukunft tragen.Welche Momente werden besonders in Erinnerung bleiben?Es gab sehr viele schöne und erfüllende Momente. Besonders gefreut habe ich mich über die gemeinsame Feier der Weltgebetstage auch in Zusammenarbeit mit der Region Eckartsberga unter der Leitung von Anja Brandt, über die gemeinsamen Himmelfahrtsfeiern mit dem Pfarrbereich Eckartsberga und Bad Sulza sowie über die vielen besonderen Festtagsgottesdienste, zum Beispiel den Ostergottesdienst auf der „Schönen Aussicht“ bei Familie Fritz mit anschließendem Frühstück. In guter Erinnerung bleiben mir außerdem die vielen lustigen Kindernachmittage, die Begegnungskreise bei Kaffee und Kuchen, die Kulturabende, mitreißende Kirchenkonzerte und gemeinsame Ausflüge und die Konfirmandenfahrten in die Sächsische Schweiz. Auch die Zusammenarbeit mit dem Kirchen- und Posaunenchor war für mich stets sehr bereichernd. Ich kann leider nicht alles aufzählen. Immer stand für mich das gemeinsame Leben als Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi im Mittelpunkt. An all diese Erfahrungen und Begegnungen werde ich gern und dankbar zurückdenken.Gab es auch schwierige oder sensible Punkte – Dinge, die man im Rückblick anders hätte machen können?Nach zwölf Jahren bleibt bei mir vor allem der Wunsch, dass die Gemeinden im Pfarrbereich den Herausforderungen weiterhin im Miteinander begegnen – und in der Ausrichtung gemeinsamer Projekte zum Wohl der Menschen vor Ort. Schön wäre es, wenn es Perspektiven gäbe, etwa durch einen eigenen Kleinbus für den Pfarrbereich, damit ältere Menschen auch dann an Gemeindekreisen und Gottesdiensten teilnehmen können, wenn sie nicht mehr selbst mobil sind. Vielleicht lohnt es sich künftig auch, bewusst stärker in die Gemeindearbeit zu investieren als vor allem in Bauaufgaben, die die Gemeinden ohnehin immer begleiten werden.
