Tierschutzverein Merseburg

Tierschutzverein Merseburg: Fröhliches Gedränge im Tierheim?

Merseburg - Rund um die Feiertage ist es am Werder in Merseburg etwas voller als sonst - und die Helfer haben kein Problem damit.

Von Undine Freyberg

Kurz vor dem Jahreswechsel ist es etwas voller im Merseburger Tierheim am Werder. Doch glücklicherweise nicht etwa, weil zu Weihnachten sehr viele Tiere ausgesetzt wurden. „Denn bevor das passiert versuchen wir zunächst mal, den Hundebesitzern zu helfen“, sagt Tierheimleiterin Julia Löser. Der Hund sei nicht stubenrein oder der Hund könne nicht so lange allein sein, wenn ich arbeiten bin, seien die häufigsten Gründe, warum Menschen Tiere abgeben möchten.

„Wir bieten dann zum Beispiel an, den Hund tagsüber zu betreuen, so als ob er in einen Hundekindergarten geht.“ Im Augenblick habe man auch einige sogenannte Urlaubshunde, deren Herrchen oder Frauchen mal für ein paar Tage weggefahren sind. Da wäre zum Beispiel Seppl, der Irish Setter, Akita-Dame Kessy und Cocker Spaniel Jonny.

Langweilig wird es für die Gasthunde nicht

Langweilig wird es für die Gasthunde nicht, denn sie haben jede Menge Spielkameraden auf dem Hof, auf dem die Tiere in Rudeln gehalten werden - zum Beispiel die fünf Monate alten Terrier-Mischlingsbrüder, die beide auf den Namen Baby hören, weil sie noch keinen eigenen Namen haben. Oder Mischling Brummer, der mit seinen 15 Jahren der Oldie auf dem Hof ist, oder Hundedame Rosa, die 2004 als Welpe ins Heim kam und seitdem geblieben ist. Selbst Paul, der nur noch drei Beine hat, ist ziemlich flott unterwegs

Einige der Hunde hatten ein schlimmes Schicksal - zum Beispiel Ivan, den man ab und zu stimmgewaltig bellen hört. „Man hatte ihn angezündet, deshalb fehlt ihm am Rücken etwas Fell“, erzählt Julia Löser. Ein Hund sei mit einer zertrümmerten Pfote abgegeben worden, ein anderer hatte einen fast gespaltenen Schädel, weil ihn sein Besitzer offenbar mit einer Axt hatte töten wollen. Hundedame Kara mit dem schwarz-weißen Gesicht hatte einen gebrochenen Oberschenkel. „Als sie zu uns kam, war der Bruch schon alt und unbehandelt. Wir haben sie dann operieren lassen, denn von allein wäre der Knochen nie wieder zusammengewachsen“, so Löser.

Auch wenn jemand eine alte Hundehütte abzugeben hätte, würde das helfen

Derzeit habe man auch noch einen Hund, der am epileptischen Anfällen leidet. „In der Nacht zu Donnerstag war es so schlimm, dass wir mit ihm zum Tierarzt mussten.“ Auf diese Weise häufen sich laut Löser Tierarztkosten von 500 bis 2.000 Euro pro Monat an, die zu einem großen Teil aus Spenden bestritten werden müssen. „Da können wir immer Hilfe brauchen.“

Auch wenn jemand eine alte Hundehütte abzugeben hätte, würde das helfen. Außerdem wäre man dankbar für Holzspenden zum Beheizen der Gebäude, in denen die Hunde bei Kälte untergebracht sind und für Schrottspenden - denn auch die ließen sich zu Geld machen, was wiederum den Tieren zugute komme.

Im Tierheim Merseburg wird ausschließlich ehrenamtlich gearbeitet

Im Tierheim Merseburg wird ausschließlich ehrenamtlich gearbeitet. „Ich arbeite als Verwaltungsangestellte und mache das alles nebenbei“, so Löser. Und es gibt Freiwillige wie Sarah Lott, die ursprünglich aus dem Raum Göttingen kommt, aber an der Hochschule Merseburg ihren Master in Chemieingenieurwesen macht. „Ich hatte einen Hund, den ich leider einschläfern lassen musste, weil er Krebs hatte. Aber da ich sehr tierlieb bin, helfe ich hier gern“, sagt Sarah Lott lächelnd. Doch auch kräftige Hände fehlen bei der Arbeit oftmals. „Männer, die mit anpacken können, wären echt toll“, lächelt Julia Löser.

Wer einen Hund aus dem Tierheim haben möchte, ist herzlich willkommen. Löser: „Allerdings achten wir sehr genau darauf, dass Hund und potenzieller neuer Besitzer gut zusammenpassen. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass uns kaum Tiere wieder zurückgebracht werden.“ (mz)