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Saalekreis Saalekreis: Eisenstange in Bündorf «entschärft»

Von Dirk Skrzypczak 28.10.2011, 09:17

BÜNDORF/MZ. - Am Freitagvormittag überschlagen sich die Ereignisse. In Bündorf ist das Grundwasser in der Baugrube über Nacht doch stärker abgesenkt worden als gedacht - einer zusätzlichen Hochleistungspumpe sei Dank. Daraufhin fällt der Landkreis in Abstimmung mit anderen Behörden und dem Kampfmittelbeseitigungsdienst die überraschende Entscheidung: Es wird unverzüglich nach der Bombe im Sand gesucht, nicht erst kommende Woche. Die Feuerwehr fährt durch den Ort und bereitet die Einwohner mit Lautsprecherdurchsagen auf die mögliche Evakuierung vor, während die Experten graben. Gegen 12.30 Uhr hebt Torsten Kresse vom Kampfmittelbeseitigungsdienst dann eine gebogene Metallstange hoch. Die Bombe ist eine Art Brecheisen.

Während sich der Einsatzstab des Landkreises erleichtert zeigt und Entwarnung gibt, muss Kresse den Fund erklären. Schließlich war in den vergangenen Tagen ein ungeheurer Aufwand betrieben worden, um an den Verdachtskörper zu gelangen. Das Grundwasser wurde abgepumpt, eine Starkstromleitung musste weichen, ebenso ein Kanalschacht. Erst am Donnerstag war ein Bergungsversuch gescheitert. Danach hatte es eine erneute Tiefenbohrung gegeben, um den Gegenstand noch einmal genau zu lokalisieren. "Die Vorgehensweise war richtig. Wir müssen jedem Verdacht auf Kampfmittel nachgehen", sagt Kresse. Die Eisenstange habe senkrecht im Erdreich gesteckt und Messdaten geliefert, "die mit denen einer Bombe übereinstimmten". Sprengmeister Thilo Pierau aus der Altmark, der bereits tags zuvor die Fliegerbombe in Halle entschärft hatte, holt zum Beweis ein Blatt Papier mit Messkurven.

Doch die Geschichte bleibt mysteriös. Schließlich hatten Bauarbeiter ein anderes Objekt beschrieben, das sie beim Schachten Anfang Oktober entdeckt hatten. Einer von ihnen ist Stefan Berndt. "Für mich sah es aus wie ein Rohr mit einem gelben Ring. Und es steckte in der Grabenwand", sagt er. Die Eisenstange war es jedenfalls nicht. Nicht nur Pierau wundert sich: "So etwas denkt sich doch keiner aus." Der Abwasserzweckverband Merseburg lässt deshalb einen Metallring entfernen, der zum Abpumpen des Wassers eingesetzt worden war und die Messsonde stören könnte. Anschließend wird die Grube noch einmal untersucht. Doch das Spürgerät, das wegen seiner Pieperei vom Kampfmittelbeseitigungsdienst "Kanarienvogel" genannt wird, bleibt dieses Mal stumm. "Es wurde nichts gefunden", berichtet Kreissprecherin Kerstin Küpperbusch später. Am frühen Nachmittag wird die Suche endgültig abgebrochen.

Die Bündorfer selbst reagieren gelassen - so wie in den Tagen zuvor. Gerhard Bothfeld, den wie andere Einwohner die Neugier zur Baustelle getrieben hat, ist erleichtert. "Gott sei Dank haben sie nichts gefunden", sagt der 67-Jährige und radelt nach Hause, um die beiden Ponys auf die Weide zu lassen. Petra Kuhlmann will als Erstes den Schwager anrufen, "dass wir nicht kommen". Das Schlimmste, meint sie, seien die Spekulationen gewesen. Nun könne man aufatmen.