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  7. Überfälle in Merseburg: Gericht verhandelt über Rewe- und Pizzalieferanten-Vorfälle

Prozess nach Vorfällen in Merseburg Mit Waffe bedroht: Männer wegen Supermarkt-Diebstahl und Überfall auf Pizzalieferanten vor Gericht

Zwei Männer stehen vor dem Landgericht: Sie wollten in einem Supermarkt Lebensmittel klauen und haben einen Pizzalieferanten überfallen. Bei einer Tat drohten sie mit einer Schreckschusswaffe.

Von Laura Rivera Aktualisiert: 25.06.2024, 08:37
Am Landgericht Halle wird zwei Männern der Prozess gemacht.
Am Landgericht Halle wird zwei Männern der Prozess gemacht. (Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Merseburg/Halle/MZ. - In dem Moment habe er keine Angst gehabt. Die sei erst im Nachhinein gekommen. Ein 56-Jähriger hatte versucht, zwei Diebe im Rewe-Markt im Merse-Center aufzuhalten. Daraufhin zückte einer der Diebe eine markante goldene Pistole und richtete sie auf den Mann. Schüsse fielen jedoch nicht. „Das hätte auch anders ausgehen können“, sagte der Schkopauer, der am Montag vor dem Landgericht Halle als Zeuge aussagte.

Auf der Anklagebank saßen zwei Männer, ein 19-Jähriger und ein 31-Jähriger. Sie müssen sich wegen versuchtem räuberischen Diebstahl sowie besonders schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Dabei geht es um zwei Vorfälle, die sich diesen Januar ereignet haben sollen.

Diebstahl in Rewe-Supermarkt in Merseburg: Täter drohen mit Pistole

Im Rewe-Markt in Merseburg sollen die beiden Männer zunächst versucht haben, zwei Einkaufswagen mit Ware im Wert von rund 365 Euro zu stehlen. „Mit vermummten Gesichtern liefen sie zielgerichtet zum Ausgang“, sagte die Staatsanwältin. Ein Zeuge habe die Männer zum Stehenbleiben aufgefordert. Der 31-Jährige soll eine Pistole hervorgezogen und auf diesen gerichtet haben.

Danach seien die Männer auf den Parkplatz des Merse-Centers gelaufen, der Zeuge folgte ihnen. Dort soll der ältere der Beschuldigten einen der Einkaufswagen umgeschmissen haben. Laut Anklage hat zudem der 19-Jährige einen Schlagstock hervorgeholt und dem Zeugen gezeigt. Letztlich seien die Angeklagten ohne Beute geflohen.

Überfall auf Pizzalieferant in Merseburg mit Schreckschusspistole

Nur einen Tag später sollen die Männer einen Pizzalieferanten in Merseburg überfallen haben. Zunächst seien sie vermummt auf diesen zugelaufen, schilderte die Staatsanwältin. Dann sollen sie ihn aufgefordert haben, ihnen die Pizzen, die er gerade auslieferte, auszuhändigen. Dabei soll erneut die Schreckschusspistole zum Einsatz gekommen sein.

Der 19-Jährige soll außerdem einen Schlagstock und einen Hammer sichtbar bei sich getragen haben, „um auch damit dem Lieferanten Angst zu machen“. Die Beschuldigten sind dann laut Anklage mit ihrer Beute – vier Pizzen im Wert von rund 54 Euro – auf Fahrrädern geflohen.

Angeklagter stand bei Tat unter Drogen

„Es stimmt schon so, wie es in der Anklage steht“, gab der 19-Jährige zu, während der andere Angeklagte von seinem Schweigerecht gebraucht machte. Allerdings habe er den Einkaufswagen umgeschmissen und nicht sein Mitstreiter. Etwas anders habe sich auch die Situation mit dem Schlagstock beim Rewe zugetragen, sagte der junge Mann. Den habe er nicht bewusst herausgeholt, er sei ihm aus der Tasche gefallen. Den Schlagstock habe er immer dabei, weil er auf der Straße lebe und es dort gefährlich sei.

Der Richter wollte wissen, was der Hintergrund der Taten war. „Es war knapp mit Essen und Geld“, erklärte der 19-Jährige. Zu der Zeit habe er bei dem 31-Jährigen in Merseburg gewohnt. Wessen Idee es war, Lebensmittel zu klauen, wollte er nicht sagen. Auf Nachfrage des Richters gab der Angeklagte an, dass er während der Tat unter dem Einfluss von Methamphetamin stand. Er habe nicht gewusst, dass sein Freund die Pistole dabei hatte. Er habe sich auch im Vorfeld keine Gedanken über die Schwere der beiden Taten gemacht.

Prozess in Halle wird fortgesetzt: Hohe Haftstrafe möglich

Der Zeuge, der die Diebe aufhalten wollte, sagte, dass er beide Männer wiedererkenne. „Das vergisst man nicht.“ Dass dem 19-Jährigen der Schlagstock lediglich heruntergefallen war – wie dieser angab – stimme nicht. Der Beschuldigte sei sogar noch mit dem Schlagstock auf ihn zugekommen, schilderte der Zeuge. Aufgefallen waren die Angeklagten seiner Frau, die ebenfalls als Zeugin geladen war.

Da sie im Handel tätig ist, habe sie einen Blick dafür. „Das hat mir mein Instinkt gesagt“, erklärte sie. Daraufhin hätten sie und ihr Mann die beiden eine Weile beobachtet. Sie habe gesehen, wie sich die beiden Männer nahe des Ausgangs Kapuzen ins Gesicht zogen. Als die Waffe auf ihren Mann gerichtet wurde, habe sie Angst gehabt. Auch sie konnte sich gut an die goldene Farbe der Pistole erinnern.

Der Prozess wird fortgesetzt. Bei dem 19-Jährigen könnte aufgrund seines Alters das Jugendstrafrecht angewendet werden. In dem Fall droht ihm eine Jugendstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Dem 31-Jährigen droht im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren nach Erwachsenenstrafrecht.