Freizeitattraktion

Die Saale bei Merseburg mit Captain Fu erkunden

Seit Jahren ist Detlef Furchheim mit großen und kleinen Schiffen unterwegs. Warum eine Fahrt mit ihm wie ein Picknick auf dem Wasser ist.

Von Undine Freyberg 09.05.2022, 18:00
Vom Wasser sieht die Welt manchmal noch schöner aus.
Vom Wasser sieht die Welt manchmal noch schöner aus. Foto: Katrin Sieler

Merseburg/MZ - Ohne Wasser kann Detlef Furchheim nicht leben. „Das liegt uns im Blut“, sagt der 68-Jährige, den alle nur als „Captain Fu“ kennen. Sein Ururgroßvater sei schon Schiffseigner gewesen und sei von Schönewerda aus auf der Unstrut gefahren. „Und mein Sohn Sam ist Schiffsführer bei der Blau-Weißen Flotte auf der Müritz“, erzählt der Captain.

Da das Wetter immer frühlingshafter wird, kann er endlich wieder auf die Saale. Sein Ausflugsfloß, das in Merseburg nahe der Neumarktbrücke liegt, ist jedenfalls startklar. Feste Zeiten, zu denen er fährt, gibt es nicht. Fu hat gelernt. „Wenn mich jemand anruft und mindestens zehn Plätze bucht, dann fahre ich. Und wenn dann noch Plätze frei sind, können natürlich auch noch andere Leute mitfahren.“

Wenn sein Floß ablegt, läutet er an Bord die Glocke. „Und dann passiert etwas ganz Schönes“, lächelt er. „Wenn die Leute, die an der Saale wohnen oder hier ihre Gärten haben, mich hören oder sehen, antworten sie mir mit kleinen Glöckchen, die ich ihnen irgendwann mal geschenkt habe.“ Und dann geht es im Wohlfühltempo von drei Kilometern pro Stunde gen Leuna.

„Wir fahren keine Rennen. Wir sind die Erfinder der Langsamkeit“, sagt der Kapitän mit Schiffspatent für Binnengewässer. Auf seinen Touren könnten die Leute die Natur richtig genießen und sich ein wenig erholen. „Wir sind sehr umweltbewusst und machen auch keine Wellen.“ Sein Floß mit dem Namen „MS Traumschiff“ fahre zwar mit Benzin, habe aber einen moderaten Verbrauch.

Rund zwei bis zweieinhalb Stunden dauert eine Tour mit Captain Fu von Merseburg bis zum Schwimmbad in Leuna und zurück. „Wenn uns jemand entgegenkommt und gerade in der Schleuse ist, müssen wir auch schon mal eine halbe Stunde warten, aber das finden die Leute nicht schlimm. Die fühlen sich doch wohl an Bord.“

Seit 2013 hat Captain Fu in Merseburg einen Liegeplatz. Zeitweise waren es sogar zwei. „Irgendwann waren wir beim Wassersportfest in Freyburg und dort lag die ’Unstruttal’“, erzählt er. Die habe er 2006 gekauft und daraus sein erstes „Traumschiff“ gemacht. 2013 ging es mit diesem Schiff nach Merseburg. Später kam dann ein weiteres Schiff dazu, das er in Bernkastel-Kues an der Mosel gekauft habe und aus dem er die „Captain Fu“ gemacht habe.

Das „Traumschiff“ habe er damals schon verkauft. „Die schwierige Lage in den vergangenen beiden Jahren ohne Fahrten und ohne Gäste hat uns dann dazu bewogen, die ’Captain Fu’ dem Insolvenzverwalter zur Verfügung zu stellen.“ Detlef Furchheim versucht zwar auch darin noch etwas Positives zu sehen: „ Jetzt hab’ ich weniger Schulden“, sagt er pragmatisch. Trotzdem merkt man ihm an, dass ihm solche Dinge weh tun.

2020 habe er ein kleines Sportboot mit zwölf Plätzen gehabt, dass bei den Leuten gut ankam. „Und da habe ich auch gemerkt, dass ich lieber mit einem kleinen Boot fahre, weil Merseburg für große Schiffe einfach nicht gemacht ist“, sagt er. Denn man verfahre nicht nur Treibstoff, sondern brauche auch Personal. Also habe er sich an sein Floß gemacht, habe 2020 angefangen, es zu bauen. „Im Juni 2021 konnten wir zum ersten Mal starten, und die Leute mochten das.“ Junggesellenabschiede, Geburtstage, Jugendweihe - das gehe alles. Zumal die Gäste auf dem überdachten Floß jederzeit vor Sonne und auch Regen geschützt sind.

Wer mit Captain Fu fährt, muss sich das wie ein Picknick auf dem Wasser vorstellen, denn alles was man essen oder trinken möchte, muss man selbst mitbringen. „Den meisten gefällt das, und meist kann man dann auch schöne Szenen beobachten“, erzählt der 68-Jährige. Wenn zwei Gruppen an Bord seien, werde einfach mal untereinander Kuchen gegen Herzhaftes getauscht.

Und das Pärchen, das in letzter Minute noch völlig unvorbereitet zugestiegen sei, bekomme meist auch etwas ab. Das finde er schön. „Und bei besonders netten Gästen - also eigentlich immer - hole ich dann noch das Akkordeon raus und mache Musik“, lächelt Detlef Furchheim, der gelernter Kellner und Berufsmusiker ist.

Im Juni eröffnet er übrigens eine Zweigstelle in Freyburg und wird auch von dort aus Fahrten mit einem Floß anbieten, das er gerade gebaut hat. „Ich denke, dass wir bald mit allen Genehmigungen durch sind.“ Am 1. Mai hat die Saison auf dem Wasser begonnen, und Captain Fu hofft auf einige Gäste für Touren in diesem Jahr. „Das Wasser und ich, wir sind jedenfalls da“ schmunzelt er.

Weitere Informationen unter www.captain-fu.de