Fotografie

Ausstellung im Schloss Köthen zeigt Kulturschaffende während der Pandemie

Gemeinsames Innehalten: Für ihre Ausstellung „Fermate“ hat sich Dessauer Fotografin Juliane Naumann mit der Situation von regionalen Künstlerinnen und Künstler auseinandergesetzt.

Von Jakob Milzner 29.01.2022, 12:00
Juliane Naumann schaut sich ihre Fotoausstellung in den Museumsräumen des Köthener Schlosses an.
Juliane Naumann schaut sich ihre Fotoausstellung in den Museumsräumen des Köthener Schlosses an. (Foto: Ute Nicklisch)

Köthen/MZ - Juliane Naumann hat sich in ihren Fotografien nicht immer mit Menschen beschäftigt. Als junge Erwachsene habe sie vor allem Naturaufnahmen gemacht, erzählt die Dessauerin. Doch irgendwann sei das Bedürfnis nach mehr Interaktion entstanden.

„Mit einem Käfer unterhält man sich nicht“, sagt Naumann und lacht. Vor ungefähr elf Jahren sei ihr Interesse erwacht, Menschen zu fotografieren. Was damals begann, ist mittlerweile zu einer Leidenschaft geworden.

Ausstellung „Fermate“ zeigt erstmals die Poträts der Fotografin

In der Ausstellung „Fermate“, die von Samstag, 29. Januar, bis zum 10. April im Köthener Schloss zu sehen ist, werden ihre Porträts nun erstmals ausgestellt. Nach einer ersten Station in Dessau ist die Bachstadt der zweite Ort, an dem die Wanderausstellung zu Gast ist.

Den Titel hat die Fotografin mit Bedacht ausgewählt: „Fermate ist ein Zeichen aus der Musik und bedeutet, in Gemeinschaft still zu halten“, erläutert Naumann. Damit möchte sie den Zustand reflektieren, in dem Kulturschaffende seit Beginn der Pandemie verharren.

Juliane Naumanns Ziel: „Menschen aus ihrer Komfortzone herauslocken“

„Ich bin überzeugt davon, dass, wenn man verschiedene Fotografen in eine Situation mit Menschen gibt, dabei ganz unterschiedliche Bilder rauskommen“, beschreibt die Fotografin den besonderen Reiz, die Porträts für sie haben.

„Fermate“ – so der Titel der Ausstellung – bezeichnet in der Musik ein Zeichen, das gemeinsames Innehalten signalisiert.
„Fermate“ – so der Titel der Ausstellung – bezeichnet in der Musik ein Zeichen, das gemeinsames Innehalten signalisiert.
Collage: Juliane Naumann

Denn so werde immer auch ein Teil der Person hinter der Kamera mit abgebildet. Ihr Ziel sei es, „zu schaffen, dass Menschen sich öffnen. Die meisten scheuen ja die Kamera“. Sie finde es aber gerade spannend, „Menschen aus ihrer Komfortzone herauszulocken“.

Manche Personen wirken beinahe entrückt

So zumindest gestaltete sich ihre fotografische Arbeit zu normalen Zeiten. Doch betrachtet man nun die Porträts, die für die Ausstellung auf überlebensgroße Banner gedruckt wurden, wirken die Gesichter der Abgebildeten eher in sich gekehrt, manche beinahe entrückt. Kombiniert sind diese stets mit einem Zitat der jeweils zu sehenden Person.

Tatsächlich habe sie für die Bilderserie über ihren Schatten springen müssen, erzählt Juliane Naumann. Denn angesichts der durch die Pandemie geänderten Rahmenbedingungen konnte sie ihre insgesamt 35 Modelle jeweils nur einzeln in ihr Atelier in Dessau einladen. „Da blieb nicht viel Zeit für lange Gespräche. Das kannte ich so nicht“, erinnert sich die Fotografin.

Verschiedene Kulturschaffende aus Dessau unter den Porträtierten

Dennoch habe sie bereits nach dem ersten Fototermin gewusst, „das hat Potenzial, eine interessante Serie zu werden“, sagt Naumann. Bei diesem ersten Shooting lichtete sie eine Tänzerin ab. Es folgten verschiedene Musiker – „egal, ob Klassik oder Jazz“ –, ein Autor, eine Tontechnikerin, Maler und eine Puppenspielerin. Ein Maskenbildner war dabei und auch einen Cafébesitzer habe sie für die Serie porträtiert, zählt die Fotografin auf.

Dass alle diese Personen aus Dessau sind, liege an der „eingeschränkten Mobilität im Lockdown“, erläutert sie. Eigentlich habe sie auch Künstler aus anderen Orten abbilden wollen. Doch mittlerweile gefalle ihr die Vorstellung, „ein Abbild der regionalen Kulturszene zu schaffen“.

Grundstimmungen waren „Ängste und Sprachlosigkeit“

Sie finde überdies nicht, dass sie mit den Porträts „eine deprimierende Serie“ geschaffen habe, sagt Juliane Naumann. Zwar habe das erzwungene Innehalten viele der Personen belastet. Schließlich bedeutete die neue Situation für Kulturschaffende, mehr noch als für andere Gruppen, oftmals einen Totalausfall. „Grundstimmungen“, die sie bei ihren Modellen gespürt habe, „waren schon Ängste und Sprachlosigkeit.“

Dennoch seien diese Empfindungen „immer gepaart“ gewesen „mit dem Gefühl: Ich nehme das als Chance, Dinge zu tun, die ich bislang nicht getan habe oder meine Fähigkeiten zu erweitern.“ So hätten sich beispielsweise Orchestermusiker vermehrt Solostücken zugewandt – wofür im Konzertbetrieb sonst zumeist wenig Zeit bleibe.

„Das Gefühl hatte ich bei fast allen“, sagt Naumann, „dass auch Raum da war, den Kopf einmal in eine andere Richtung zu halten.“ Mit ihrer Ausstellung wolle sie nun die Betrachter zum reflektieren über die Frage anregen, welchen Stellenwert Kunst in deren Leben habe; schließlich sei diese zu Beginn als „nicht systemrelevant abgestempelt“ worden.