Sanierung in Naundorf

Sanierung in Naundorf: Windkasten als Herzstück

Naundorf bei Seyda/MZ - „Die Windlade ist das Herzstück der Orgel“, sagt Rainer Wolter. Der Mann, der in Dresden eine Orgelbau- und Restaurierungswerkstatt betreibt, ist gerade in der Naundorfer Kirche anzutreffen. Hier hat er alle Hände voll zu tun, um die kleine „Königin der Instrumente“, an der, wie er sagt, Jahrzehnte nichts gemacht wurde, wieder ordentlich zum Klingen zu bringen. Die Zeit bis zum Abschluss der Sanierung ist knapp: Am 4. Dezember bereits soll die Orgel beim Adventskonzert die Zuhörer wieder mit sauberen Tönen ...

Von Detlef Mayer 14.11.2013, 18:50

„Die Windlade ist das Herzstück der Orgel“, sagt Rainer Wolter. Der Mann, der in Dresden eine Orgelbau- und Restaurierungswerkstatt betreibt, ist gerade in der Naundorfer Kirche anzutreffen. Hier hat er alle Hände voll zu tun, um die kleine „Königin der Instrumente“, an der, wie er sagt, Jahrzehnte nichts gemacht wurde, wieder ordentlich zum Klingen zu bringen. Die Zeit bis zum Abschluss der Sanierung ist knapp: Am 4. Dezember bereits soll die Orgel beim Adventskonzert die Zuhörer wieder mit sauberen Tönen begeistern.

Dennoch nimmt sich Rainer Wolter die Zeit, dem Mann von der MZ eine recht umfängliche Orgelführung angedeihen zu lassen. Der Windkasten ist deshalb das Herzstück des Instruments, weil in ihm die Spiel- bzw. Tonventile sitzen. Also jene Bauteile, die auf Registerzug und Tastendruck die Windzufuhr (den Luftstrom) zu den Pfeifen freigeben und damit letztlich die Tonfolge - die freilich in den Pfeifen entsteht - steuern.

Der Pfeifenstock mit dem Pfeifenwerk sitzt übrigens auf dem Windkasten, der im Naundorfer Fall noch eine Besonderheit aufweist: Er wird von schmiedeeisernen Nägeln zusammengehalten. Die kommen beim Zusammensetzen der jetzt zerlegten Orgel wieder rein, versichert der Fachmann aus Dresden. „Unbrauchbare Nägel werden durch neue schmiedeeiserne Exemplare ersetzt.“ Das ist Prinzip. Keine Chance also für Schrauben, wie sie an jüngeren Orgeln zum Einsatz kämen. Und, ganz wichtig: Unter die Nagelköpfe gehören Dichtungen.

Abdichtung aus Schafsleder

Die spielen auch an anderer Stelle eine ausschlaggebende Rolle: Jedes der Spielventile hat eine Abdichtung aus Schafsleder. „Holz auf Holz würde nicht richtig schließen. Doch die Dichtungen sind über die Jahre eingeschlagen“, erklärt Rainer Wolter und zeigt, was er meint, indem er ein paar Ventile von ihrer Auflage zieht. Deutlich werden tiefe Eindrücke sichtbar. Deshalb muss hier neues Schafsleder angebracht werden. Beim Stichwort Leder zeigt er gleich noch auf ein anderes Bauteil: Zwischen den Tasten und den Abstrakten - das sind die Holzleisten-Züge, die das mechanische Signal von den Tasten über Wellen an die Ventile weiterleiten - sind Ledermuttern zu entdecken. „Sie dienen zum Einstellen des Tastenspiels“, macht der Orgelbauer deutlich und lässt den Gast ein paar Drehungen an einer Mutter versuchen.

Bei dem Naundorfer Orgelwerk handelt es sich um eine mechanische Schleifladenorgel (was sich auf die Register-Mechanik bezieht). „Sie hat vier Register im Manual und ein Register im Pedal“, geht Rainer Wolter ins Detail und gibt dem Laien bereitwillig Hilfestellungen: Das Manual bezeichne man auch als Klaviatur und beim Pedal handele es sich um das Feld aus Fußhebeln. „Ein Register ist eine Pfeifen-Reihe. Eine Pfeifen-Reihe hat so viele Pfeifen wie es Tasten gibt. Das sind 51 im Manual und 25 im Pedal.“

Von welchen Leiden muss das Naundorfer Instrument eigentlich kuriert werden? Die Aufzählung des Experten fällt nicht zu knapp aus: Da sind die Prospektpfeifen (21 sichtbare Pfeifen). Die Originale wurden in Kriegstagen durch Zink-Nachbauten ersetzt. Jetzt kommen wieder solche aus Zinn - „aus hochprozentigem Orgelmetall, drei Viertel Zinn und ein Viertel Blei“ - rein. An der Pedal-Klaviatur sind etliche Hebel zerbrochen - „die Orgel war nur noch bedingt spielbar“. Die Noten- und Pedalbeleuchtung muss erneuert werden.

Orgelmotor ausgetauscht

Der Orgelmotor für die Luftzufuhr, vorher auf dem Boden der Kirche platziert, wird ausgetauscht und zieht um auf die Orgelebene. „Das ist besser für die Stimmhaltung“, erklärt Rainer Wolter. „Im Winter herrschen auf dem Boden Minusgrade. Durch die kalte Luft klingt die Orgel dann sehr tief.“ Die Innenpfeifen - es sind verbliebene Originale aus Zinn - brauchen umfängliche Ausbesserungen.

Unter den Holzpfeifen (für die tiefen Töne) muss der Dresdener gar einen Kahlschlag ausbügeln: „Irgendwann wurde die Hälfte der Pfeifen sehr unfachmännisch durch solche aus Metall ersetzt. Sicher, weil sie vom Wurm befallen waren“, vermutet der Orgelbauer, der auch das Aufbringen von Holzschutzmittel auf seiner Vorhabenliste hat. Ebenso das Überarbeiten der Mechanik und das Neuauspolstern der Klaviatur. Für alles bleiben ihm nur noch gut zwei Wochen. „Da habe ich ganz schön zu tun.“