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Projekt Projekt : Naturspielecke an der Grundschule Prettin wird weiter ausgebaut

Von Thomas Tominski 03.07.2020, 12:15
Conny Munzer, Tess Munzer, Emma Gutzmer und Leni Döring (von links) zupfen im Schulgarten der Grundschule Prettin freiwillig Unkraut.
Conny Munzer, Tess Munzer, Emma Gutzmer und Leni Döring (von links) zupfen im Schulgarten der Grundschule Prettin freiwillig Unkraut. Thomas Tominski

Prettin - Schulleiterin Sylvie Ebermann läuft gebückt durch das Gebüsch und erteilt den wartenden Männern Anweisungen. „Bis auf die Eiche kann alles raus“, sagt sie und löst mit diesen Satz sofort kollektiven Aktionismus aus. Tobias Lindner treibt den Spaten in die Erde, sein fünfjähriger Sohn Henry trägt den ausgegrabenen Strauch zur Sammelstelle.

„Ist nicht schwer“, sagt er und lässt die Muskeln spielen. Hausmeister Matthias Döring hat einen Erdbohrer mitgebracht, der mit Motorunterstützung kreisrunde Löcher aushebt. In diese werden die Pfosten für den Erlebnistunnel beziehungsweise für ein Gerät zur Schulung des Gleichgewichts gesetzt. „Dazwischen wird ein Drahtseil zum Balancieren gespannt“, erklärt die Chefin der Grundschule Prettin und betont, dass letztere Pfosten aus Robinienholz sind.

Das Gelände rund um die Naturspielecke füllt sich langsam. Mehrere Mitglieder des Schulfördervereins packen kurz nach ihrem Erscheinen sofort mit an, die Kinder helfen im Schulgarten oder unterstützen ihre Eltern. „Den Grundstein für die etwa 450 Quadratmeter große Naturspielecke hat eigentlich Hortnerin Ricarda Ruprecht gelegt.

Sie hat nach einer Möglichkeit gesucht, mit den Kindern die Natur zu erleben“, betont Sylvie Ebermann, die an der Umsetzung der Idee bei der Vorsitzenden des Schulfördervereins, Anja Gutzmer, sofort offene Türen eingerannt ist. Die beiden Frauen schreiben mehrere Firmen an und erhalten von der Town und Country Stiftung 1.000 Euro zur Verwirklichung des Projekts.

Spaß im Quartett

Im Schulgarten, der sich nur wenige Meter entfernt befindet, zupfen vier Mädchen freiwillig Unkraut raus. „Das macht doch Spaß“, sagen sie im Chor. „Wir haben zu Hause ein großes Gewächshaus. Dort ernten wir jedes Jahr Tomaten, Radieschen oder Kohlrabi“, sagen Conny und Tess Munzer, die überzeugt von der Qualität der eigenen Produkte sind. „Das schmeckt viel besser als das Gemüse aus dem Supermarkt. Außerdem kostet es weniger Geld. So lernen wir Lebensmittel besser schätzen.“

Emma Gutzmer aus der dritten Klasse schätzt die Verbindung zur Natur. Es sei toll, wenn man die Entstehung des Gemüses bis zur Ernte mitverfolgen kann und dieses letztendlich auf dem Teller landet. Leni Döring aus Prettin erzählt, dass sie zu Hause im Garten mithilft und Unkraut zupfen eine sinnvolle Tätigkeit ist. Beim Thema balancieren auf dem Seil kommen die Antworten nicht so schnell.

Es sei schwierig, heißt es, mit jedem Versuch wird es bestimmt besser, die Balance zu halten. „Angst haben wir aber nicht. Vielleicht kann uns jemand ein paar Tricks beibringen“, klingt es im Quartett.

Perfekte Zusammenarbeit

Die Pfosten stehen in der Erde. Ebermann erklärt, das der Erlebnistunnel unter dem schützenden Dach einer Pergola entsteht. Clematis soll später für Blickdichte sorgen. Direkt neben der Sitzgruppe entsteht ein Webrahmen, um den Kindern das Gefühl zu vermitteln, wie sich Wolle anfühlt. Die vorhandene Benjeshecke wird erweitert. Die Schulleiterin erzählt, dass die Kinder die Naturspielecke in den großen Pausen nutzen dürfen. „Ich bin auch froh, dass unsere Schüler in der Arbeitsgemeinschaft Schulgarten so fleißig mitarbeiten.“

Im September sind die nächsten Projekte geplant, die ersten Sponsorengelder bereits eingetütet. Beim Lob verteilen hebt Ebermann vor allem den rührigen Schulförderverein hervor, der stets offen für neue Ideen ist und bei jedem Einsatz ordentlich mit anpackt.

„Die Kinder wollen doch sehen, dass etwas entsteht und die Eltern sich kümmern“, sagt Anja Gutzmer, die von einer harmonischen Zusammenarbeit mit der Schulleitung spricht. Trotz aller Vorbereitung geht auch mal ein Projekt daneben. „Der Weidentunnel ist einfach nicht gewachsen. Deshalb setzen wir jetzt auf die Variante Baumstämme mit Pergola“, erklärt Ebermann.

Hin und wieder schaut die Direktorin auf ihr Smartphone. Die Wetter-App zeigt an, dass der Regen, der im 15 Kilometer entfernten Jessen ordentlich gefallen ist, um Prettin nun endgültig einen Bogen macht. „Zum Glück“, meint sie, denn auf die fleißigen Helfer wartet nach drei Stunden Einsatz noch eine Überraschung. Für jeden gibt es eine Bratwurst vom Grill, sagt Ebermann ganz leise, um die Männer nicht von der Arbeit abzulenken. Der eingangs erwähnte Platz sieht inzwischen völlig anders aus, der Webrahmen ist fertig und die Kinder freuen sich. (mz)

Tobias Lindner (links) hilft Hausmeister Matthias Döring, den Erdbohrer für den Arbeitseinsatz in Schwung zu bringen.
Tobias Lindner (links) hilft Hausmeister Matthias Döring, den Erdbohrer für den Arbeitseinsatz in Schwung zu bringen.
Thomas Tominski
Kleiner Mann ganz groß. Henry Lindner trägt Sträucher weg.
Kleiner Mann ganz groß. Henry Lindner trägt Sträucher weg.
Thomas Tominski