Söhne Mannheims auf der Peißnitz

Xavier Naidoo und Söhne Mannheims in Halle: Konzert mit Beigeschmack

Halle (Saale) - Auf der Peißnitzbühne treten die Söhne Mannheims auf. Warum das allerdings nicht ohne Widerspruch bleibt.

Von Oliver Müller-Lorey 30.06.2017, 20:40

Es war ein Sommerkonzert, wie es im Buche steht: Milde Temperaturen, ein laues Lüftchen zog über die Peißnitzinsel, Tausende Besucher bewegten sich im Takt der Musik und feierten mit einem Bier in der Hand ihre Idole.

Am Freitagabend traten die Söhne Mannheims auf der Peißnitzbühne auf - in Originalbesetzung wie Plakate rund um den Veranstaltungsort versprachen. Auch wenn es wegen seiner Solo-Karriere und so manchem umstrittenen Auftritt Band-Mitglied Xavier Naidoo ist, der der wohl bekannteste Sohn ist, eröffnete einer seiner Kollegen den Abend. Henning Wehland gab eine halbe Stunde vor eigentlichem Beginn um 20 Uhr den Einheizer.

Doch die Ereignisse auf der Peißnitz begannen an diesem Abend nicht - wie bei Konzerten anderer Künstler - mit dem Konzert. Schon zwei Stunden vorher versammelten sich auf der Ziegelwiese Gegner der Musikgruppe, die in den vergangenen Monaten deutschlandweit in die Kritik geraten war. Der Vorwurf: Ihr neuer Song „Marionetten“ rufe zu Gewalt auf, enthalte Formulierungen aus der rechten Szene und bediene die Meinung von Verschwörungstheoretikern.

Band-Mitglied Xavier Naidoo war zudem in der Vergangenheit immer wieder durch solche Verschwörungstheorien und krude Auftritte aufgefallen, in denen er etwa die Existenz der Bundesrepublik Deutschland anzweifelte. Viele Radiosender hatten aufgrund des Songs „Marionetten“ aufgehört, Lieder der Söhne Mannheims zu spielen. Auch der Sender MDR Jump, der das Konzert erst präsentierte, war vor einigen Wochen auf Distanz gegangen.

Mini-Protest bei Konzert der Söhne Mannheims in Halle

Nicht genug für die rund 30 Personen von der Partei Die Linke, den Jusos und der Satire-Partei Die Partei. Sie verteilten auf der Ziegelwiese zunächst Flyer an Besucher auf dem Weg zum Konzert. „Die Texte stehen seit Jahren in der Kritik. Und jetzt sollen sie mitten in der Stadt auftreten!“, sagte Igor Matviyets, Vorsitzender der Jusos in Halle und Anmelder der Protestveranstaltung. Die Texte hätten einen menschenverachtenden Inhalt, egal wie weit sich die Gruppe oder Naidoo davon immer wieder distanziere.

Ähnlich ablehnend zeigte sich Lukas Wanke von der Linksjugend. Auch seine Partei war mit einem Infostand und Flyern zur Ziegelwiese gekommen, um mit Besuchern ins Gespräch zu kommen, wie er sagte. „Wir wollen auf die problematischen Aspekte in den Liedern hinweisen. Das sind Verschwörungstheorien oder es heißt, die Amerikaner und ,Zionisten' seien an allem Schuld“, so Wanke. Er frage sich, wieso Naidoo nicht schon früher kritisiert wurde, so wie aktuell.

Der Versuch, mit Besuchern, die ab halb 9 Uhr an dem kleinen Protestcamp vorbeikamen, ins Gespräch zu kommen, war jedoch nur mäßig erfolgreich. Viele gingen weiter und schüttelten den Kopf, als die Demonstranten ihnen Flyer in die Hand drücken wollten.

„Ich habe nichts gegen die Texte“, sagte ein Mann aus Thüringen. Er habe so viel Geld für die Tickets ausgegeben, da werde er jetzt auch zum Konzert gehen. „Ich finde die Musik einfach schön und kenne die Texte ehrlich gesagt gar nicht“, sagte eine Frau, die mit anderen Frauen aus dem Raum Bitterfeld unterwegs war.

Ein Pärchen aus Halle wusste zwar, dass die Söhne Mannheims in die Kritik geraten sind, aber : „Wir sind wegen der Musik hier.“ Dieses „Rechte Ding“, wie sie sagten, sei ihnen egal. Wenn sie beide irgendwann mal einen Text hören würden, der richtig übel sei, dann würden sie sich überlegen, zu Konzerten zu gehen. Aber am Freitag wollten sie erst einmal das Konzert genießen, so wie alle anderen Besucher auch.

Hinter der Sicherheitskontrolle waren die Protestierenden aus dem Blick – und auch schnell aus den Köpfen verschwunden. Und dann folgte ein Sommerkonzert, wie es im Buche steht. (mz)