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Wintersport auch im sommerMit Video: Skispringen ohne Schnee im Saalekreis - So funktioniert es

Wintersport auch im Sommer: Das geht in Rothenburg. Der SFV trainiert Kinder und Erwachsene in der außergewöhnlichen Sportart. Doch es wird Nachwuchs gesucht.

Von Luisa König 08.02.2024, 11:50
Christian Wendt (l.) und Patrick Valentin sind selbst seit vielen Jahren im SFV Rothenburg als Skispringer aktiv. Nun trainieren sie die Kinder.
Christian Wendt (l.) und Patrick Valentin sind selbst seit vielen Jahren im SFV Rothenburg als Skispringer aktiv. Nun trainieren sie die Kinder. (Foto: Luisa König)

Rothenburg/MZ - Einmal wieder wie frisch verliebt fühlen? In Rothenburg geht das – und zwar beim Skispringen. Denn Trainer und Vereinsvorsitzender Patrick Valentin beschreibt das Gefühl nach dem Absprung genau so: Wie ein Kribbeln im Bauch, ein Gefühl der Freiheit.

 
Skispringen ohne Schnee: SFV Rothenburg trainiert Skispringer im Saalekreis. (Video: Anna Lena Giesert)

Das dürfen auch gerade wieder die etwa 20 Kinder, die im SFV Rothenburg trainieren, spüren. Sie bereiten sich auf die bevorstehenden Wettbewerbe im Sommer vor. Denn auch wenn man Skispringen eher für eine winterliche Aktivität hält, gibt es Möglichkeiten, sie ganzjährig durchzuführen.

„Wir haben hier Kunststoffmatten“, erklärt Christian Wendt, der auch als Trainer tätig ist. Die wellenförmigen Matten werden mit Wasser besprüht, wodurch sie gleitfähig für die Skier werden. Unter ihnen befindet sich eine etwa vier Zentimeter dicke Schaumstoffmatte, die den Untergrund weicher und somit sicherer macht. „Das Verletzungsrisiko ist geringer als beim Fußball“, sagt Valentin. Sorgen müsse man sich also keine machen.

Kurz vor dem Absprung: Mit 34 Metern ist das die höchste Schanze in Rothenburg.
Kurz vor dem Absprung: Mit 34 Metern ist das die höchste Schanze in Rothenburg.
(Foto: Luisa König)

Das sei vor allem bei den Eltern der Fall. „Kinder denken da nicht so viel nach, die haben keine Angst davor“, so der Vereinsvorsitzende. Deswegen sei es gut, so früh wie möglich mit dem Skispringen anzufangen. Ab Schuhgröße 28, also einem Alter von ungefähr fünf Jahren, sei das möglich. Erfahrung im Umgang mit Skiern braucht man nicht, und die Ausrüstung wird vom Verein gestellt. „Viele denken, dass das ein teurer Sport ist, aber wir nehmen nur drei Euro pro Monat als Mitgliedsbeitrag“, erklärt Valentin. Ihn selbst hat es vor 30 Jahren in den Verein gezogen, als er sechs Jahre alt war. Eigentlich habe er nur zugeschaut, bis er vom Trainer überredet wurde, doch selbst mitzumachen. Also sprang er und blieb seitdem dem Sport treu. So war es auch bei Wendt, der mit zehn Jahren zum Skispringen kam.

Mehr Hobby als Leistungssport

Mittlerweile agieren beide als Trainer, von denen es insgesamt sechs gibt. Valentin hatte kurzzeitig den Sprung in den Leistungssport gewagt, später aber wieder damit aufgehört. Ein Hobby ist es trotzdem noch. So auch bei vielen Kindern. Die Trainer erzählen, dass die wenigsten den Weg in den Leistungssport gehen wollen oder schaffen. Denn die Anforderungen sind ganz anders als beim Training in Rothenburg.

Trotzdem wird an den Übungstagen geschaut, dass sich die Kinder stetig verbessern. Wie springen sie ab? Wie verhalten sie sich im Flug? Und wie landen sie? All die Dinge werden beobachtet und vor dem nächsten Sprung ausgewertet.

Mit dabei ist auch Lukas Richter. Der 17-Jährige ist seit zehn Jahren Mitglied im Verein, mittlerweile macht er sein Freiwilliges Soziales Jahr dort und trainiert die Kinder. „Ich habe damals einen Flyer gesehen und fand das interessant“, verrät er, wie er zu der eher außergewöhnlichen Sportart gekommen ist. In der ersten Zeit spielte er nebenbei noch Fußball und musste sich irgendwann entscheiden, was er weiterführen möchte. „Im Fußball habe ich keine Tore geschossen, also stand die Entscheidung schnell fest“, erzählt er und lacht.

Nur Mut und Respekt sind nötig

Angst vor dem Skispringen hatte er nie – nur Respekt. Aber das sei in Ordnung. „Man fängt klein an und wenn der Trainer sagt, du bist bereit für die nächste Schanze, dann ist das auch so.“ Sieben Meter hoch ist die kleinste Schanze, auch Zwergenschanze genannt. Danach folgt die 15 Meter hohe Schanze, die nach Olympiasieger Andreas Wank benannt ist, der ebenfalls in Rothenburg seinen Weg zum Skispringen fand. Bei der höchsten Schanze beträgt die Distanz bis zur roten Linie dann 34 Meter. „Das Ziel ist, die Kinder so schnell wie möglich zur nächsten Schanze zu bringen“, sagt Wendt.

Er und Valentin wünschen sich, dass auch weiterhin Nachwuchsspringer in den Verein kommen, und am besten auch bleiben. Viele würden das Interesse verlieren oder keine Zeit mehr haben, wenn sie größer werden. Doch die Trainer hoffen, dass auch sie irgendwann abgelöst werden. Lukas Richter hat das vor. Er möchte dem Sport und auch dem Verein treu bleiben, weil es ihm Spaß macht. „Im Leistungsbereich ist man oft ein Einzelkämpfer, aber hier gibt es ein Vereinsgefühl, hier wird man angefeuert.“