Smarter und digitaler Residieren

Was ein Wohnprojekt in Halle-Neustadt wegweisend für Deutschland macht

Die Genossenschaft „Ha-Neuer“ saniert für elf Millionen Euro Gebäude und ein Stadtteilzentrum. Hier soll das Zusammenleben neu definiert werden.

Von Silvia Zöller
Die ?Ha-Neuer? hat Wohnungen in der Oldenburger Straße für Projekt ?Zusammenleben 4.0? saniert. Foto: Zöller

Halle (Saale) - Die ersten Mieter sind bereits eingezogen in die frisch sanierten Wohnungen an der Oldenburger Straße in Neustadt. Hier, an der bislang nicht unbedingt ersten Adresse des Stadtteils hinter dem Niedersachsenplatz, startet damit ein Pilotprojekt, das vielleicht für ganz Deutschland wegweisend sein könnte: „Zusammenleben 4.0“ will mit Smart-Home-Technik und neuen Möglichkeiten in einem Stadtteilzentrum für Gesundheit, Sport und Begegnung neue Wege für die alternde Gesellschaft testen. Elf Millionen Euro werden hier von der Halle-Neustädter Wohnungsgenossenschaft (Ha-Neuer) investiert. Schirmherr ist Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Neues Wohnprojekt in Halle-Neustadt soll Anlaufzentrum für alle 4.000 Menschen im Wohnquartier werden

„Der Kiez-Gedanke rückt hier in den Vordergrund“, sagt Andreas Luther, Vorstandsvorsitzender der Ha-Neuer. Vor allem Senioren sollen hier mehr Lebensqualität und Gemeinschaft erfahren, so die Idee: Noch im Mai ist der Baustart für den fünf Millionen Euro teuren Umbau einer ehemaligen Kaufhalle zum Stadtteilzentrum geplant, das mit Fördermitteln von Stadt und Land mitfinanziert wird.

„Es soll ein Anlaufzentrum für alle 4.000 Menschen im Wohnquartier, dem früheren sechsten WK werden“, sagt Luther. Sport und Rehabilitation, Pflege und auch Kommunikation sollen in dem Zentrum zusammenkommen. Wer will, kann hier sein Essen bestellen und einnehmen. „Mit einer Nachbarschafts-App weisen wir auf die Angebote hin“, erklärt Luther.

Smart-Home-Technik reguliert nicht nur die Heizung in den sanierten Wohnungen an der Oldenburger Straße 1-11.
Foto: Haneuer

Smarter und digitaler wohnen: Smartwatch für Bewohner und intelligente Technik in den Wohnungen

Digitalisierung wird in dem Projekt großgeschrieben, das auch vom Fraunhofer-Institut und der Uni Halle begleitet wird. So erhält jeder Mieter der sanierten Wohnungen in der Oldenburger Straße, der dies möchte, kostenlos im Rahmen des Politprojekts eine besondere Smartwatch. Diese übertragt Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung oder ein EKG direkt an einen Arzt - der im Fall der Fälle darauf reagieren kann. Auch ein Tablet für jede Mietpartei gehört zu dem Projekt, zum Beispiel, um per Videotelefonie mit dem Arzt in Kontakt zu treten. 30 Testpersonen nehmen schon teil: „Und so konnte schon ein Schlaganfall verhindert werden“, so Luther.

Aber auch die 60 Wohnungen, die für rund sechs Millionen Euro aus Eigenmitteln der Genossenschaft in den letzten beiden Jahren saniert worden sind, sind gespickt mit intelligenter Technik. So gibt es nicht nur eine digitale Schaltzentrale in jeder Wohnung, die Funktionen wie die Kamera am Eingang, die Steuerung der Heizung oder später etwa auch die Programmierung der Ladestation für E-Autos übernimmt. Die Heizung ist zudem elektronisch so gesteuert, dass sie sich automatisch ausschaltet, wenn das Fenster im Zimmer geöffnet wird. Schlüssel gibst es in dem Haus nicht, die Türen werden durch elektronische Transponder geöffnet.

Pilotprojekt für Deutschland: Alles soll in Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort ausprobiert werden

Von den 60 Wohnungen werden zehn jedoch nicht dauerhaft vermietet. „Diese Wohnungen im Erdgeschoss können temporär und kostenlos von Mietern genutzt werden, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt.“ Mit Unterstützung von Pflegediensten können Senioren dort wieder fit gemacht werden für das Leben in der eigenen Wohnung. Ziel: „Die Kosten der Pflege- und Gesundheitsversorgung deutlich zu reduzieren und den Menschen bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit ermöglichen“, so Luther.

Er räumt jedoch ein: Alles soll in Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort ausprobiert werden. Wenn etwas nicht läuft, werden andere Wege gesucht. Die Kaltmiete der Wohnungen liegt bei sechs Euro pro Quadratmeter. Entstanden sind Zwei- und Dreiraumwohnungen mit 55 bis 65 Quadratmetern Fläche. Zur offiziellen Eröffnung des Projekts ist im Mai eine Veranstaltung mit Schirmherr Haseloff geplant. (mz)