Technik gegen den Dreck

Technik gegen den Dreck: So sucht Branche der Gebäudereiniger nach Mitarbeitern

Halle (Saale) - Mit einer Infoveranstaltung am Freitag und einer neuen Umschulung sollen zusätzliche Mitarbeiter gewonnen werden. Was den Beruf ausmacht.

Von Silvia Zöller 04.03.2020, 13:30

Der Gebäudereiniger-Branche geht es nicht anderes als anderen: Es fehlen Mitarbeiter. „Wir können beispielsweise Großbaustellen nicht mehr bedienen, weil das Personal nicht da ist. Es herrscht überall Mangel“, sagt Innungsmeister Matthias Stenzel. Dabei sei der Beruf heute viel mehr, als nur mal mit dem Putzlappen durchs Büros wischen.

Viel Technik spielt heute eine Rolle, angefangen von sogenannten Saugautomaten zum Putzen bis hin zu Reinigung von Flächen mit Trockeneis. Und: „Wir haben einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag und zahlen über dem Mindestlohn“, sagt Stenzel. Ein Geselle verdient aktuell 13,50 Euro pro Stunde.

Fünf Reinigungs-Unternehmen aus Halle stellen sich vor

Bei einem Informationstag am Freitag stellen sich fünf Reinigungs-Unternehmen aus Halle vor und hoffen dabei auch auf Interessierte, die den Beruf in einer Umschulung erlernen möchten. „Diese Umschulung wird vom Jobcenter finanziert und ist für jeden gedacht, der momentan arbeitslos ist“, sagt Stenzel. „Das Alter spielt dabei keine Rolle, auch Langzeitarbeitlose und Migranten sind sehr willkommen.“

Wie spannend der Beruf ist, soll nun am Freitag in der Landesfachschule gezeigt werden, die auf dem Areal an der Ottostraße zwischen der Merseburger und der Dieselstraße zu finden ist. An einer Kletterwand werden Klettertechniken demonstriert, die unter anderem an Hochhäusern notwendig ist.

Wie wird ein Fahrzeug innen gereinigt?

Gezeigt wird auch, wie ein Fahrzeug innen gereinigt wird oder wie man mit entmineralisiertem Wasser Fenster reinigen kann. „Denn dieses Wasser läuft einfach die Scheibe hinunter und reichert sich dabei an, so dass nur grobe Verschmutzungen vorher beseitigt werden müssen“, erklärt Stenzel.

Und auch, wie man beispielsweise alte Lackflächen von einem alten gusseisernen Stuhl mit Trockeneis entfernen kann. „Das ist wie Sandstrahlen mit Eis, das auf minus 71 Grad gefroren ist“, sagt der Innungschef. Auch was sonst zum Beruf gehört wie Schädlingsbekämpfung oder Fleckentfernung auf Teppichen oder aber, was bei der Reinigung von Krankenhäusern wichtig ist, wird bei der Informationsveranstaltung erläutert.

Umschulung zum Gebäudereiniger steht ebenfalls im Fokus

Die Umschulung zum Gebäudereiniger steht ebenfalls im Fokus. Diese wird in der Landesfachschule absolviert und läuft zwei Jahre in Vollzeit. „Darin enthalten ist ein sechsmonatiges Praktikum“, sagt Matthias Stenzel. Dabei werde geschaut, ob der neue Kollege ins Team passt - oder vielleicht in ein anderes in einem weiteren Gebäudereinigungsunternehmen.

„Aber wir machen die Zusage, dass wir das Personal, das wir ausbilden, auch einstellen“, betont Stenzel. Möglich sei auch, nach der Umschulung eine verkürzte Gesellenausbildung zu absolvieren, die dann abgelegt werden kann, wenn der oder die Umschülerin reif für die Prüfung ist. Das könne auch schon nach einem halben Jahr sein, sagt Stenzel. Normalerweise dauere die Gesellenausbildung drei Jahre.

„Es ist ein sehr vielfältiger Beruf“

Auf dem Weg zum Gesellenbrief ist auch Pascal Rupprecht, der im dritten Lehrjahr in der Landesfachschule unterrichtet wird. „Es ist ein sehr vielfältiger Beruf“, sagt der 20-jährige Merseburger begeistert. Über ein Praktikum in der Schulzeit sei er in Kontakt mit einem Meisterbetrieb gekommen. „Später habe ich dann auch in den Ferien ein weiteres Praktikum gemacht“, berichtet er, wie sein Weg in den Beruf war.

Auf dem Stundenplan in der Landesfachschule stehen für ihn gerade Schutzmaßnahmen. Pascal Rupprecht ist einer von 58 jungen Menschen, die in der Landesfachschule die Theorie für ihren Beruf lernen.

Infoveranstaltung in der Landesfachschule für Gebäudedienstleistunge

Außerdem werden aktuell vier Meisterschüler ausgebildet. „Im September startet ein neuer Meisterkurs mit zehn Teilnehmern“, sagt Matthias Stenzel. Die Landesfachschule für Gebäudedienstleisterungen ist seit ihrer Gründung 2018 die einzige in ganz Sachsen-Anhalt. Auch die beiden Landesinnungen Magdeburg und Halle haben sich zu einer gemeinsamen Innung zusammengeschlossen.

››Infoveranstaltung in der Landesfachschule für Gebäudedienstleistungen, Ottostraße 8, am Freitag, 6.März, von 10 bis 14 Uhr. (mz)